Aus Emotion wird Inflation

10. Juni 2011 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Inflation ist zurzeit ein dankbares Thema sowohl für diejenigen, die darüber schreiben und reden (weil sie sicher sein können, dass man ihre Thesen wahrnimmt), wie auch für Leser, Zuhörer und -schauer (weil sie von diesem Thema kaum genug bekommen können). Nicht zu vergessen diejenigen, die aus der Inflationsmentalität der Deutschen ein Geschäft machen…

Hierbei handelt es sich vor allem um Immobilienmakler, deren in der Regel oberflächliche Argumente man indes nicht erst nehmen sollte. Was mich jedoch stutzig macht: Die vor einigen Tagen vorgelegte Studie „Trendbarometer Immobilienanlagen der Assekuranz 2011“ der Beratungsgesellschaft Ernst & Young nennt aufgrund der zum vierten Mal befragten 40 führenden Versicherer als eines der wichtigsten Investmentmotive den Inflationsschutz. Das Thema ist also bis zu den Disponenten über riesige Vermögen vorgedrungen.

Da ich unter anderem auch Autor für die Zeitschrift Immobilienwirtschaft bin, empfehle ich Ihnen die Lektüre meiner dortigen sieben Seiten umfassenden Titelgeschichte in Heft 6/2011 über die vielfältigen Aspekte der Inflation (Internet: immobilienwirtschaft.de). Vorab: Das Ergebnis ist für Immobilien alles in allem ernüchternd.

Einer der Knackpunkte besteht darin, dass beim Thema Inflation Erwartungen und Emotionen mit höchstem Ansteckungsgrad die entscheidende Rolle spielen. Dazu nur ein Beispiel: Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke gehen mit schlappen 10,4 Prozent Gewichtung in den deutschen Verbraucherpreisindex ein (zum Vergleich: Wohnung, Wasser, Strom und Heizung mit 30,8 Prozent). Trotzdem wage ich zu behaupten, dass die allgemeine Aufregung viel größer ist, wenn Aldi und Lidl die Preise für Brot, Butter, Milch und Gemüse erhöhen, als wenn der eine oder andere Vermieter von seinen Mietern höhere Wohnnebenkosten verlangt.

Was den Strom betrifft, wird es sich in den kommenden Monaten und wahrscheinlich auch Jahren anders verhalten als bisher, nämlich viel emotionaler. Dazu trägt ja nicht nur die allgemeine Debatte über den Atomausstieg bei, sondern auch die eine oder andere Äußerung aus Unternehmerkreisen. So wie die von RWE-Chef Jürgen Großmann, der Kanzlerin Angela Merkel vor einer „Ökodiktatur“ warnt und Konzerne mit hohem Strombedarf wie BASF oder ThyssenKrupp schon von der deutschen Landkarte verschwinden sieht. Man muss Großmann zugute halten, dass er – im Gegensatz zu den meisten anderen Konzernchefs – vor seinem jetzigen Amt eine Karriere als erfolgreicher Unternehmer hingelegt hat und besser als viele andere weiß, wovon er spricht.

Die Aktienkurse von RWE und Konkurrent E.on sind in den vergangenen Monaten regelrecht eingebrochen. Das heißt, vor allem Großanleger haben sie verkauft. Ob die beiden Konzerne dadurch bereits jetzt Übernahmekandidaten sind, sei dahingestellt. Jedenfalls wird die Beschaffung von Eigenkapital für sie in Zukunft teuer. Oder anders herum betrachtet: Merkels 180-Grad-Wende in Richtung Atomausstieg führt zur Kapitalvernichtung… (Seite 2)

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3 Kommentare auf "Aus Emotion wird Inflation"

  1. Hal 9000 sagt:

    Gut, daß Sie dem (pauschalen) Immo-Hype einen Dämpfer verpassen. Ich stelle auch in meinem privaten Umfeld die Blauäugigkeit fest.

    Zusätzlich kommt natürlich noch der Staat ins Spiel. Der kann ja nach belieben hier noch melken. Einen vorbereiteten Schritt hat er ja schon getan – Zensus 2011. Auch ein Blick in das Grundgesetz hilft:

    Artikel 14

    (1) Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.
    (2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.
    (3) Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt. Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen. Wegen der Höhe der Entschädigung steht im Streitfalle der Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten offen.

  2. Austrian sagt:

    Mir sind die Kommentare von Herrn Gburek, mit Verlaub, etwas zu einseitig und so langsam werden diese auch Öde. Dass man Gold und Silber kaufen muss ist hinlänglich bekannt: aber ganz bestimmt sollte man Gold und Silber nicht als alternatives Investment betrachten, das sich z.B. mit Immobilien vergleichen lässt. PHYSISCHES Gold und Silber, von dem tunlichst niemand wissen sollte, sind in der derzeitigen Situation eine Versicherung gegen den Total- oder Teilzusammenbruch der Weltwirtschaft und der Währungssysteme.
    Ganz sicher sind Gold und Silber keine Alternativen zu Immobilieninvestments, die ja immerhin Mietzins abwerfen können, und, wenn man nicht blind kauft, durchaus auch eine gewisse Rest-Sicherheit für hohe Beträge darstellen. Selbst wenn es einen deflationären Schub gäbe – was m. E. erst nach der Katastrophenhausse der Fall wäre – bleibt einem u. U. doch ein gewisser Mietzins mit dem man einen Neuanfang starten kann.
    Immobilien als reine Inflationshedges in einer noch erträglichen Inflation sind sicherlich Geschmackssache und da gibt es sehr wohl Gegenden, wo man langsam aufpassen muss: wie gesagt, dies unterstellt aber das wir aus dieser Krise alle mit einem blauen Auge davonkommen, wonach es durchaus nicht aussieht.
    Wer das Kapital zur Verfügung hat, um sich eine Immobilie zu kaufen, der wird ja wohl hoffentlich nicht auf die Idee kommen Gold und Silber in so großen Mengen anzuschaffen, dass es nur um ein entweder oder geht.
    So sicher muss Gold und Silber erstens auch nicht sein, und darüberhinaus ist in dieser Krise ja dann der Ausstiegszeitpunkt ebenfalls zu bedenken. Wer physisches Gold und Silber aus den richtigen Gründen kauft, muss letztlich mit dem Verkauf warten, bis kein Zusammenbruch mehr droht.
    Also bis NACH einer drohenden Währungsreform/Schuldenrestrukturierung; das Verlustrisiko ist da also eingebaut und wird ertragen, weil es besser ist als alles zu verlieren.
    Geht man jedoch davon aus, dass die Systeme intakt bleiben, gibt es eine Menge besserer Alternativen zu Immobilien UND Gold/Silber gegen Inflation.
    Auch wenn nichts intakt bleibt, empfiehlt sich z.B. auch die Beteiligung an Handwerks- und Agrarbetrieben.
    Da bleiben wir doch lieber bei der im Goldexpertentum klug angelegten Empfehlung höchstens 5-15% des LIQUIDEN Vermögens in Gold/Silber anzulegen. Was haben Immobilien damit zu tun?
    Wie gesagt, dem einseitigen Gold/Silber Gepauke des Herrn Gburek mangelt es langsam an Tiefe. Hat man einen Artikel von Herrn Gburek gelesen, hat man alle gelesen. Sorry, Sir.

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