Ausgequetscht wie eine reife Frucht

3. Mai 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Zwei Faktoren sorgten bei den US-Firmen in den vergangenen Jahren für deutliche Gewinnanstiege nach dem Krisentief. Neben der Erholung der kollabierten Umsätze zogen die Gewinnmargen die Profite an. Die Margenausweitung dürfte mit dem vierten Quartal ihr Ende gefunden haben. Wie weit tragen die steigenden Umsätze noch?

Die Erholung der Unternehmensgewinne amerikanischer Aktiengesellschaften seit 2009 war bemerkenswert. Betrachtet man die Firmen aus dem S&P 500, so wurde in den letzten beiden Quartalen des Vorjahres in etwa das Vorkrisenniveau erreicht. Das gilt natürlich nur nominal, inflationsbereinigt liegen die aktuellen Werte auf dem Level von vor sieben Jahren. Das wird gerne vergessen, obwohl sich die reale Ertragskraft eines Unternehmens natürlich nur aus den realen Erträgen ableiten lässt.

Die Abbildung reiht sich nahtlos ein in die Entwicklungen am Arbeitsmarkt, bei den Realeinkommen und den Konsumausgaben. Weitere Studien zeigen, wie die Faktoren Arbeitsmarkt und Einkommen und die Gewinnentwicklung zusammenhängen. Die Situation der Arbeitssuchenden in den Staaten hat sich allen vermeintlichen Erholungen am Finanzmarkt nicht verbessert. Die Gelder fließen, wie dies seit den 90ern der Fall ist, in den schon von Hyman Minsky treffend Ponzi-financing genannten Prozess. Für Investitionen und eine Steigerung der ökonomischen Leistungsfähigkeit sorgen diese Mittel nicht. Viele Firmen haben aus guten Gründen nicht investiert, ein von vielen Unternehmen genanntes Problem sind immer noch bestehender Überkapazitäten. Das gilt nicht nur für Produzenten, auch die Verkaufsflächen pro Einwohner sind bis zum Krisenbeginn weit über ein langfristig rentables Maß hinaus gewachsen.

Wer sich durchliest, welche finanziellen Probleme die kleinen und mittleren Unternehmen plagen, den verwundert eine geringe Investitionsneigung nicht. Es geschah und geschieht nun das, was in Folge einer realen Krise regelmäßig passiert. Es wurden Arbeitsplätze gestrichen und anderweitig Kosten eingespart. Auch ohne Rechenkunst war mit einer deutlichen Ausweitung der Gewinnmargen vieler Unternehmen zu rechnen. Stabilisieren sich dann die Umsätze, springen die Gewinne an. Genau das ist eingetreten. Die folgende Grafik zeigt die Beiträge zu Gewinnwachstum, die aus dem Umsatzwachstum und der Margenausweitung resultieren.

Das Umsatzwachstum seit 2010 war ordentlich, aber es hätte für sich allein niemals für einen derart drastischen Gewinnanstieg sorgen können. Nur zusammen mit einer in der Tat beeindruckenden Margenausweitung konnten die Unternehmensgewinne das alte Niveau zumindest nominal wieder erreichen. Problematisch an einer derartigen Entwicklung ist zum einen ihr absehbares Ende, denn Margen lassen sich nicht endlos verbessern. Die Kosteneinsparungen selbst führen dauerhaft zu weniger Einkommen, bei denen, die von eben diesen Kosten leben. Auf dem aktuellen Niveau werden sich die Margen nicht halten können, relativ zum GDP liegen die Unternehmensgewinne mehr als 65% über dem langjährigen Mittel. Sinken die Margen auf das mittlere Niveau, so würden bei stabilen Umsätzen die Gewinne auf das Niveau des Jahres 2000 zurückfallen, die Auswirkung auf die Bewertungskennzahlen der Aktien wäre dementsprechend deutlich.

Die Kosten des einen sind die Einnahmen des anderen. Die derzeitig künstlich über staatliche Transferleistungen und Konsumkredite über Wasser gehaltenen Einzelhandelsumsätze sind kein Zeichen steigender Realeinkommen. Lässt man die staatlichen Transferleistungen außen vor, so überschreiten aktuell die Konsumausgaben sogar sämtliche Einkommen – einmalig in der US-Geschichte und einigermaßen absurd. Man ist in den Staaten offenbar in die nächste Phase des Shoppens eingetreten und konsumiert nun im Mittel aus den Reserven… (Seite 2)

 

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22 Kommentare auf "Ausgequetscht wie eine reife Frucht"

  1. […] Rott & Meyer: Ausgequetscht wie eine reife Frucht […]

  2. MH sagt:

    Das Zauberwort heißt ja Wachstum. Aber wer über Wachstum spricht, muss sich auch fragen, wo es herkommen soll und ob die bisherige Definition davon überhaupt ausreicht. Umfasst es nur die Steigerung des Bruttoinlandprodukts oder muss man sich nicht auch mal die Frage stellen, woher das Geld für den Konsum denn kommt? In den letzten Jahren war es jedenfalls immer schuldenfinanziert. Ob jetzt die Geldspritzen für die Finanzmärkte oder für die Wirtschaft die Konjunkturspritzen: ohne Spritze läuft doch nichts mehr.

    Letztendlich liegt das eigentliche Problem denn auch in der Überproduktion. Durch den technischen Fortschritt werden immer mehr Menschen aus Wirtschaftsprozess rausgekickt. Es werden grundsätzlich mehr Arbeitsplätze abgebaut als durch neu entstehende Industriezweige entstehen, was auch durch den Anstieg der Bevölkerung nicht aufgefangen werden kann.

    Deshalb geht für mich bei den ganzen Debatten um Krisenlösungen die Sache am Kern vorbei.

    Unverständlich finde ich auch den Beifall der Börse, den die ganze Schuldenorgie regelmäßig bekommt. Wer die Kunst des Wegschauens nicht beherrscht, sollte sich derzeit nicht an der Börse aufhalten.

    • Dreamer sagt:

      „Durch den technischen Fortschritt werden immer mehr Menschen aus Wirtschaftsprozess rausgekickt.“

      Grundsätzlich ist es positiv zu werten, wenn Maschinen oder Roboter den Menschen die Arbeit erleichtern oder sogar abnehmen. Daß Leute aus Geldmangel nicht voll am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben teilhaben können, ist ein reines Verteilungsproblem.

      • Fnord23 sagt:

        Richtig. Wertschöpfung findet in diesem Land statt. Wo sonst? Die haben wir ja mit unserer Arbeitswut auch den Griechen weggenommen.

        Das machen vermehrt Roboter. Da stehen wir noch am Anfang.

        Die Umverteilung dieser Wertschöpfung funktioniert nicht mehr. Früher hat man eben 10 Menschen entlohnt. Gut, die Roboter müßen auch erfunden und gefertigt werden.

        Oder, man kauft sich privat einen dieser Roboter, vermietet diesen an eine Firma und lebt von den Mieteinnahmen. Auch eine Möglichkeit Wertschöpfung umzuverteilen.

        Im Ernst:
        Entweder wir schaffen den Sprung in eine postkapitalistische Gesellschaft, verbunden mit einem komplett anderen Verständnis von Arbeit, Leben, Lernen.

        Oder,wir schaffen das nicht und fallen nach einem GO wieder auf die Verhältnsse von 1800 zurück.

        Beide Möglichkeiten haben etwas Reizvolles. Wobei mir der Sprung besser gefällt, weil ich froh bin, die Anfänge der Gleichberechtigung der Frau hinter mir zu haben. 🙂

        VG ins Land

        • VickyColle sagt:

          Volle Unterstuetzung, wenn auch aus anderen Gruenden. 🙂

          • Fnord23 sagt:

            Hallo VickyColle,
            du bist eine Schwester von Lilith? (Adams 1.Frau)

            Wenn es um die Gleichberechtigung geht: Mich hat noch keiner gefragt, was ich als Mann so alles durchmache. 🙂

            Ich denke, die Frauengeneration so um die 40 ist die erste, die damit groß wurde. Ihre Mütter leben, von Ausnahmen abgesehen, noch im klassischen Rollenverständnis. Sie sollen und dürfen jetzt alles anders machen als ihre Mütter. Das ist nicht ganz einfach, wenn die Mutter diesbezüglich kein Vorbild mehr abgeben soll/darf.

            Das führt unweigerlich zu Konflikten. Ich war da als Mann, für den die Gleichberechtigung selbstverständlich ist, schon öfters am Rande der Verzweiflung.

            Ich sag es mal ganz hart: Wer für Gleichberechtigung ist, der soll sich, unter Berücksichtigung der geschlechtspezifischen Unterschiede, auch so benehmen.

            Schlussendlich hilft es nur die Sache mit Humor zu nehmen. Der Weg von Eva zu Lilith ist nicht leicht und dauert wohl 3 Genrationen. Darum bin ich froh, dass wir das erste Drittel wohl schon hinter uns haben.

            Ich glaube, dass haben die selben Kreise angestoßen wie die Aufklärung.

            VG ins Land

  3. Dreamer sagt:

    Geld wird als Schuld erschaffen (Inflation) und bei Tilgung wieder vernichtet (Deflation). Das Geld für die Zinsen wird jedoch nicht mit erschaffen, weshalb irgendjemand einen neuen Kredit aufnehmen muss, um an neues Geld zu kommen, für das dann wiederum Zinsen fällig werden.

    Dieses exponentielle Wachstum der Zinslast findet zusammen mit dem Fiat Money spätestens dann ihr Ende, wenn einer der folgenden Punkte eintritt

    1. Banken vergeben deutlich weniger oder garkeine Kredite mehr
    2. Schuldenberge und Zinslast sind untragbar groß geworden
    3. Schulden werden getilgt anstatt nur umgeschuldet
    4. Starker Einbruch der Kreditnachfrage

    Zu 1: Die Kreditvergabe wird immer restriktiver. Wir erleben es in Ansätzen (siehe: die hohen Übernachteinlagen bei der EZB).

    Zu 2: Die Schuldenberge werden immer größer (Inflation). Findet zweifelsohne statt.

    Zu 3: Wegen der Zinsen können unmöglich alle Schulden getilgt werden, zumal dann auch keine Euros mehr in Umlauf wären (totale Deflation). Findet nicht statt, da sich die Geldmenge immer weiter aufbläht. Trotzdem kann es zu einem Geldmangel in der Realwirtschaft kommen, etwa wenn nicht genug frisches Kreditgeld in die Wirtschaft fließt.

    Zu 4: Findet nicht statt. Die Märkte sind weitestgehend „gesättigt“. Es besteht zwar reichlich Bedarf, mangelt jedoch an zahlungsfähiger Nachfrage. Folglich stagniert die Wirtschaft und inflationsbereinigt schrumpft sie sogar zusammen mit der Nachfrage nach Firmenkrediten.

    Der Staat springt ein und macht an Stelle der Wirtschaft kräftig neue Schulden, für die der Steuerzahler bürgen muß (nicht umsonst heißt er „Bürger“). Die damit einhergehende Fehlallokation der Gelder führt zu starken Marktverzerrungen (Beispiel: Windräder, Photovoltaik) und erzeugt ein künstliches Wirtschaftswachstum.

  4. MH sagt:

    @ Dreamer
    Ich seh die Wegrationalisierung der Arbeitsplätze durch den Einsatz von Maschinen und Robotern nicht so positiv. Okay, da wo sie den Menschen gesundheitsgefährdende oder sonstwie gefährliche Tätigkeiten abnehmen, sollen sie eingesetzt werden. Das finde ich in Ordnung. Aber der weitaus größte Teil der technischen bzw. elektronischen Geräte wird ja eingesetzt, um Kosten zu sparen. Ob die freigesetzten Mitarbeiter darüber auch so erleichtert sind, dass sie jetzt keinen Arbeitsplatz mehr haben und möglicherweise auch so schnell keinen wiederbekommen, wage ich zu bezweifeln. Mal ganz abgesehen von der Frage, ob es sinnvoll ist, sich alles oder alles was möglich ist, von Maschinen abnehmen zu lassen.

    Es gibt Menschen, die arbeiten gern und sind sogar auch zufrieden mit der Ausübung von monotonen Tätigkeiten. Eine Kündigung ist ein ziemlicher Einschnitt im Leben eines bis dahin arbeitenden Menschen und zerrt oftmals am Selbstwertgefühl. Das ist nicht immer nur eine Frage des Geldes.

    Theoretisch gesehen ist es alles „nur“ ein Verteilungsproblem, da hast du Recht. In der Praxis sieht es anders aus. Die Unternehmen stehen unter Konkurrenzdruck und sind dazu gezwungen, immer weiter zu rationalisieren und/oder Niedriglöhne zu zahlen. Eine Diskussion darüber hatten wir ja kürzlich hier auf diesem Blog.
    Es ist schwierig, in diesem kapitalistischen System eine befriedigende Lösung zu finden. Und ob andere Systeme da bessere und vor allem praxistaugliche Antworten haben, ist nicht sicher. Das Dilemma der Überproduktion bleibt ja.

    @ Fnord23

    Entweder wir schaffen den Sprung in eine postkapitalistische Gesellschaft … oder fallen nach einem GO wieder auf die Verhältnsse von 1800 zurück.

    Was meinst du denn mit „postkapitalistisch“? Ist da noch Kapitalismus drin oder denkst du an ein ganz anderes System? Ich persönlich wünsche mir einen Kapitalismus mit mehr demokratischen Strukturen, dass die Machtverhältnisse etwas ausgeglichener sind als jetzt. Ich glaube, damit könnte man schon einiges verbessern.

    Mit den Verhältnissen von 1800 meinst du wohl weniger die Monarchie als vielmehr die feudalistischen Eigentumsverhältnisse? Ein Ausdünnen der Mittelschicht könnte ich mir wohl vorstellen – passiert ja irgendwie jetzt schon. Aber dass sie praktisch wieder ganz verschwindet, glaube ich nicht. Irgendwann wird die Wut schon kommen …und ausbrechen – hopefully!!

    Ein Abgleiten in eine Diktatur könnte ich mir auch noch vorstellen. Und dein Hinweis auf die Gleichstellung der Frau ist da ja auch schon sehr vielsagend: Die Quote verlangt als nächsten Diktator eine Frau 

    • Fnord23 sagt:

      Hallo MH,

      Dreamer schrieb:
      „Es gibt Menschen, die arbeiten gern…“

      Wir werden wohl oder übel eine neue Begriffsdefinition finden müßen.

      Ich denke es geht in Zukunft nicht mehr auschließlich um reine Erwebsarbeit. Ich unterstelle mal, dass der Mensch grundsätzlich mit der Neigung geboren wird, eine möglichst sinnvolle Tätigkeit verrichten zu wollen?

      Fragt doch mal in der Bekanntschaft, wer Befriedigung in seiner Erwerbstätigkeit findet.

      Wenn immer weniger Menschen im wertschöpfenden Arbeitsprozess benötigt werden, ist das doch gut. Aber was machen wir dann mit denen? Haben wir sinnvolle Tätigkeiten für diese? Was machen wir mit den geschöpften Werten?

      Mit Rückfall auf 1800 meinte ich erst mal unser ach so angenehmes Konsumleben.

      Postkapitalismus…hmmm. Diese ganze ..ismen mag ich eigentlich nicht. Zumal der eine das und der andere jenes darunter versteht.

      Der Kapitalismus hängt ja nun komplett am Besitz. Ich persönlich hab da in den letzten 21 Jahren die Entwicklung vom hardcore consumer zum Besitz-als-Belastung empfindender Mensch durch gemacht. Ich mag nicht mehr jeden Krempel kaufen, für dessen Erwerb ich vorher Lebenszeit opfern mußte, um gesetzl. Zahlungsmittel zu erhalten. Produkte, die tw. nicht mal den Zweck erfüllen, für den sie eigentlich gedacht sind, weil oft nur noch Müll und Schund angeboten wird. Konsumzwang durch geplante Obsoleszens.

      Ich konsumiere bewußt weniger, aber wertiger. Ich will auch den Konsum nicht verteufeln, aber in eine Kreislaufwirtschaft werden wir schon kommen. siehe cradle-to-cradle Produkte.

      Und natürlich wird es ohne private PM nicht gehen. Von dem Experiment des vergesellschafteten Eigentums hab ich genug. Und ich hab es nicht vergessen und kann nur warnen. Aber Gemeingüter wie Trinkwasser gehören nicht in die Hände von privaten Konzernen wie Veolia. Beim Strom sind wir da doch schon ein Stück weiter! Bei aller berechtigten Kritik: Aber ein paar Hunderttausend Windmüller und Solarheimer haben schon was für sich im Hinblick auf das Stromoligopol.

      Die freie soziale MW wäre so eine Synthese aus haevy Kapitalismus und das, was man Sozialismus nennt. Ich hab die Thesen von Ludwig Erhard gelesen und festgestellt, dass dies auch nur eine Theorie ist und so in der alten BRD nie existiert hat. Obwohl man das den Leuten ständig weiß machen will.

      Das Verblüffende ist, dass sich wichtige Dinge der freien und sozialen MW in der ersten Verfassung der DDR von 1949 wieder finden. Und auch das:

      „Verfassung vom 7. Oktober 1949

      Anknüpfend an die Weimarer Reichsverfassung bestimmte Art. 19 (Wirtschaftsordnung) der Verfassung der DDR vom 7. Oktober 1949 [2]:

      „Die Ordnung des Wirtschaftslebens muss den Grundsätzen sozialer Gerechtigkeit entsprechen; sie muss allen ein menschenwürdiges Dasein sichern.“
      Quelle: h t t p://de.wikipedia.org/wiki/Menschenw%C3%BCrde#Verfassung_vom_7._Oktober_1949

      oder das:

      „Bauern, Handel-und Gewerbetreibende sind in der Entfaltung ihrer privaten Initiative zu unterstützen. Die genossenschaftl. Selbsthilfe ist auszubauen.“

      oder das:

      „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch darf dem Gemeinwohl nicht zuwiderlaufen“

      oder:

      „Alle privaten Monopolorganisationen, wie Kartelle, Syndikate, Konzerne,Trusts….auf Gewinnsteigerung DURCH Produktions-, Preis-Absatzregelung gerichtete private Organisationen sind aufgehoben und verboten.“

      Dafür haben wir heute ja zum Glück das Bundeskartellamt! 🙂

      Das Kartellverbot findet man auch bei Erhard. Und das Subventionsverbot. Auch die Notwendigkeit, dass jeder in die Lage versetzt werden muß, Eigentum bilden zu können.

      Mein Fazit: Der Kapitalismus zerstört die Gesellschaft, der Sozialismus auch. Was bleibt? Der Mittelweg. Wie so oft im Leben.

      Ich bin da guter Dinge. Ordo ab chao. Hoffen wir das beste.

      VG ins Land

    • Fnord23 sagt:

      Hallo MH, ich noch mal zum Thema:

      „Ist da noch Kapitalismus drin….“

      Wir spielen viel in der Familie. Auch Monopoly und Siedler von Catan.

      Monopoly ist Kapitalismus. Da hat zum Schluss einer alles. Die anderen sind Pleite und haben ggf. noch Schulden. Spiel aus. It All goes Back in the Box!

      Siedler ist Marktwirtschaft mit Umlaufsicherung und Hortungsschutz. Das Spiel endet, wenn der erste 10 Punkte hat. Aber die anderen haben auch etwas. Keiner ist Pleite.

      VG

  5. Dreamer sagt:

    „Es gibt Menschen, die arbeiten gern und sind sogar auch zufrieden mit der Ausübung von monotonen Tätigkeiten. Eine Kündigung ist ein ziemlicher Einschnitt im Leben eines bis dahin arbeitenden Menschen und zerrt oftmals am Selbstwertgefühl. Das ist nicht immer nur eine Frage des Geldes.“

    Solche Leute gibt es (insbesondere im Volk der arbeitswütigen Deutschen, das in meinen Augen sogar krankhaft -> Workaholics). Egal was kommt, es wird immer Arbeit für Menschen geben. Insbesondere soziale Berufe, die Wartung und Entwicklung von Robotern und Maschinen, kreative Berufe (Künstler/Schauspieler/Schriftsteller) sowie bestimmte Dienstleistungen können nur von Menschen gemacht werden.

    Wenn sich die noch vorhandene Arbeit auf mehr Menschen verteilt, müssten die Leute nicht mehr so viel, so schnell und so lange Arbeiten, hätten mehr Zeit, weniger Stress, könnten früher in Ruhestand gehen und andere Interessen verfolgen. Das alles setzt natürlich voraus, daß sie über genug Kaufkraft verfügen, um ihr Leben finanzieren zu können, wo wir wieder beim Verteilungsproblem sind.

    Für das Verteilungsproblem ist folgender (leider autoritäre) Ansatz zwar keine optimale Lösung, aber weithin besser, als wie es jetzt ist:

    Für jeden Menschen gilt eine Höchstarbeitszeit (z.B. 20-Stunden-Woche) und ganz wichtig: sämtliche, staatliche Zuschüsse für Leute, die von ihrem Lohn nicht leben können, werden komplett(!) gestrichen (z.B. ergänzendes Hartz4 oder Wohngeld). Die Folge wäre, daß Unternehmen mindestens soviel Lohn für die max. 20 Wochenstunden zahlen müssen, wie ein Arbeitsloser vom Staat bekommt. Der wiederum müßte wiederum soviel Kaufkraft erhalten, daß er voll am gesellschaftlichen und wirtschaftlichem Leben teilhaben kann.

    • MH sagt:

      Dieses Modell bietet zweifelsohne angenehme Aussichten. Der Haken ist, dass es nur funktionieren kann, wenn es global so gehandhabt würde. Sonst wären wieder die Arbeitskosten zu hoch.

      • Dreamer sagt:

        Ja, das ist der Haken. Wenn es nicht alle Länder so machen, helfen nur noch Schutzzölle oder in ihrer Wirkung ähnliche Maßnahmen. Wenn die Schutzzölle so hoch sind, daß eine Produktion im Ausland weniger rentabel als in Deutschland ist, könnte das eine Flucht verhindern.

        Im Gegensatz zu anderen Ländern wäre Deutschland ein sehr attraktiver Absatzmarkt, da die breite Käufermasse über ausreichend Kaufkraft verfügen würde. Von dem Problem unberührt wären örtlich gebundene Berufe, wie z.B. im Bereich sozialer Dienstleistungen.

    • Fnord23 sagt:

      Hallo Dreamer,

      „Für jeden Menschen gilt eine Höchstarbeitszeit (z.B. 20-Stunden-Woche)…“

      Wäre es nicht besser max. 20 h Erwerbstätigkeit? Wenn sich dann noch einer in ehrenamtlichen Tätigkeiten austoben will, dann soll der das tun dürfen. (Das kommt übrigens meinem Lebensmodell sehr nahe.)

      Das ganze Problem wäre mit einem BGE (Umverteilung) in entsprechender Ausgestaltung grundsätzlich geregelt. Für die Grundbedürfnisse ist gesorgt. Den Rest kann jeder machen wie er will. Sämtliche anderen staatl. Leistungen fallen weg. Ob man dann noch erwebstätig ist + BGE, oder das BGE reicht, oder BGE + ehrenamtliche Tätigkeit und für welche Dauer was, sei jedem selbst überlassen.

      Freiheit die ich meine….

      VG aus dem Erzgebirge

      • Dreamer sagt:

        Hallo Fnord!

        Bedingungsloses Grundeinkommen ist problematisch, weil der Staat damit zum Lohnpreisdumping beiträgt. Jenen Teil vom Einkommen, den der Staat übernimmt, obwohl jemand eine Arbeit hat, spart sich das Unternehmen an Lohnzahlungen ein!

        Grundeinkommen statt Hartz4 von mir aus – aber dann bitte nur für Arbeitslose und nicht, um die Lohnkosten zu drücken. Arbeitslose würde es sowieso (fast) keine mehr geben, weil bei einer 20h Woche genug Arbeit für Alle da wäre und die Unternehmen wieder um Arbeitskräfte konkurrieren müssten.

        Grüße Zurück

        • Fnord23 sagt:

          Guten Morgen Dreamer,

          wieso ist BGE problematisch? Wenn jeder, der in diesem Land lebt BGE bekommt? BGE fällt nicht weg, nur weil man erwerbstätig ist. Die Grenze ist dann nicht „null“ sondern eben Höhe „X“ BGE.

          BGE haben wir ja eigentlich schon. Sämtliche Empfänger von Leistungen, auch ALG II, erhalten so was in dieser Art. Das als BGE auszugestalten hat eher psychologische Wirkungen auf die Empfänger und die Gesellschaft. Aber auch Kostengründe. Ich denke, es wäre sogar günstiger auf Grund der enormen Einsparungen in der Verwaltung.

          Das Problem mit Lohndumping entsteht, da gebe ich Dir Recht, wenn es heißt entweder ALG II oder Einkommen und nicht sowohl BGE als auch Einkommen. Wie jetzt.

          Un nu erscht moa ä Schälchen Heeßen….

          VG

  6. Dreamer sagt:

    Hallo Fnord.

    Heute ist es doch so, daß unterbezahlte Lohnarbeiter wie auch Selbständige mit zu geringem Einkommen dieses vom Staat aufstocken lassen (können). Wenn es neben dem Arbeitseinkommen noch weitere, staatliche Zuschüsse gibt (egal ob ergänzendes Hartz4, BGE, Wohngeld oder sonstwas), dann arbeiten die Deutschen (ja, so bescheuert sind sie) für weniger Geld, als sie ohne diese Zuschüsse eigentlich bräuchten, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

    Das ist deshalb nicht gut, weil der Staat nur umverteilen oder Schulden machen kann. Echte Wertschöpfung geschieht aber nur in der Wirtschaft. Schulden sind zweifelsohne problematisch, zumal eine nachhaltige Wirtschaft selbsttragend funktionieren sollte, soll heißen, mit möglichst wenig staatlichen Interventionen, bei denen am Ende doch nur Murks rauskommt. Deshalb sind Lösungen wie die 20h-Woche auch nicht wirklich optimal, aber immer noch weitaus besser, als wie es jetzt ist.

    Es gibt bessere Lösungen, aber für die sind die Deutschen weder mental noch soziokulturell bereit, das würde schiefgehen.

    Grüße

  7. Fnord23 sagt:

    Hallo Dreamer,

    das BGE, was ich mir vorstelle, passt natürlich nicht in unsere heutiges System.

    Heute ist Staatsverschuldung zwangsweise notwendig, weil die Staaten den ständigen Liquiditätsmangel ausgleichen müßen.

    Das BGE ist nur Teil eines komplett neuen Konzeptes.

    Monetative, als 4. Gewalt. Geldschöpfung weg von den Banken.Banken abwickeln-in Geschäftsbank und Investentbereich trennen. Banken sammeln tatsächlich Geld ein und vergeben dieses als Kredit ( klass. Bankgeschäft), Übergeordnete Verechnungseinheit mit untergeordneten Komplemetärwährungen, Wirtschaftsordnung: freie soziale Marktwirtschaft als Ziel vorgeben, Kreislaufwirtschaft, Cradle-to-Cradle-Produkte, besagtes BGE, max. 3 Steuerarten, Bürgerversicherung, Schulpflicht abschaffen, Bildungspflicht einführen, Parteien auf kommunaler Ebene raus aus dem Stadtrat(Parteipolitik ist da komplett hinderlich, nach meiner Erfahrung) direkte Beteiligung von Bürgerinteressengruppen an Entscheidungen, Wozu brauchen wir 16 Länderparlamente? usw…

    Ich habs nur mal so runter geschrieben. Lass uns träumen!

    VG von der Erde

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