Augen auf beim Münzverkauf!

19. Januar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Wenn man schon kostenlos die kleinen Käseblättchen in heimische Postkästen geliefert bekommt, und diese selbigen verstopfen, springen einen die Werbeanzeigen der Goldaufkäufer an. Warum nicht dort anrufen und nach den Preisen fragen? Man erlebt Erstaunliches aus einer anderen Welt. Ein Selbstversuch…

Seit einigen Tagen bewegen sich die Goldpreise wieder nach oben. Bei etlichen Aufkäufern scheinen sie aber seit einigen Monaten eingerostet zu sein. Dabei entpuppt sich der Krügerrand nach deren Lesart als Ladenhüter, obwohl ab und zu von Engpässen im Edelmetallhandel zu hören ist. Weltweit wurden rund 70 Millionen Stücke dieser „ollen Münze mit Elch? Tiergeweih?“ geprägt. Hier der Kursverlauf des Goldes in den letzten fünf Jahren – eine ganz grobe Orientierung.

Der erste Aufkäufer bot mir 1.213 Euro für dieses blöde Ding „mit Reh hinten drauf“ an, ein Abschlag von zehn Prozent auf den Spot-Preis. Wahrscheinlich verkauft er ihn dann zu Marktpreisen, die derzeit bei 1.350 Euro liegen. Eine andere Dame bot mir 880 Euro für die gleiche Münze an. Ich hatte sie sofort sehr lieb. Sie müsse diese aber genau auswiegen, denn schließlich besäße sie eine Digitalwaage, die das Gewicht aufs Hundertstel Gramm ausspuckt. Wozu? Ich sollte den Stempel auf dem Krügerrand doch mal suchen. Dabei besitzen diese Münzen gar keinen Stempel. Blöd. Oder?

Aufklärerische Ankaufkreise findet man übersichtlich bei Bullionpage.de oder telefoniert sich durch die Gegend.

„Wir kaufen liebend gerne Goldmünzen – gehen Sie zur Bank und den Bankberater zu fragen“, sagte eine andere Dame, die mir pro Gramm 33 bis 36 Euro anbot. Das Gramm hat offenbar keine einheitliche Größe mehr. Banken Zahlen 40 Euro, riet sie mir. Der aktuelle Goldpreis liegt ganz nebenbei auf der Marke von 42 Euro pro Gramm. Diese Zahl ist zufälligerweise auch die Botschaft, mit der die Werbeanzeigen die Briefkästen verstopfen.

Die Realität sieht anders aus. 42 Euro pro Unze habe ich nirgendwo bekommen. Zwei Händler boten mir 1.250 und 1.275 Euro an. Eine Handelspanne für sie von rund 100 Euro dürfte in Ordnung sein, wenn man sich mit seinem Vorhaben auf die heimische Region beschränkt.

Beachtlich ist, dass die Hälfte der Befragten sagte, ich möge mich an meine Bank wenden. Seltsam. Denn Banken zahlen meist mehr als die kleinen Goldkrämer. Warum dem so sei, wussten sie nicht. Geschäftsgeheimnis? Zumindest war dieser Tipp kostenlos, aber es kommt noch besser…


 

Bargeld lacht!

Ganz marktorientiert kam ein anderer Aufkäufer daher. Er bietet 25-28 Euro pro Gramm Feingold an, was Jubelpreise von 880 Euro pro Unze ausmachen. Vielleicht sind seine Goldpreise seit Jahren schon nicht mehr aktualisiert worden. Oder es handelt sich um eine besondere Form der Markt(preis)Wirtschaft. Keine Ahnung.

Jedenfalls dürfte vermutet werden, dass der Händler eine für 880 Euro aufgekaufte Münze zu einem etwas höheren Preis an seine werte aber vielleicht sogar weniger geschätzte Kundschaft weiter reicht. Man kann heute nicht ausschließen, dass jeden Morgen ein Dummer aufsteht und der eine oder andere den schnellen Euro braucht – auch nicht im Ried.

Dass recht viele Händler vorgeben, wenig Ahnung von der Materie haben, scheint Geschäftspraktik zu sein und lässt sich aus folgenden Begebenheiten schlussfolgern: Ob die Münze mit 999 oder 986 gestempelt sei, fragte eine Frau. Oder dies: Wiener Philharmoniker aus Silber wären Medaillen, sagte ein anderer Händler, der behauptete, am Kauf und Verkauf von Krügerrand-Münzen verdiente er nur zehn Euro, weshalb er solche Geschäfte nicht gerne mache. Er bot mir 1.100 Euro für eine Münze aus dem Jahr 1968 an. Der Teufel soll ihn holen!

„Kommen Sie vorbei. Die Chefs kaufen auf. Ich bin nicht befugt, Ihnen den Preis zu nennen. Aber die Chefs können es wahrscheinlich auch nicht sagen“

sagte eine andere freundliche Stimme aus Darmstadt. Wer weiß, warum ihr die Chefs das verboten haben? Kalkül?

Der Krügerrand-Verschmäher war alerdings sehr an meinen American Eagles (Silber) interessiert – für 18 Euro das Stück. Ob es halbe oder ganze Unzen wären, fragte er.

Bei einem anderen Aufkäufer, der im Internet die Kunden im Mittelpunkt sieht, stand der Ankaufpreis bei 1.050 Euro. Für Silbermünzen zahlt er 30 Cents pro Gramm. Das sind runf neun Euro pro American Eagle. Etwas wenig? Hier der Silberpreis  in Euro…
Dickes Geschäft, aber nur für den Käufer. Zwei der acht befragten Aufkäufer in der Gegend boten einigermaßen erträgliche Preise an. Man muss schon die Augen aufmachen, wenn man ein paar Stücke verkaufen will. Wissen ist macht. Nichts wissen kostet Geld.

Interessant ist, dass es so viele Aufkäufer gibt und weniger Verkäufer. Ein Typisches Zeichen für eine Blase. Wenn sich das Verhältnis umgekehrt hat und jeder Gold verkaufen will statt zu kaufen, hat sich vermutlich etwas Großes bewegt. Achten Sie auf das heimische Käseblättchen. Es liefert weit mehr als nur Informationen über erfolgreiche Feuerwehreinsätze, die Polizeistatistik und Veranstaltungshinweise in der Region – mehr, als die meisten ahnen…


 

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12 Kommentare auf "Augen auf beim Münzverkauf!"

  1. rolandus sagt:

    …und die haben Dich alle nicht an der Stimme erkannt: Sin se nisch der ausm Fernseehn? Kann ich mir nicht vorstellen oder die Stimme gut verstellt;-) Anderseits: Bei den Preisen scheinen sie wenig mit dem Markt generell zu tun zu haben, und damit einen schönen Gruß ins Ried incl dder Händler .

    rolandus

  2. pat sagt:

    Ich hatte mir auch mal vorgenommen diese Ankäufer mal genauer anzuschauen. Schön jetzt hast du es mir abgenommen.

    So ungefähr hatte ich mir diese Ankäufer auch vorgestellt. Ähnlich seriös wie die Gebrauchtwagenhändler die ihre Karten immer an die Autos stecken.

    Wenn ich mir das große Bild überlege, dann habe ich den Eindruck es steckt System dahinter und es wird versucht den einfachen Leuten das Gold zu möglichst billigen Preisen abzuknöpfen, damit sie es später, wenn es brauchen könnten, nicht mehr haben.

    • Avantgarde sagt:

      „steckt System dahinter und es wird versucht den einfachen Leuten das Gold zu möglichst billigen Preisen abzuknöpfen, damit sie es später, wenn es brauchen könnten, nicht mehr haben.“

      NÖ – sehr viel simpler.
      Ohne großartige geistige Verrenkungen ist das doch das Geschäft des Lebens.

      Jemand den Krügi für 800 abkaufen und beim nächsten Händler für 1200 wieder loszuzwerden ist doch wie ein Weihnachtsgeschenk mit dem Osterhasen.

      Keine Ahnung wie viele dumme jeden Tag aufstehen – aber bei der entsprechenden Menge kann man sein Geld kaum leichter verdienen.
      Man könnte allerdings auch von Betrug sprechen….

  3. wolfswurt sagt:

    Sich wundern über verschiedene Preise und unterschiedliche Kenntnisse der Marktteilnehmer als Verfechter der Marktwirtschaft?

    Ein Grund zum wundern…

  4. Stuelpner sagt:

    Das war aber eine sehr spitze Spitze von wolfswurt 😀
    Jedenfalls soll uns der „neutrale“ Artikel jetzt sagen, weg mit dem Zeug demnächst ist es nichts mehr wert. Verkaufen, verkaufen…..
    Hies es nicht immer hier werden keine Anlagetipps gegeben?

    Zitat: „Ein Grund zum wundern…“

  5. crunchy sagt:

    Ma“gier“ der Märkte: Grünspan(alt), Drache(neu), wir alle spinnen Geld aus Heu. Die neue Welt des „Ham´mi Schotter“!
    An alle, die zu hoch gekauft haben: Durchahlten wird sich nach diesem Einbruch exponentiell (ja, immer noch) auszahlen.

  6. DukeNukem sagt:

    Habt ihr euch schonmal angesehen für wieviel € man nen Krügerrand bei ebay los wird? Da kriegt man deutlich mehr als bei jedem Händler! Man muss dann natürlich noch die ebay-Gebühr abziehen 😉

  7. Das Herabstufen geht weiter, Bargeldalternativen und Krügerrand zu verkaufen! sagt:

    […] Augen auf beim Münzverkauf! auf rottmeyer.de ist ein interessanter Erlebnisbericht zum Abenteuer Goldverkauf. Der Versuch des Verkaufs der beliebtesten und umsatzstärksten Anlagemünze, dem Krügerrand, offenbart große Unprofessionalität im blühenden Geschäftsfeld Goldankauf. Die angebotenen Preise und Preisunterschiede lassen vergessen, dass eigentlich ein Marktpreis existiert. Für den informierten Goldbug komisch – eine Tragödie für den Normalbürger mit etwas Gold! […]

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