Aus tausendundeiner Nacht Oder: „Troika-Bericht“ führt Erzähltradition der Gebrüder Grimm fort

14. November 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(vom Smart Investor) „Es war einmal …“ Eigentlich wäre die treffendste Einleitung für den sogenannten Troika-Bericht zu Griechenland das Grimm’sche „Es war einmal …“ gewesen. Tatsächlich konnte die Troika – jene unheilbringende Allianz aus EU, EZB und IWF – erst nach ausgiebigem Aufpolieren des Datenkranzes den langersehnten „Bericht“ zur desolaten Lage des Landes präsentieren…

Wohlwollen gegenüber den Maßnahmen ging dabei offenbar vor Objektivität und vor allem vor Vollständigkeit, denn noch immer klaffen große Lücken in dem Werk. Pikanterweise sind zwei der drei Berichterstatter – EU und EZB – selbst die eifrigsten Aktivisten im Komödienstadl der „Rettungspolitik“.

Wenn vor diesem Hintergrund Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker den Bericht lediglich als „im Grundton positiv“ bewertet, dann ist das weniger als nichts. Die dritte im Bunde, IWF-Chefin Christine Lagarde, verdrehte jedenfalls ebenso genervt wie undiplomatisch die Augen, als Juncker zum nächsten Rettungsstrohhalm griff: Eine zeitliche Streckung der griechischen Konsolidierung um weitere zwei Jahre soll es richten. Wertschätzung jedenfalls sieht anders aus.

Aktuell verdichten sich sogar die Gerüchte, dass der IWF in Sachen Griechenland am liebsten hinschmeißen würde. Zumindest wird die „Rettungstruppe“ um Juncker & Co. international immer mehr als Zumutung empfunden. Während sich also die „Retter“ der Troika langsam auseinanderzudividieren scheinen, entsteht auf den Straßen von Lissabon bis Athen so etwas, wie eine neue europäische Einheit – zumindest im Straßenkampf gegen die Entmündigung der europäischen Völker durch EU, EZB und IWF.

Garantiezins-Sorgen

Auch diese Meldung steht im unmittelbaren Zusammenhang mit der gescheiterten „Rettungspolitik“: Einzelne Lebensversicherungen schlugen Alarm, da sie angesichts künstlich gedrückter, rekordtiefer Zinsen, Schwierigkeiten erwarten künftig den sogenannten Garantiezins zu erwirtschaften. Opfer dieser Entwicklung bzw. Politik sind allerdings nicht die Versicherungsgesellschaften selbst, sondern jene Bürger, die in einem solchen Umfeld Rücklagen für das Alter bilden wollen.

Zwar schickte sich der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft an, die Sicherheit der Produkte zu betonen, unsere mehrfach geäußerte Skepsis gegenüber der Kapitallebensversicherung, wird durch diese Geschehnisse aber bestätigt.

Zudem zeigt der Umstand, dass sich die einst so medienscheuen Versicherungen mit diesem Thema überhaupt an die Öffentlichkeit wenden, einen gewissen Wandel im Selbstverständnis der Assekuranz: Galt früher Verschwiegenheit als Geschäftsprinzip, so hat man in diesem Punkt offenbar von den Banken gelernt.

Je dramatischer man die eigene Situation schildert, desto eher wird die Politik ein offenes Ohr – und was wichtiger ist, einen offenen Geldbeutel – für die Sorgen und Nöte der Branche haben.. (Seite 2)

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