Aufwärts immer, abwärts nimmer!

19. März 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Inmitten der nimmer endenden Börsenparty hat die US-Notenbank zum dritten Mal die Zinsen angehoben. Da solle noch mehr kommen, sagt sie. Die armen Amerikaner!

Sie pflegen ihre Kreditkultur so gründlich wie ihre Vorgärten und haben sich für ihren Konsum 15 Billionen US-Dollar aus der Zukunft geborgt. Kreditkarten-Glühen ist dort neben Football Volkssport. Bislang ging das gut, was nicht heißt, dass es immer gut geht. Schulden sind eine Frage der Zinshöhe. Und die steigt. Ab wann wird es gefährlich? Wir wissen es nicht. Vielleicht ist es das jetzt schon.

Auch die US-Firmen stehen mit 8,4 Billionen US-Dollar in der Kreide. Da mit höheren Zinsen die Schulden teurer werden, bin ich gespannt, wann FED-Chefin übertrieben hat und nicht nur die Schuldenblasen, sondern auch die Börsen ansticht. Für Donald Trump ist sie ein Alptraum, will er doch den 20 Billionen US-Dollar großen Schuldenberg noch schneller wachsen lassen. Ein Prozent mehr Zinsen bedeuten 200 Milliarden US-Dollar zusätzliche Kosten pro Jahr. Steht uns eine Überraschung mit Ankündigung ins Haus?

Seit 107 Tagen läuft in den USA die Börse auf Hochtouren. In dieser Zeit ist der US-Aktienmarkt an keinem Tag mehr als ein Prozent gefallen.

Hierzulande heißt es, niemand komme mehr an Aktien vorbei. Wirklich? So konnte man am „Tag der Aktie“ in Frankfurt zum dritten Mal DAX-Papiere ohne Gebühren kaufen. Ein Schnäppchen? Als schenkte man jemandem einen Autoschlüssel, der dann das Auto kauft, dessen Preis er kennt, nicht aber dessen Typ, von Fahrtüchtigkeit ganz abgesehen. Aktionäre sind ja am Erfolg des Unternehmens beteiligt. Von Misserfolg stand da nix.

Erstmals wurde dieser Tag 2015 gefeiert. Da notierte der DAX auf Rekord, in diesem Jahr auf dem Stand von vor zwei Jahren. Keine Spesen, nichts gewesen – von zwischenzeitlichen „Irritationen“ mal abgesehen. Nicht dass man mich falsch versteht: Aktien sind klasse, wenn man die richtigen hat und auch ihr Preis beim Kauf stimmte. Wenn es jedoch kaum noch jemanden gibt, der vorsichtig ist, wäre der Tanz auf dem Parkett eher in der Nähe des Ausgangs besser als mitten vor den vielen Lautsprechern.
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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Ein Kommentar auf "Aufwärts immer, abwärts nimmer!"

  1. samy sagt:

    N‘ Abend,

    und wenn ich es jemals einem Präsidenten zutraue, dass er wirklich einige 1-Billion-Dollar-Platinmünzen schlagen könnte, dann ist es Donald Trump.

    Oder er lässt es und hat wie ein Unternehmer jetzt schon den Staatsbankrott innerlich frei von Illusionen akzeptiert. Dann versucht er noch möglichst lange mit dem maroden Dollar Schulden zu machen um die Infrastruktur und das Militär aufzubauen, bevor er den Neustart ausruft. Welcher Gläubiger traut es sich denn, sich gegen die größte Militärmaschinerie seit Rom aufzulehnen?

    Die FED? Die wirkt im Zweifel nur als Brandbeschleuniger.

    Sowohl Trump als auch Bannon wussten schon weit vor der Wahl, dass das jetzige amerikanische Geschäftmodell „fertig hat“. Die haben sich da nie was vorgemacht. Soviel ist für mich sicher.

    VG

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