Ausgerutscht und angeschmiert

17. Januar 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Das „Negativ-Wachstum“ der Börsenkurse ging unterdessen ungebremst weiter! Wachstum ist eben Wachstum, selbst mit Minuszeichen. Basta! Plötzlich hängen die Crash-Fahnen vor den trüben Glaskugeln der Experten…

Dabei hieß es neulich noch, Aktien wären alternativlos und Dividenden der neue Zins. Wie ulkig. Von seinem Hoch hat der Deutsche Leid-Index inzwischen 23 Prozent verloren, allein 1.200 Punkte in zwei Wochen. Reizt Sie der Abschlag für einen Einstieg? Oder gar einen Ausstieg?

Dieser Sturz ist vielleicht sogar mehr als ein kleiner Sturm im Wasserglas. Kein Wunder, dass Experten nun fast alle vor einem miesen Börsenjahr warnen. Ihre alte Prognose ist heute das wert, was man dafür bekommt – also viel weniger. Das große Sterben am Zertifikatemarkt geht weiter. Zehntausende Papiere wurden ausgeknockt und lautlos entsorgt.

Während früher Rücksetzer im DAX gekauft wurden, werden heute die Erholungen abverkauft. Das ist kein Bullenmarkt, sondern typisch für Bärenmärkte. Doch das erfahren wir erst später.

Bekanntlich wird zum Einstieg und Ausstieg nicht geklingelt. Aber „klingeln“ gehört nun mal zum Geschäft der „Finanz-Experten“. „In einem überfüllten Saal sind die Notausgänge schmal“, reimt die Royal Bank of Scotland und empfiehlt alles zu verkaufen, außer Anleihen hoher Qualität. Das ist diese Bank, die 2008 selbst keine Gefahren sah, selbst als sie die Todeswelle schon in den Abgrund spülte. Selbst die Deutsche Bank ist plötzlich pessimistisch. Warum sollte sich das ausgerechnet jetzt als richtig erweisen?

Unlängst hieß es auch, die tiefen Ölpreise würde die Konjunktur befeuern. Heute sagt man, Preise unter 30 US-Dollar pro Fass wären eine Belastung für die Börsen. Na, was denn nun?

Das ist mindestens so verrückt wie die letzte Analyse aus der Glaskugel von Standard Chartered. Dort senkte man das Kursziel für Rohöl von 70 auf zehn (!) US-Dollar. Und eine durch ihren Unsinn inzwischen berühmte US-Analystin sieht den Ölpreis sogar unter null US-Dollar fallen. Brüllkomisch! Oder? Was lehrt uns das? Man sollte das Zeug nicht trinken und gleichzeitig auch noch denken – und Schlüsse daraus ziehen.
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

 

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