Aus Euro-Frustration wird Euro-Depression

4. November 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Prof. Thorsten Polleit) Die Frustration über enttäuschte Versprechungen, mit denen Politiker und Bürokraten versuchen, ihren Bürgern die Euro-Einheitswährung schmackhaft zu machen, steigt zusehends. Die Worte von Ralf G. Dahrendorf (1929 – 2009)
drängen sich auf: dass der Euro Europa nicht vereinen, sondern dass er es entzweien werde…

Doch aus der Euro-Frustration wird alsbald wohl auch eine handfeste Euro- Depression: Im Euroraum stehen die Zeichen auf scharfe Rezession. Vor allem das schrumpfende Euro-Kreditangebot deutet das an. Euro-Bankkredite schrumpfen, es kommt zur Rezession im Euroraum.

Im Euroraum gibt es seit Jahrzehnten einen engen und positiven Gleichlauf zwischen den Zuwachsraten der Bankkredite und den Wachstumsraten des realen Bruttoinlandsprodukts. Jetzt schrumpfen die Bankkredite so stark wie seit Anfang der 80er Jahre nicht mehr – stärker also als noch in 2008/2009.

Die Gründe dafür sind sowohl angebotsseitig (Banken sind nicht mehr in der Lage und/oder willens, neue Kredite zu vergeben) als auch nachfrageseitig (wiezum Beispiel rückläufige Unternehmensinvestitionen) zu finden. Allerdings dürfte die Angebotsseite derzeit am bedeutendsten sein: Die Geschäfts- und Bilanzsituation vieler Banken ist mittlerweile derart problematisch, dass sie nicht umhinkommen, ihre Kreditvergabe einzuschränken.

Im Euroraum zeigt sich par excellence die unentrinnbare Folge des kreditgetriebenen „Papiergeld-Booms“: Auf den künstlichen, mit immer mehr Kredit und Geld angetriebenen „Boom“ folgt nun der „Bust“, die Rezession-Depression.

Der kreditfinanzierte Kreditboom bricht früher oder später in sich zusammen.

„Man hat … immer im Verlaufe des Konjunkturabstiegs neue Kreditausweitung als Heilmittel empfohlen. Die Krise, meinte man, sei eine Deflationserscheinung; man müsse sie bekämpfen, indem man die Deflation durch entsprechend grosse Inflation kompensiert. …

Es ist falsch, die Krise selbst als Deflationserscheinung anzusehen… Wahrscheinlich hätte der Aufschwung noch für einige Zeit verlängert werden können, wenn die Banken ihre Kreditausweitungspolitik fortgesetzt hätten. Doch endlos hatte man den Aufschwung der Konjunktur durch Festhalten an der Kreditausweitung nicht verlängern können.

Früher oder später muss es zum Zusammenbruch des durch die Kreditausweitung ausgelösten Aufschwungs kommen, und der Anpassungsprozess, den man Niedergang der Konjunktur nennt, wird umso schmerzlicher sein und umso mehr Zeit beanspruchen, je länger die Kreditausweitung fortgesetzt worden war und je grösser der Umfang der durch sie bewirkten Kapitalfehlleitung gewesen ist.“ (Ludwig von Mises (1940), Nationalökonomie, Theorie des Handelns und Wirtschaftens, S. 524.) (Seite 2)

 

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