Ausblick 2012: Munter rauf und runter. Bloß wo, wann und wie?

2. Januar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Ein Beitrag von Marcus Fabian. Eine erstaunliche Analyse! Verständlich erklärt. Marcus bat mich, seinen Jahresausblick zu veröffentlichen, was wir gerne tun. Hier seine Analyse der Dinge rund um das Thema Finanzen für das Jahr 2012. Aktien, Gold, Anleihen und Weltpolitik. Bitte schön!

von Marcus Fabian

Der Abwärtstrend bei Aktien wird sich verstärken. Zwar werden die Kurse nominal auch weiterhin durch den Wertverfall der Währungen aufgefangen aber auch in Franken und Dollar glaube ich nicht, dass die Aktienkurse von SMI und Dow das aktuelle Niveau auch nur annähernd werden halten können. Tendenziell etwa 10-20% tiefer als heute, so mein Tipp. Mindestens 20-25% tiefer in Gold gerechnet.

Nun, ganz so schlimm kam es nicht. Der SMI hat nominal 7.77% verloren, in Gold 16.26%. Also knapp daneben ;) Aber grundsätzlich betrachte ich diese Prognose als Treffer.

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Weiter im Text:

Die Bond-Anleger werden weiter verunsichert: Die Mär vom „sicheren Hafen der Staatsanleihen“ beginnt langsam zu bröckeln und diese Tendenz wird weitergehen. 2010 haben wir begonnen über mögliche Staatsbankrotte von Griechenland oder Irland zu spekulieren. 2011 werden wir auch Grossbritannien, Portugal und Spanien mit den gleichen Befürchtungen bedenken und uns die Frage stellen, wer die denn „bailouten“ soll! Vielleicht wird man auch schon damit beginnen, über Schuldenerlasse in grösserem Stil nachzudenken. Das alles wird die Zinsen der Staatsanleihen generell nach oben treiben.

Hier lag ich tendenziell richtig (war ja auch nicht all zu schwer), wobei in den letzten Monaten eher Italien als Grossbritannien in den Focus gerückt ist.

Entsprechend korrekt auch die Schlussfolgerung:

In diesem Umfeld ist alles zu meiden, was mit Finanzen oder US-Immobilien zu tun hat. Also strong Finger weg von Banken und Versicherungen!

Der Banken-Index BKX verlor 23%

An der Währungsfront wurde zuletzt der Euro abgestraft. Ich rechne damit, dass als nächster Kandidat der Schweizer Franken dran kommt. Die SNB hat ja über die Medien in den letzten Wochen genügend Panik betreffend dem „zu starken“ Franken publizieren lassen. So etwas macht mich mittlerweile verdammt misstrauisch! Meine Prognose: Die SNB wird in den nächsten 2 Monaten den Franken gezielt schwächen. Vermutlich indem sie Euros und/oder Dollars kauft.

Die Schwächung des Franken durch die SNB fand wie erwartet statt. Wenn auch erst im August und September und nicht bereits – wie ich vermutet hatte – im Februar.

Wo ich allerdings nicht richtig lag, war folgendes Thema:

Das Wettrennen zwischen FED und Deflation hat – wie nicht anders zu erwarten – die FED für sich entschieden. Und wir sehen wie erwähnt bereits wieder die unangenehmen Auswirkungen steigender Preise. Erstaunen kann uns das nicht, denn Gelddruckerei erfolgt heutzutage elektronisch und innert Sekunden. Die FED könnte also jederzeit eine Billion, Billiarde, Quadrillion oder Phantastilliarde an Dollars drucken. Eine Deflation wird es also in Papierwährung gerechnet niemals geben! Unmöglich!

Nun, ganz falsch war es nicht, was ich geschrieben habe. Die FED kann tatsächlich jederzeit beliebig viel Geld drucken – und tut es auch. Aber entschieden ist im Kampf Infla/Defla allerdings noch gar nichts.

Aber die Beantwortung genau dieser Frage wird entscheidend sein für das Jahr 2012!

Denn kurz zusammengefasst: Aktien bieten einen gewissen Inflationsschutz, sind also in einem Infla-Szenario Cash und Anleihen vorzuziehen. Demgegenüber leidet in einem Defla-Szenario die Wirtschaft und somit auch der Aktienkurs. Hier wären dann Cash und Anleihen den Aktien vorzuziehen. Ich möchte deshalb das Thema Inflation/Deflation als Kernthema aufgreifen, weil sich auch im Jahr 2012 alles um dieses Thema drehen wird:

Inflation / Deflation

Zunächst haben wir das Problem, dass es verschiedene Definitionen für Inflation und Deflation gibt. Für Keynesianer ist Inflation=Teuerung Für Monetaristen ist Inflation=Ausweitung der Geld- und Kreditmenge. Hierbei sehen wir schon den Unterschied in der Realität, denn wir haben zwar eine enorme Ausweitung der Geldmenge aber kaum Teuerung.

Interessant ist die Definition von Mike „Mish“ Shedlock, der bei der Definition der Inflation die Kredite von Banken und Staaten ausklammert und sich entsprechend nur auf die Kreditmenge von Unternehmen und Privaten Haushalten konzentriert. Nennen wir die mal „Markt-Kreditmenge“.

Diese Sichtweise ist deshalb sehr spannend, weil sie praktisch alles erklärt, das wir in den letzten Jahren im Markt erlebt haben, uns aber bisher nicht erklären konnten. So zum Beispiel, warum (entgegen meiner Annahme) die Zinsen für US-Staatsanleihen gesunken und nicht gestiegen sind, warum der Dollar steigt, und die Preise fallen. Warum trotz grosser Stimuli-Pakete die Arbeitslosigkeit steigt, Aktien fallen, Gold steigt.

Der Punkt ist: Im Satz „Ausweitung der Geld und Markt-Kreditmenge“ steckt viel Sprengstoff, weil hier zwei Extreme aufeinanderprallen: Die Geldmenge ist hochgradig inflationär, die Markt-Kreditmenge ebenso hochgradig deflationär. Dazwischen ergibt sich aus dem Kampf der beiden Extreme die Teuerung, die zufällig um Null bis leicht-positiv pendelt. Aber das ist Zufall: Vergleichbar vielleicht damit, dass man eine Hand in kochendes Wasser steckt, die andere Hand in Eiswasser. Im Durchschnitt ergibt sich zwar eine vernünftige Temperatur aber dennoch ist die Welt nicht in Ordnung. Für keine der beiden Hände. Das heisst: Die Teuerung ist der so ziemlich schlechteste Indikator für Infla/Defla. Sie wird sich automatisch ergeben, sobald der Kampf Geldmengen-Inflation vs. Markt-Kredit-Deflation von der einen oder anderen Seite entschieden wurde! Den Artikel von Mish kann ich nur empfehlen:
http://globaleconomicanalysis.blogspot.com/2011/08/yes-virginia-us-back-in-deflation.html

Sparen vs. Gelddrucken

Das Jahr 2011 war noch in anderer Hinsicht ein spannendes Jahr: Wir durften hautnah miterleben, wie unterschiedlich doch die verschiedenen Hemisphären auf die Schulden- und Liquiditätskrise reagieren:

Die Anglosachsen (USA, GB) versuchen die Probleme über die Druckerpresse zu lösen. In GB werden derzeit bereits über 60% des Staatshaushaltes über Gelddruckerei der BoE finanziert.

Was die USA betrifft, so wurde zwar offiziell kein QE3 aufgesetzt, das war aber auch nicht nötig, denn ein Blick in die FED-Bilanz zeigt, dass QE nie ausgelaufen ist und die FED weiterhin frisch fröhlich US-Staatsanleihen aufgekauft hat. Für jeden Dollar Steuereinnahmen werden derzeit $1.58 ausgegeben. Mit einer FED/BoE im Rücken konnten somit die Zinsen der US-Treasuries bzw. britischen Guilts bei nahe Null bleiben. Ganz anders in Europa, wo sich die EZB bisher noch weigert als „Lender of Last Resort“ Staatsschulden zu monetarisieren. Entsprechend müssen sich die Staaten (fast) zu Marktpreisen refinanzieren, was zu Zinsen um 7% (Italien) geführt hat. Aber eben nur fast, denn ESM, EFSF und der Rest der €uropäischen Buchstabensuppe tragen dazu bei, dass die Zinsen vergleichsweise niedrig bleiben.

Was also passiert mit der Geldmenge, die laufend erhöht wird? Kommt sie nicht als Kredit in Umlauf, wie das per Definition sein muss? Doch, tut sie. Allerdings sind es in erster Linie die Staaten selbst, die sich weiter verschulden sowie die Banken, die Kredite aufnehmen um ihre Bilanzen zu sanieren. Wie tun sie das? Die Banken nehmen Kredit zu 1% bei der Zentralbank auf und verleihen das Geld weiter an den Staat zu vielleicht 3%. Es verbleiben 2% sicherer Gewinn.

Paul C. Martin hat vor 30 Jahren folgendes geschrieben:

„Alle Staaten werden für alle Staaten, alle Notenbanken für alle Notenbanken haften, einschliesslich Währungsfonds und Weltbank und vielen anderen internationalen Institutionen. Und alle Staaten werden für alle Banken geradestehen, aber auch alle Notenbanken für alle Staaten und alle Staaten für alle Notenbanken. Alle, alle, alle werden für alle, alle, alle da sein. Und alle wissen, dass keinem von allen etwas passieren darf, weil dann allen etwas zustösst.“
http://www.rottmeyer.de/geab-n%C2%B060-ist-angekommen-umfassende-weltweite-krise-%E2%80%93-usa-20122016-ein-zahlungsunfahiges-und-unregierbares-land/

Hier das ganze nochmals grafisch: Inflation der Geldmenge:

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Markt-Kreditmenge (jährliche Änderung)

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Geldmenge im Umlauf

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(M3= Geldmenge im Umlauf)

Auf dem letzten Chart sehen wir schön, dass M1 immer noch um gut 8% pro Jahr wächst, M3 jedoch um etwa 3% schrumpft. Bildlich gesprochen: Die FED schüttet oben Geld rein aber das meiste bleibt beim Staat und den Banken hängen. Unten kommt zu wenig an, um die Wertverluste wettzumachen. Warum aber scheitern die Zentralbanken und lassen es zu, dass das Geld auf dem Weg nach unten (zu der Wirtschaft, den Privaten) versickert? (Seite 2)

 

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13 Kommentare auf "Ausblick 2012: Munter rauf und runter. Bloß wo, wann und wie?"

  1. blackwind sagt:

    Hallo Frank

    ja sehr verständlich und deckt sich mit meinen Überlegungen. Ich habe wenig Hintergrund Informationen über den Autor gefunden.
    Bänker – Bug – Bauer ??
    Hat jemand evt. link, weiter Veröffentlichungen oder Infos.

    Danke!
    Gruß

    • Frank Meyer sagt:

      das ist unser mfabian hier. Vielleicht, wenn er will, schreibt er etwas zu sich? Marcus schreibt im Traderforum

    • mfabian sagt:

      Ich habe wenig Hintergrund Informationen über den Autor gefunden.
      Bänker – Bug – Bauer ??

      Von Beruf bin selbständiger Informatiker. Mit der Börse und dem Traden beschäftige ich mich also nur hobby-mässig. Dies allerdings recht intensiv seit 1998.
      Ich betrachte die Welt als ein komplexes Regelsystem verschiedener Faktoren, die sich gegenseitig beeinflussen. Je mehr Faktoren man berücksichtigt, um so komplexer das System.
      Und genau das ist der Punkt, wo ich gerne ansetze, um dieses komplexe System mit einfachen Worten zu erklären. Das mache ich auf dem cash.ch Forum seit mittlerweile 10 Jahren.
      Ich bin also nicht der Börsenprofi sondern der interessierte Laie, der versucht, komplexe Zusammenhänge zu verstehen, um sie dann anderen Laien in einfachen und verständlichen Worten zu erklären.

      Dabei erfinde ich auch nichts neues. Aufmerksame Leser werden einige Charts und Zitate aus früheren Rottmeyer-Artikeln wiedererkannt haben. Ich lese halt viel und fasse im Wesentlichen nur zusammen, was andere schon vor mir gedacht haben.

  2. Wollen sagt:

    Gute Analyse!! The Kicking…,bis jemand die Dose aufhebt und in den Müll wirft, hatte der Herr Markus Gaertner auch mal erwähnt.Für mich auch immer wieder erstaunlich wie der amerikanische Schuldenberg noch irgendwie plausibel öffentlich verkauft wird ohne das jemand tiefer gehende Fragen stellt.Wenn da eine amerikanische Stadt nach der anderen die Insolvenz anmeldet..,anmelden wird.
    Der Satz von Frau Merkel,“Es wird ein schwieriges Jahr werden“, den Satz sehe ich als Warnung an.

  3. […] Rott & Meyer: Ausblick 2012: Munter rauf und runter. Bloß wo, wann und wie? […]

  4. samy sagt:

    Hi,

    es hat Spaß gemacht den Artikel zu lesen.
    Erinnert mich ein wenig an M. Faber, der zu Recht feststellt, dass die ZB Geld in eine Ökonomie fliessen lassen können(Shedlock’s M) aber niemals einen Einfluss darauf haben, wohin (!) das Geld fliesst.
    Deflation und Inflation, jetzt mal als Teuerung und Verbilligung von Preisen verstanden, sind somit gleichzeitig auf verschiedenen Märkten innerhalb einer VW möglich (Immobilien fallen, Aktien steigen usw.).
    Und ja, bin auch der Meinung, dass eine Inflation auf breiter Front erst dann losgehen kann, wenn das Vertrauen in die Währung(shüter) kippt. Das müsste dann der Fall sein, wenn das Derivate-Casino und/oder der Anleihemarkt crasht. Wenn die Zocker und/oder Politiker ihre Illusionen bzw. Spielwiesen verlieren, dann geht die Kohle in das Anfassbare, also in die „Realwirtschaft“.

    Pessimistischer bin ich hingegen beim Thema USA+Iran und Co. Hoffe du hast recht. Aber ich denke hier wird auch der Machtkampf zwischen den USA und der VR China ausgetragen werden, alles vor dem Hintergrund einer Ölknappheit. Damit ist über Bande gespielt auch Nordkorea als Drohpotential mit im Boot und es wird spätestens dann unberechenbar.

    VG

  5. Avantgarde sagt:

    „Hyperinflation entsteht nicht durch eine enorme Ausweitung der Geldmenge sondern durch Vertrauensverlust in eine Währung!“

    Damit könnte ich mich sogar anfreunden,..sofern es sich um irgend eine Lokalwährung handelt…..

    ….aber wir sprechen hier vom US-Dollar.
    Es ist die Leitwährung – um nicht zu sagen die Weltwährung mit angeschlossenen Derivaten wie Euro,CAD,….

    Du bekommst keinen Tropfen Öl auf dieser Welt ohne Dollar, kannst kein Auto, Maschine ohne Dollar verkaufen.

    Die Dollarmenge außerhalb der USA ist größer als in Amerika selbst.
    In vielen sog. dritte Welt Staaten wird ein US-Dollar immer wertstabiler sein als die eigene Lokale Währung.

    Nein – so einfach ist das nicht mit der Hyperinflation.
    Von anderen Dingen wie Kreditschrumpfung erst gar nicht zu reden.

    „Eine Hyperinflation ist jederzeit möglich.“
    Ich widerspreche energisch und behaupte, daß das Risiko einer Deflaionsspirale sehr viel größer ist.

    Trotzdem Danke für Deinen Artikel.
    Schön, daß auch nicht prominente hier mal zu Wort kommen.

    • mfabian sagt:

      Hm, was, wenn die Araber neben Dollars auch Euro, Yen, Franken oder Renmimbi für die Zahlung von Öl annehmen?
      Dann wäre der Druck der Erdöl-importierenden Staaten weg, Dollar-Reserven halten zu müssen. Sie könnten diversifizieren und auch andere Währungen als Reserve halten.

      Was wenn die Araber sogar beschliessen, Öl nicht mehr in Dollars zu verkaufen?

      Guck mal Youtube:
      http://www.youtube.com/watch?v=jtRura2ExIc&feature=colike

      • Avantgarde sagt:

        Falls so etwas überhaupt geschieht dann als längerfristiger Prozess.

        Du wirst wohl nicht erwarten, daß die Rohstoffländer und Werkbänke wie China mal eben ein paar Billionen ihrer eigenen Vermögenswerte in den Mülleimer treten nur um den USA eins auszuwischen 🙂

        • samy sagt:

          Hi,

          erste Zeichen sieht man doch schon an der Wand. Russland und Japan haben mit China Abmachungen, den Handel in eigener Währung auszuweiten.
          Iran will keine Dollars und ich glaube auch keine Euros mehr für Öl.
          Die chinesische Ratingagentur Dagong haut den Amis die Downgrades um die Ohren. Denkbar ist alles und man geht mit einem Krug solange zu einem Brunnen bis …

          By the way, der beste Grund dafür, dass eine Weltleitwährung entsteht ist bekanntlich ja der, das in dieser Währung an den Märkten die meisten Geschäfte abgeschlossen werden. Und welches Land hat wahrscheinlich eine dynamischere Zukunft vor sich? China oder die USA? Woher wird wohl die Nachfrage für die Werkbänke der Schwellenländer kommen?

          Und überhaupt, warum sollte China ewig auf das „exorbitant privilege“ verzichten wollen, und es den USA überlassen?

          Nächstenliebe?

          VG

  6. conan sagt:

    Hi mfabian,

    vielen Dank für diese super Analyse!

    Ich versuche gerade den Chart mit den OECD-Konkunktur-Indikatoren nachzuvollziehen. Welcher Indikator wird hier benutzt? Ich bin grad bei oecd.org und versuche herauszufinden welche Zeitreihen als Basis für das Chart hergehalten haben — leider vergebens.

    Ich hätte vermutet der CLI (Composite Leading Indicator) sei der richtige aber da kommen ganz andere Zahlen heraus.

    Kannst Du mir da weiter helfen?

    Gruß

    Conan

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