Ausgehebelt

16. August 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

„Gib mir einen Punkt, auf dem ich stehen kann, und ich werde dir die Welt aus den Angeln heben“ (Archimedes)…

von Robert Rethfeld

Archimedes hat offenbar den Hebel am Getriebe der Finanzmärkte angesetzt. Denn die Aktienmärkte scheinen derzeit nur noch Luft zu treten. Das Handelsvolumen an der New York Stock Exchange hat den niedrigsten Stand des Jahres erreicht.

Die gesamte Haussephase seit dem März 2009 wurde von tendenziell fallendem Volumen begleitet. Die Annahme, dass so genannte Dark Pools (nicht-öffentliche Börsen wie Goldman Sachs Sigma X oder Credit Suisse Crossfinder) das Volumen aufgefangen hätten, erweist sich als falsch. Dark Pools erlebten ihre Blütezeit im Jahr 2010. Seitdem fällt auch dort das Volumen (siehe Darstellung der Volumenverläufe diverser Dark Pools folgender Chart).


Quelle: Tabb Group

Die Volumenschwäche ist so nicht zu erklären. Vielmehr dürfte ein Desinteresse an der Börse nach zwei scharfen Bärenmärkten im vergangenen Jahrzehnt sowie die nicht enden wollende Flut negativer Nachrichten dafür verantwortlich sein.

In Deutschland soll die Zahl der Aktionäre laut Deutschem Aktieninstitut im ersten Halbjahr 2012 um 17,1% gestiegen sein. Dies mag dem deutlichen Anstieg des DAX in den ersten drei Monaten des Jahres zu verdanken sein. Hört man sich allerdings im Bekanntenkreis um, so erscheinen diese Zahlen kaum glaubhaft.

Der Blick in die USA zeigt eine gegenteilige Entwicklung auf. Nur im Februar kam es zu leichten Zuflüssen in Aktienfonds (siehe Pfeil folgender Chart).

Kumuliert sieht das Bild wie folgt aus.

Die Aufwärtsbewegung seit dem Herbst 2011 verleitete die Marktteilnehmer bisher nicht dazu, in Aktienfonds zu investieren. Wenn man die ETFs hinzurechnen würde, wäre der Abfluss zwar ein wenig geringer, aber immer noch deutlich (die Exchange Traded Funds konnten in den vergangenen Jahren Marktanteile hinzugewinnen).

Zur Abrundung zeigen wir das NYSE-Handelsvolumen der vergangenen 20 Jahre.

Es ist zu erkennen, dass sich das Handelsvolumen auf dem Stand des Jahres 1998 befindet. Wer glaubt, die Nasdaq habe der NYSE den Kuchen weggeschnappt, der kann auf dem folgenden Chart erkennen, dass dem nicht so ist.

Das Nasdaq-Volumen nähert sich der Unterseite einer langjährigen Handelsspanne.

Fazit

An den US-Börsen herrscht Flaute. Dies ist nicht nur eine Erscheinung dieses Sommers, sondern Teil einer seit Jahren andauernden Entwicklung. Auch im Bärenmarkt der 1970er Jahre schwächelte das Handelsvolumen. Erst als der Markt im August 1982 (exakt vor 30 Jahren) quasi nach oben explodierte – und das Handelsvolumen gleich mit – konnte die Hausse beginnen (siehe Pfeil folgender Chart).

Der Markt kann – gerade im Sommer – mit wenig Volumen nach oben driften. Nicht umsonst gilt der Spruch „Never short a dull market“. Die Begeisterung für den Markt fehlt jedoch an allen Ecken und Enden.

In den Jahren 1981 und 1982 (bis August) fiel der S&P 500 noch einmal. Dabei wurden bereits höhere Volumina generiert. Sollte in Kürze eine ähnliche Phase auftreten (z.B. eine von höherem Volumen begleitete Abwärtsphase in 2013), so könnte der Endpunkt des Bärenmarktes gesetzt werden. Dies geschähe dann, wenn die Märkte anschließend mit hohem Volumen steigen würden. Antizipieren Sie die Entwicklung der Finanzmärkte mit Hilfe unserer handelstäglichen Frühausgabe.

Robert Rethfeld
Wellenreiter-Invest

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