Aufschwung “NIX-L”

7. Februar 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

vom Bankhaus Rott

So wie sich Politiker gerne wegducken, wenn es Eier oder gute Argumente regnet, so gerne drängen Sie wie Insekten ans Licht, wenn es darum geht, Pluszeichen zu erklären. Nun, natürlich sei man erst zwei Wochen im Amt, aber der Aufschwung sei dennoch eine Folge des Wandels. Im Abschwung sieht das wenig erstaunlich gleich ganz anders aus…

Dieses Verhalten ist auf beiden Seiten des Atlantiks vergleichbar. Auch beim Wegducken wenn es Obst oder gute Argumente hagelt, gleichen sich die Muster. Wir dürfen gespannt sein, wie die Prediger einer encouraging  recovery oder – teutonisch bescheiden – eines XL Aufschwungs mit den kommenden Problemen umgehen werden. Denn vorbei ist das Spektakel noch lange nicht, auch wenn der ein oder andere so genannte Repräsentant diese lästige Krise gerne für beendet erklärt.

Die kürzlich veröffentlichten Daten zum Konsum in der BRD wollen denn auch so gar nicht in das blumige Bild passen, dass über diverse Kanäle vermittelt werden sollte. Das Mobiliar der Realität ist scheinbar deutlich zu sperrig für das enge Treppenhaus der politischen Wunschträume.

Es gehe aufwärts, die Bürger würden die ewige  „Miesepetrigkreit“ nicht mehr zulassen, so heißt es. Tja,  keine Kohled das ist doch nun wirklich kein Grund, schlecht drauf zu sein. Und überhaupt wisse man vor lauter Vollbeschäftigung sowieso gar nicht mehr, woher man noch die zahllosen benötigten Arbeitskräfte für das kommende „deutsche Jahrzehnt“ herholen solle. Erstaunlich, wie gering entgegen der vorherrschenden Lehrbuchmeinung der Anstieg der Löhne in diesem Wirtschaftswunder ausfällt.

Bei dem wirklich so geringen Angebot an Arbeitskräften wäre das doch in der Tat erstaunlich. Vielleicht liegt es schlichtweg daran, dass in einigen Dienststellen das Herausfallen von Personen aus einer Statistik mit der Aufnahme einer Beschäftigung verwechselt wird. Wenn sich in einem derartigen Umfeld viele Menschen, die von ein paar hundert Mark im Monat leben, ausgerechnet von Berufsparlamentariern in dritter Generation Optimismus predigen lassen müssen, dann ist das nur mit dem Begriff unwürdig treffend zu beschreiben. Dennoch – auch wir sollten nicht so miesepetrig sein und ständig nur auf Daten und Zahlen herumhacken! Also verinnerlichen wir das neue Ökonomische ABC, es ist ganz leicht:

  • Schulden sind gut und schaffen Werte.
  • Inflation war jahrelang zu Unrecht in Misskredit geraten und ist der neue Heilsbringer.
  • Der Schuldenstand einer Volkswirtschaft ist unbedeutend.
  • Steigende Assetpreise sind gut. Je teurer Firmenanteile oder Häuser, desto besser!
  • Lebensmittelpreise steigen nur wegen „Londoner Spekulanten“. Mit einer wundersamen Währungsvermehrung und „Bio-Treibstoffen“ hat das nichts zu tun.
  • Ach herrlich, die Liste ließe sich ewig fortsetzen. Vielleicht zum Schluss noch ein Klassiker: Der deutsche Energiemarkt ist liberalisiert, es herrscht freier Wettbewerb.

Nun, leider kommen all diese Thesen gegen die schlichte Welt von Angebot und Nachfrage nicht an. Das Verhältnis von dem, was ich brauche, und dem, was ich mir leisten kann, bestimmt immer noch die ökonomischen Realitäten. Gut zu beobachten war und ist dieses Verhältnis in den vergangenen Jahren in den USA und vielen europäischen Staaten. Wenn es keine Arbeit gibt, gibt es auch keine Arbeitsplätze. Die Zahl der Arbeitslosen steigt – ob man sie in einer Statistik ausweist oder nicht. Wer keinen Job hat, muss mit einem geringeren Einkommen auskommen, der Konsum sinkt. Ob man dies zeigt, oder lediglich diejenigen Geschäfte in die Umsatzstatistik einbezieht, die nicht bankrott gingen, steht auf einem anderen Blatt…

 

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