Aus Freude am Sparen

4. Januar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Zeitlos

(von Bankhaus Rott) In einfallslosen Werbefilmchen fahren freudig erregte Autobesitzer durch eine stets staufreie Landschaft. So sehr den bezahlten Darstellern die Spritztouren gefallen mögen, so widerspenstig zeigt sich die umworbene Zielgruppe. Nicht nur in Südeuropa laufen die europäischen Konsumenten den Herstellern in Scharen davon…

Die Zahlen des Branchenverbandes ACEA gehören zu denjenigen Datenreihen, die in den letzten Jahren immer für negative Überraschungen gut waren. Mit einer Belebung des europäischen Automarktes rechnet derzeit nicht einmal die Lobby. Angesichts der strukturellen europäischen Krise und dem Ende des schuldenfinanzierten Kaufrausches ist die neue Nüchternheit ein guter Ratgeber.

Die endgültigen Zahlen zum vergangenen November zeigten erneut eine bemerkenswerte Schwäche. Auch die voradventliche Gehirnwäsche konnte die potentiellen Autokäufer nicht zu den Händlern locken. Da vielen vermutlich nicht nur der Wille sondern auch das nötige Geld zur Anschaffung fehlt, wird sich auch mit noch mehr geistloser Werbung nichts erreichen lassen.

Der November 2012 stellt sich im Vergleich zum Vorjahresmonat folgendermaßen da.

Bei einigen Ländern sollte man die geringe absolute Zahl der dort verkauften Autos beachten. So bedeutet der mehr als 60%ige Einbruch in Zypern einen Rückgang von 267 auf 97 Wagen. Das mag nicht für die Situation in Zypern sprechen, es wird die großen Hersteller aber nicht sonderlich interessieren. Gleiches gilt für die positiven Ausreißer.

Daher werfen wir einen Blick auf die stärksten absoluten Rückgänge. Wie es so oft bei einer Untersuchung der Situation in Europa der Fall ist, stellt sich heraus, wie wenig kernig der so genannte Kern ist. Der stärkste absolute Einbruch zeigt sich Frankreich. Im Vergleich zum Vorjahr schrumpfte der dortige Absatz um 8500 Autos, mehr als ein Fünftel. In Deutschland wurden über 3000 Autos weniger verkauft. Diese Zahlen würden niemanden erschrecken, wenn es sich ausnahmsweise um einen schwachen Monat handelte. Dummerweise ist der November lediglich ein weiterer Punkt in einem für die Produzenten bedrohlichen, langlebigen Abwärtstrend.

Zur Einordung: Gemeinsam sind die Rückgänge in Deutschland und Frankreich für 42% des gesamten Einbruchs in der Europäischen Union verantwortlich. Den Einfluss einer länger anhaltenden Unlust der Autokäufer in diesen beiden Staaten auf die europäischen Hersteller sollte man nicht unterschätzen. Mit bereits in den 80ern grandios gescheiterten Staatseingriffen, die in Paris gerade eine teilweise Neuauflage erleben, wird man die Konsequenzen bestenfalls zeitlich strecken. Schlussendlich ist der Bau von Autos kein Selbstzweck und selbst in Frankreich lassen sich mit Verlusten keine Gehälter bezahlen… (Seite 2)

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