Aufschwung durch Statistik

2. Juni 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Die Kaufkraft ist wieder gestiegen, so das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). Wissen wir bald nicht mehr wohin mit dem Geld? Verdiente 1991 ein Deutscher netto 10,31 Euro pro Stunde, waren es 2012 schon 15,89 Euro. Was liegt näher, als das in tägliche Waren umzurechnen…

Frisch ans Werk und auf-gestaunt! Für ein Stück Butter musste man damals noch sechs Minuten arbeiten, heute nur noch vier. Vor Freude habe ich 20 Stück gekauft. Drei Minuten dauert es nur noch, bis man ein Bier kaufen kann. Ich kann gar nicht so schnell trinken! Auch Milch ist so erschwinglich, dass ich darin jetzt bade und Kleopatra blass würde. Bei Zeus! Wir können uns neun Prozent mehr Güter kaufen als 1991. Im Juli 2012 schrieb das IW noch, die Kaufkraft der Deutschen sei so niedrig wie 1991. So schnell kann`s gehen im Bundestagswahlk(r)ampf.

Oh weh! Für den (täglichen) Kabeljau, müssen wir zehn Minuten länger arbeiten, aber nur noch 28 Stunden für einen Flachbildschirm. Glücklicherweise habe ich 20 davon. Zehn waren noch nicht ausgepackt. Sonst hätte mich die frohe Botschaft noch öfters angesprungen. Statistik ist wie abstrakte Kunst, nur besser verkäuflich. Mein Nachbar hat zwei Porsche und ich keinen. Statistisch gesehen haben wir jeweils einen. Ein Millionär und ein armer Schlucker ergeben so je einen halben Millionär. Herrlich! Ich verstehe gar nicht dieses Geschrei um einen Mindestlohn von 8,50 Euro. Uns geht’s doch gut!

Moment! Ich muss mal schnell rechnen…

Wer täglich acht Stunden an 20 Tagen im Monat für 15,89 Euro netto arbeitet, bekommt jährlich 30.500 Euro netto. Der durchschnittliche Bruttoverdienst der Deutschen lag 2012 laut Finanzministerium bei 28.952 Euro. Ob etwa das IW in Köln Brutto mit Netto verwechselt hat? Schwamm drüber! Ich muss dringend los, um einen weiteren Kühlschrank zu kaufen. Statistisch bin damit jetzt schon wieder dran.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


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