Ausgequetscht wie eine reife Frucht

3. Mai 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Zwei Faktoren sorgten bei den US-Firmen in den vergangenen Jahren für deutliche Gewinnanstiege nach dem Krisentief. Neben der Erholung der kollabierten Umsätze zogen die Gewinnmargen die Profite an. Die Margenausweitung dürfte mit dem vierten Quartal ihr Ende gefunden haben. Wie weit tragen die steigenden Umsätze noch?

Die Erholung der Unternehmensgewinne amerikanischer Aktiengesellschaften seit 2009 war bemerkenswert. Betrachtet man die Firmen aus dem S&P 500, so wurde in den letzten beiden Quartalen des Vorjahres in etwa das Vorkrisenniveau erreicht. Das gilt natürlich nur nominal, inflationsbereinigt liegen die aktuellen Werte auf dem Level von vor sieben Jahren. Das wird gerne vergessen, obwohl sich die reale Ertragskraft eines Unternehmens natürlich nur aus den realen Erträgen ableiten lässt.

Die Abbildung reiht sich nahtlos ein in die Entwicklungen am Arbeitsmarkt, bei den Realeinkommen und den Konsumausgaben. Weitere Studien zeigen, wie die Faktoren Arbeitsmarkt und Einkommen und die Gewinnentwicklung zusammenhängen. Die Situation der Arbeitssuchenden in den Staaten hat sich allen vermeintlichen Erholungen am Finanzmarkt nicht verbessert. Die Gelder fließen, wie dies seit den 90ern der Fall ist, in den schon von Hyman Minsky treffend Ponzi-financing genannten Prozess. Für Investitionen und eine Steigerung der ökonomischen Leistungsfähigkeit sorgen diese Mittel nicht. Viele Firmen haben aus guten Gründen nicht investiert, ein von vielen Unternehmen genanntes Problem sind immer noch bestehender Überkapazitäten. Das gilt nicht nur für Produzenten, auch die Verkaufsflächen pro Einwohner sind bis zum Krisenbeginn weit über ein langfristig rentables Maß hinaus gewachsen.

Wer sich durchliest, welche finanziellen Probleme die kleinen und mittleren Unternehmen plagen, den verwundert eine geringe Investitionsneigung nicht. Es geschah und geschieht nun das, was in Folge einer realen Krise regelmäßig passiert. Es wurden Arbeitsplätze gestrichen und anderweitig Kosten eingespart. Auch ohne Rechenkunst war mit einer deutlichen Ausweitung der Gewinnmargen vieler Unternehmen zu rechnen. Stabilisieren sich dann die Umsätze, springen die Gewinne an. Genau das ist eingetreten. Die folgende Grafik zeigt die Beiträge zu Gewinnwachstum, die aus dem Umsatzwachstum und der Margenausweitung resultieren.

Das Umsatzwachstum seit 2010 war ordentlich, aber es hätte für sich allein niemals für einen derart drastischen Gewinnanstieg sorgen können. Nur zusammen mit einer in der Tat beeindruckenden Margenausweitung konnten die Unternehmensgewinne das alte Niveau zumindest nominal wieder erreichen. Problematisch an einer derartigen Entwicklung ist zum einen ihr absehbares Ende, denn Margen lassen sich nicht endlos verbessern. Die Kosteneinsparungen selbst führen dauerhaft zu weniger Einkommen, bei denen, die von eben diesen Kosten leben. Auf dem aktuellen Niveau werden sich die Margen nicht halten können, relativ zum GDP liegen die Unternehmensgewinne mehr als 65% über dem langjährigen Mittel. Sinken die Margen auf das mittlere Niveau, so würden bei stabilen Umsätzen die Gewinne auf das Niveau des Jahres 2000 zurückfallen, die Auswirkung auf die Bewertungskennzahlen der Aktien wäre dementsprechend deutlich.

Die Kosten des einen sind die Einnahmen des anderen. Die derzeitig künstlich über staatliche Transferleistungen und Konsumkredite über Wasser gehaltenen Einzelhandelsumsätze sind kein Zeichen steigender Realeinkommen. Lässt man die staatlichen Transferleistungen außen vor, so überschreiten aktuell die Konsumausgaben sogar sämtliche Einkommen – einmalig in der US-Geschichte und einigermaßen absurd. Man ist in den Staaten offenbar in die nächste Phase des Shoppens eingetreten und konsumiert nun im Mittel aus den Reserven… (Seite 2)

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