Auskommen mit dem Einkommen

28. Oktober 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Sie sorgen sich um die Zukunft? Ach was! Wozu gibt es jetzt den Mindestlohn? Der gibt Planungssicherheit! Man weiß heute schon, dass man auch künftig allein davon kaum leben kann. Was wollen Sie denn mehr?

Die Medizin von Politik und Lobby wirkt jetzt schon. Billiglöhner bekommen etwas mehr und Besserverdienende bekommen ihre „Benchmark“, an der sie sich orientieren können: 8,50 Euro. Jeder ist ersetzbar. So liegt es im Trend, einen teuren Arbeitsvertrag durch zwei billigere zu ersetzen und damit die Menge an Arbeit auf mehr Schultern zu verlagern. Das steigert zuerst einmal die Marge der Unternehmen und die „Gleichheit“ der Leute weiter unten.

Ich glaube, der Mindestlohn wurde nicht nur für Billiglöhner eingeführt, sondern für die Verdiener darüber – dass auch sie irgendwann auf dem Boden staatlich gelenkter Tatsachen landen, also bei 8,50 Euro. So findet die (a)soziale Marktwirtschaft in der sozialen Planwirtschaft einen würdigen Nachfolger. Planmäßig steigt so auch die Zahl der Beschäftigten. Fast eine Million Rentner arbeiten wieder. Das sollte Mut machen. Nein?

Sie wissen doch: Bei Optimismus und Pessimismus handelt es sich nur um einen Mangel an Informationen. Man sollte zudem bedenken, dass 8,50 Euro bei 40 Stunden Wochenarbeitszeit monatlich rund 1.400 Euro Brutto-Einkommen bedeuten. Nach Abzug von Steuer- und Sozialabgaben bleibt doch ein hoher dreistelliger Betrag für das Auskommen übrig!

XXX <— An dieser Stelle sollten Sie eigentlich in die Hände klatschen. Das waren früher mal 2.000 D-Mark!

Besser ist es, man fährt künftig seine Ansprüche herunter, rückt enger zusammen und teilt sich so die Kosten. Eine Wohngemeinschaft könnte doch interessant sein. Oder eine Heirat? Dann teilt man nicht nur das gleiche Schicksal, wenn das Geld alle, aber noch viel Monat übrig ist. Vergessen Sie die Wurst auf den kleiner gebackenen Brötchen. Ist eh ungesund!

Freunden Sie sich nach Social Media mit Social Sharing an. Liegt voll im Trend! Da geht es ums Teilen, ist aber unter Defätisten der Not geschuldet, sich nicht mehr alles leisten zu können. Alles eine Frage der Sichtweise. Und irgendwann teilt man nicht nur Wohnung oder das Auto, sondern auch die kleineren Dinge bis hin zur Unterwäsche. Sie wissen ja, es geht um die Umwelt und nicht um einen Mangel an Möglichkeiten. Wenn schon die Heizung kälter eingestellt werden muss, steigt zumindest die soziale Wärme. Reibungswärme ist auch eine Wärme. Oder liege ich da falsch?

Das mit dem Heiraten ist keine dumme Idee, auch wenn in Frankfurt rund 50 Prozent aller Ehen geschieden werden. Reiche Männer mit einigermaßen weißen Westen und Manieren sind jetzt schon Mangelware, sagen Frauen. Die Suche nach „Versorgern“ ist so schwierig geworden wie das Finden von bezahlbarem Wohnraum. Wer scheitert, outet sich auf Facebook wieder als Fan von Social Sharing und Wohngemeinschaften wegen Umwelt und Nachhaltigkeit. Protzen Sie dann auch bitte mit dem ihrem kleiner gewordenen ökologischen Fußabdruck.

Der Heiratsmarkt ist nach dem tot gegangenen Markt der Meinung der Letzte, in dem noch alte Marktgesetze herrschen über Angebot, Nachfrage und Preis. Alles andere hat die Politik plattgewalzt.

Das Einfachste ist natürlich, die Schulden in die Höhe zu fahren und sich dann staatliche Unterstützung zu holen, wenn sich Leistung nicht mehr lohnt. Solange ein Staat sich verschulden kann, glücklicherweise sind die Zinsen für neue Defizite bei draghischen null Prozent angekommen, gibt es noch etwas – wird aber irgendwann enden wie im Experimentierlabor Griechenland.

Ich glaube ja, dass künftiger Ärger nicht über das Finanzsystem, sondern aus der Gesellschaft kommt. Aus Geschichtsbüchern weiß man, dass erst das Geld schlecht wird, dann die Wirtschaft und dann alles andere. So werden wir kerngesunde Pleitebanken feiern und optimistische Vorstandschefs verstaatlichter Unternehmen. Offiziell sind dann Minuszeichen verboten, während wütende Leute aus Protest die Faust ballen – um den Henkel eines Bierkruges.

Irgendwann geht es aber um Reich gegen Arm und umgekehrt, wenn 95 Prozent der Leute an das Vermögen der oberen fünf Prozent wollen. Was glauben Sie, wer dann mit Hilfe der Politik gewinnen wird? Dann, ja dann haben wir es wirklich geschafft.

Irgendwann wird auch der Ruf nach mehr Gerechtigkeit dazu führen, dass die Ursachen für Ungerechtigkeit keine Rolle spielen. Die Politik wird dann für die entsprechend falschen Feindbilder sogen. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Wer nicht unser Freund ist, ist unser Feind. Alles schon gehabt und irgendwie wie in der Physik: Die Schwerkraft ist neutral, unbestechlich und gnadenlos. Und der Boden hart.

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