Ausgelächelt? Wenn in China ein Sack Reis platzt…

13. August 2015 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor  (Homepage)

Gerade erst schienen sich die Aktienmärkte in China zu stabilisieren – da kommt bereits der nächste Paukenschlag: Mit zwei vollkommen unerwarteten Abwertungen des Renminbi um 1,8% und 1,6% in zwei aufeinanderfolgenden Handelstagen…

… bricht die People’s Bank of China, die Zentralbank Chinas, radikal mit dem in der Vergangenheit eingeschlagenen vorsichtigen Aufwertungskurs. Die chinesische Währung wird vermutlich auch deshalb abgewertet, da die chinesischen Wirtschafts- und Exportzahlen zuletzt durch die Bank enttäuschend ausfielen.

Erst im Juli waren die Exporte im Jahresvergleich um mehr als 8% eingebrochen. China steigt damit nun offiziell in die bereits seit längerem laufenden weltweite Abwertungsspirale ein. Eine Überraschung ist die jüngste Meldung trotzdem, denn es scheint der Beweis für den mangelnden Glauben der chinesischen Offiziellen in die eigenen Wachstumszahlen zu sein. Zudem wird nach den staatlichen Stützungskäufen an der Börse zunehmender Aktivismus offenbar – ein untrügliches Signal, dass irgendetwas im Reich der Mitte wirklich nicht mehr stimmt. Bei genauerer Betrachtung ist es übrigens sogar der Markt, nicht die Politik, der das Tribut der Abwertung forderte.

Druck des Marktes auf das „Volksgeld“

Denn während sich die chinesische Zentralbank bei ihren Währungsentscheidungen lange Zeit um Marktkräfte lediglich sehr wenig scherte, versucht sie in ihren jüngsten Aktionen dem Druck der Akteure am Devisenmarkt zumindest partiell nachzugeben. Und diese scheinen die „Volkswährung“ – was Renminbi übersetzt aus dem Chinesischen bedeutet – schon länger auf den Weg nach unten schicken zu wollen.

Auch nach der zweiten offiziellen Anpassung des sogenannten Fixingkurses notiert die Währung bereits knapp 2% unter dem von der People‘s Bank of China festgelegten Referenzkurs. Theoretisch könnten nun also weitere Abwertungsschritte unmittelbar bevorstehen. Doch warum sollten die Chinesen nicht in den Abwertungswettlauf mit einsteigen, in dem die Japaner (Stichwort: Abenomics) und die Europäer (Stichwort: Anleihekäufe) derzeit bereits mitspielen? Und dies, da die chinesische Wachstumslokomotive den Anzeichen zufolge nun so richtig ins Stottern gerät.

Es lässt sich an den Kursen der westlichen Börsen ablesen: Wenn China hustet, erkältet sich die ganze Welt! Ob eine verbilligte Währung langfristig die richtige Therapie für diesen Schnupfen ist, bleibt dennoch eine offene Frage…

Wachstum oder nicht, das ist hier die Frage

Als wir vor zwei Wochen im Smart Investor Weekly über den Einbruch der Apple-Aktie (WKN 865985, akt. Kurs: 98,84 EUR) und die Enttäuschung des Marktes über die lediglich „guten“ Quartalszahlen berichteten, haben wir postwendend Kritik von einem renommierten Münchener Assetmanager einstecken müssen: Denn seiner Meinung nach haben wir das Geschäftsmodell des Elektronikriesen aus Cupertino nicht verstanden.

Laut ihm sind Apple Watch, iPad und alle anderen „Gadgets“ mit Ausnahme des iPhones kaum von Bedeutung für die Zahlen des größten Unternehmens der Welt. Die Musik spielt jedoch nach wie vor bei den Smartphones, und hier bekommt Apple ein besonders großes Stück vom Kuchen ab. Schätzungsweise 85% der weltweit mit Smartphones erzielten Gewinne landen bei den Kaliforniern. Ein Unternehmen, das sich selbst im Übrigen als Softwarehersteller versteht und Hardware lediglich deshalb selbst herstellt, da die anderen es „nicht können“.

Zwar dürften die Margen nicht für immer auf dem heutigen Niveau verbleiben, der Markt bewertet Apple heute jedoch wie ein Unternehmen ohne Wachstumsphantasie. Ob diese in zehn Jahren noch bestehen wird, vermag auch unser Kontakt nicht abzuschätzen, in den nächsten Jahren sieht er Apple jedoch auch weiterhin eindeutig auf dem Wachstumspfad. Mit Sicherheit mittelfristig eine zutreffende Analyse. Kurzfristig scheint der Markt bei Apple jedoch ein eher schleppendes Neugeschäft einzupreisen. Alleine seit unserem vorletzten Weekly hat die Aktie mehr als 11% verloren.

DAX unter Druck

Unverhofft kommt oft. Und meistens aus einer Ecke, aus der man es nicht erwartet. China gilt als Auslöser der jüngsten Börsenturbulenzen und zeigt damit, dass das „Managen“ der Märkte durch Regierungen weder eine amerikanische noch eine europäische Spezialität ist. Nun gut, in China hat man von Anfang an wenig Zweifel an der Vorherrschaft der Partei gelassen. Vom Grundsatz her sind Markteingriffe also ein Teil der Normalität, die jedoch kaum konkret prognostizierbar sind. Auch wenn man die „staatlich unterstützte“ Preisfindung für grundsätzlich verfehlt halten mag, ist man doch gut beraten, sich an diese Realität anzupassen.

In China liegt der Fall ohnehin anders, weil die Währung praktisch schon immer gemanagt wurde. Was die Märkte an der chinesischen Entwicklung jedoch verunsichert, ist die Möglichkeit einer Verschärfung des Währungskriegs und die Aussicht, dass China seiner angeschlagenen Volkswirtschaft nun mit der Währungswaffe unter die Arme greifen wird. Derartige Szenarien lasten besonders schwer auf dem deutschen Aktienmarkt, dessen Unternehmen aufs Engste mit der Weltwirtschaft verwoben sind.

Zwei Tage mit massiven Kursverlusten haben nun auch das leicht positive Bild der Vorwoche stark beschädigt. Da wir ohnehin für den Herbst schweres Fahrwasser erwarten, wird die Zeit nun knapp für konstruktive Aktionen des Index. Mit dem heutigen Tag ist der Markt erneut in die Flaggenformation (blau) zurückgefallen. Diese wurde allerdings inzwischen schon mehrfach verletzt, so dass man ihre charttechnische Bedeutung nicht mehr allzu hoch einschätzen kann. Beide Ausbruchsversuche sind damit – Stand: Heute – gescheitert.

2015-08-12_DAX

Ebenfalls eher negativ zu bewerten ist die Geschwindigkeit der Abwärtsimpulse (vgl. gelbe Markierungen) im Vergleich zu dem dazwischen liegenden Aufwärtsgang. Gegenüber dem DAX ist also zunehmend Vorsicht angesagt.



Runter von der Intensivstation?

Positiver sieht aktuell das Bild bei den Edelmetallen aus. Auch hier gibt es eine Vielzahl von Nachrichten und Begründungen, die argumentativ angeführt werden könnten, um eine Kursbewegung zu begründen, nachdem(!) diese stattgefunden hat. Das aber hilft dem Anleger nicht weiter. Betrachten wir also den Chart:

Der Goldpreis befindet sich zwar weiter im Abwärtstrend, auf niedrigem Niveau zeigen sich jedoch erste Stabilisierungsversuche. Im Moment stößt der Preis in die Region des Abwärts-Gaps vom Juli vor (Oberer Teil der Abb., gelbe Markierung).

2015-08-12_Gold

Alles in allem ein zartes Pflänzchen, das – so lehrt die Erfahrung der vergangenen Jahre – jederzeit durch massive „Papiergold“-Verkäufe an den Terminbörsen zertreten werden kann. Da Anlageentscheidungen immer auch einen relativen Charakter haben – also die Bevorzugung der einen Anlage gegenüber fast allen anderen – sollte man auch die Relativbewegung des Goldes gegenüber den Aktien – hier: S&P 500 – im Auge behalten. Sobald die ehemalige, solide Unterstützung (Unterer Teil der Abb., rote Linie), die inzwischen charttechnisch zu einem Widerstand geworden ist, überwunden wird, erscheint Gold auch relativ von Interesse. Bis dahin ist aber aktuell noch etwas Luft.

Fazit

Wenn China schwankt, halten die Börsen den Atem an – und dies bereits zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Monaten. Zwar ist es aus der Außenperspektive schwer, die dortigen Entwicklungen zu bewerten, auf jeden Fall hat das Reich der Mitte jedoch die Unruhe zurück an die Märkte gebracht.

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2 Kommentare auf "Ausgelächelt? Wenn in China ein Sack Reis platzt…"

  1. Sebastian sagt:

    So wie die Explosion vor kurzem im Tianjin sieht das Finanzsystem bald auch aus.

  2. Jean sagt:

    ich verstehe diese Panik überhaupt nicht. Was soll eine Abwertung von 2, 3 oder 5% verursachen.
    Im freien Markt sind es normale wöchentliche Bewegungen.

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