Aus Mangel an Alternativen

16. August 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

vom Smart Investor

Nach dem Schock an den Aktienmärkten beleuchten wir die wesentlichen Bestimmungsfaktoren für die Märkte – Geld- und Fiskalpolitik. Die letzten Wochen waren eine harte Bewährungsprobe für das Crack-up-Boom-Szenario, zumindest an den Aktienmärkten. Während Gold im Rahmen der ungehindert voranschreitenden Schuldenkrise einmal mehr neue All-Time-Highs erzielen konnte, kam es an den Aktienbörsen zu regelrechten Kursstürzen…

Viele der für diese Kursstürze angeführten Gründe können nicht überzeugen: Wenn sich die Krise rund um das Thema Staatsfinanzierung verschärft, dann sollten doch vor allem Staatsanleihen unter Druck stehen. Und zwar auch solche, die aktuell noch mit höchster Bonität eingestuft werden, weil der Trend schon jetzt absehbar in Richtung Bonitätsverschlechterung weist, auch in Deutschland. Wenn man seit Ausbruch der Krise überhaupt etwas lernen konnte, dann, dass die Politik einfach nicht bereit ist, ernsthaft an die eigentlichen Themen Verschuldung und Wettbewerbsfähigkeit heranzugehen.

Stattdessen wird Flickschusterei betrieben, die sich zudem weit jenseits der Legalität abspielt: Die kriminelle Geldpolitik der EZB (= Ankauf von Staatsanleihen von de facto bankrotten Staaten), wird wohl künftig durch eine ebenso kriminelle Fiskalpolitik (= Ausgabe gemeinsamer, sogenannter EU-Anleihen, genannt Euro-Bonds) flankiert werden. Auch das hat die Krise gezeigt: Noch gegen jedes „Rettungspaket“ hat sich die deutsche Regierung im Vorfeld öffentlichkeitswirksam gesträubt – als Inszenierung für die „Heimatfront“ – und dennoch hat sie letztlich jede dieser Maßnahmen uneingeschränkt mitgetragen – alternativlos.

Diese Schmierenkomödie wird sich bei den Euro-Bonds wiederholen. Die Annahme einer Wiederaufnahme des Crack-up-Booms begründet sich gerade auf solchen Maßnahmen einer Politik, die weiter genau das tun wird, was wir aus österreichischer Sicht zwar für falsch halten, was in der Konsequenz jedoch das Strohfeuer des CuB anfacht. Schließlich ist die Vermeidung einer Deflation (USA, EU) ebenso Staatsräson, wie die Aufrechterhaltung des aufoktroyierten Währungsexperiments, genannt Euro. Sogar in Polen beginnt man angesichts der Euro-Krise den Zloty wieder zu schätzen und drückt auf die Beitrittsbremse – wer will es den Polen verübeln, sie haben schließlich Erfahrung mit sozialistischen Währungen?!

Nominalanlagen immer unattraktiver

Aus dem Vorgesagten wird klar, dass in der EU der Weg in die Transfer- und Haftungsgemeinschaft klar vorgezeichnet ist und durch die Krise sogar noch erheblich beschleunigt wird. Der Preis dieses Irrwegs ist neben der Verwässerung der Kaufkraft auch die schleichende Verschlechterung der Bonität der „Geberländer“, die bereits mit dem ersten „Rettungspaket“ begann.

Ratingagenturen vollziehen diesen Prozess mit einigem zeitlichen Abstand nach – dafür aber umso heftiger. Herabstufungen wird es hageln, wenn immer weniger verbleibende „Retter“ immer größere Summen garantieren oder gleich an die „zu Rettenden“ transferieren sollen. Da dieser Prozess angesichts der aktuellen Politik praktisch unausweichlich ist, sollten jegliche europäische Staatsanleihen strikt gemieden werden (gilt aus anderen Gründen ebenso für US-Staatsanleihen). Auch Lebensversicherungen, die über Regeln wie „Solvency II“ förmlich in das Klumpenrisiko Staatsfinanzierung gedrängt werden sind unattraktiv. Anleger, die ihre Entscheidungen an solche Kapitalsammelstellen abgeben, sollten sich bewusst sein, dass mit ihren Mitteln nicht mehr primär ihre eigenen Anlageziele sondern politische Interessen verfolgt werden… (Seite 2)

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5 Kommentare auf "Aus Mangel an Alternativen"

  1. p.koslowski sagt:

    http://www.cash.ch/news/topnews/starinvestoren_fluechten_aus_gold_-1067217-771
    „US-Star-Investor George Soros hat im zweiten Quartal 2011 sein Goldbestände weiter reduziert. Andere grosse US-Investoren wie Barry Rosenstein von Jana Partners und Paul Touradji von Touradji Capital Management haben sich ebenfalls weiter aus dem Edelmetall zurückgezogen.“

  2. Aus Mangel an Alternativen » Rott & Meyer » Beliebteste Suchbegriffe sagt:

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  3. King Balance sagt:

    „Die erste Generation verdient das Geld, die zweite verwaltet das Vermögen, die dritte studiert Kunstgeschichte und die vierte verkommt vollends…“ – Otto von Bismarck

    In welcher dieser Phasen befinden wir uns wohl?

    Es wird kommen: Am Tag, als der Dollar starb!

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