Aufruhr am Silbermarkt

1. November 2010 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Oha! Es gab also doch Versuche, den Silbermarkt zu „beeinflussen“. Das stammt nicht etwa von einem mit viel Häme bedachten „Silberverschwörer“, sondern von Bart Chilton, einem Vertreter der für den US-Terminmarkt zuständigen Regulierungsbehörde. Zwei Händler haben J.P.Morgan und HSBC angezeigt. Was bedeutet das aber für den Silbermarkt in den nächsten Wochen?

Zunächst bedeutet das, dass allen Vermutungen über Manipulationen ein Funke Wahrheit inne wohnt. Brennt es gar? Wer den Silbermarkt aufmerksam verfolgt, wird diese Nachricht nicht aus den Schuhen gekippt haben. Es bedeutet dreierlei:

1. Die Sache ist aufgeflogen

2. Die vermeintliche Manipulation wird enden

3. Das Ganze kann dauern

Dass die CFTC nun Hinweise gefunden hat und ermittelt, ist großartige Nachricht für Silberinvestoren. Nicht nur, dass sich die Preise irgendwann auf ein marktgerechtes Niveau einpendeln könnten, sondern dass sie beim künstlich niedrig gehaltene Preise vorgefunden haben. Und jetzt? Die Geschichte beweist, dass Manipulationen irgendwann enden, und Märkte über die Preise ihr Gleichgewicht finden und auch die Täter Spuren hinterlassen – meist ungestraft. Sollten die gigantisch großen Shortpositionen eingedeckt werden müssen, fliegt Silber durchs Hausdach, wenn die „Subventionierung“ der Silberkäufer endet.

Edelmetallhändler sprechen von weiterhin robuster Nachfrage. Der Markt ist zu klein, um große Beträge wie bei Gold absorbieren zu können. Die Preise näherten sich in der letzten Woche ziemlich schnell ihrem letzten Hoch und klopfen bei 25 USD jetzt wieder an. Steigende Preise ziehen komischerweise auch mehr Käufer an. Wir Menschen sind eben so. Selbst in der Presse ist mehr über Silber zu lesen – auch von diesen „Beeinflussungen“. Es spricht sich herum wie das Fremdgehen des Nachbarn im Dorf. Die Schrotkugeln für den Hintern der Wölfe haben die Flinte verlassen. „Wolf“ geht übrigens zurück auf die den Silberanalysten Ted Butler. Er bezeichnet die wenigen großen Spieler am Markt als Wolfsrudel. Butler analysiert den Silbermarkt seit gut zwanzig Jahren und fand immer wieder ihre Spuren. Sie deuten seiner Meinung nach eindeutig auf Manipulation hin. In den freitäglichen COT-Daten und im Bank-Partizipations-Report hinterlassen sie diese Abdrücke. Nicht nur Butler, auch die GATA kombiniert seit Jahren die vorhandenen Zahlen, um eine Manipulation nachzuweisen zu können, wenn auch indirekt. Das Ergebnis war immer gleich – es stinkt.

Lautes Schnarchen

Es gab bereits mehrere Untersuchungen der Aufsichtsbehörde. Alles war in Ordnung, hieß es jedes Mal – bis die CFTC einen neuen Chef bekam – Gary Gensler. Im aktuellen Fall wird das Frühjahr 2008 untersucht. Es brauchte zweieinhalb Erddrehungen um die Sonne, bis man auf Ungereimtheiten gestoßen ist. Aber immerhin… Auf schnelle Ergebnisse würde ich jetzt aber auch nicht setzen. Doch Moment…! Das Ding ist in der Öffentlichkeit. Man wird nachfragen, nachhaken und verstärkt Ausschau nach weiteren komischen Bewegungen halten. Mal sehen, ob die CFTC wieder erzählt, dass alles in bester Ordnung sei. Erinnern Sie sich an das Frühjahr, als die Silberpreise etwas gestiegen waren, es aber kaum Silber zu kaufen gab? Die Sache stank – und das nicht zum ersten Mal. Der damals zweite Silber-Engpass erinnert an DDR-Zeiten: im Schaufester wurden die Preise für Schnitzel ausgewiesen, aber es gab gar keine Schnitzel.

Bei jedem unerklärlichen Kursrutsch nach unten wird man sich jetzt vermehrt fragen, ob die Wölfe schon wieder da sind – so auch in der vergangenen Woche, als Silber um fast zwei Dollar stieg. Waren das die Wölfe? Haben sie einige ihrer gigantischen Shorts eingedeckt? Und wenn Silber wie so oft plötzlich abrutscht, werden die Wölfe auch im Scheinwerferlicht des Marktes stehen. Welch ein Spaß! Und der Markt wird sie wegfegen…

Zurück zum „alten Mann mit dem Bart“ – Ted Butler, der von vielen „Experten“ für seine Artikel und Mahnungen ignoriert und verspottet wurde – als „Oberverschwörer“ im Silbermarkt. Vielleicht sieht man ihn seit dieser Woche in einem anderen Licht. Ich meine, hier sind Entschuldigungen fällig und auch ein Dank an seine jahrelange aufklärerischen Worte und Taten. Es braucht immer einen Mutigen, der die Dinge ausspricht. In diesem Zusammenhang wäre auch Bart Chilton zu danken. Er hätte die ganze Sache unter dem Tisch liegen lassen können.

Weitere Zufälle

Warum zum Teufel halten zwei oder drei Banken so hohe Shortbestände? In keinem anderen Markt findet man diese Extreme. Gemessen an der gehandelten Zahl von Terminmarktkontrakten beherrscht J.P.Morgen den Derivatemarkt bei Gold und Silber zu gut 90 Prozent. Warum? War das bislang unbekannt? Gab es keine Gründe, das zu hinterfragen? Sowohl die COT-Reports als auch der alle vier Wochen herausgegebene Partizipations Report stützen Butlers These, dass es sich hier nicht nur zufällige, sondern konzentrierte manipulative Short-Positionen handelt – und das in einem Umfang von 160 Tagen der Weltsilberproduktion. Seit Jahren war zu beobachten, dass mit der Handelseröffnung der US-Terminbörse COMEX der kleine Silbermarkt durchgeschüttelt wurde. Die Aufsicht schien bislang so blind gewesen zu sein, dass sie nicht mal ihren Hintern finden konnte, auf dem sie saß.

Interessant ist auch, dass ausgerechnet die Halter der höchsten Shortbestände im Gold – und Silbermarkt auch die größten Treuhänder der größten Edelmetall-ETF’s sind. (GLD, SLV) Nur Verschwörungstheoretiker werden hier einen Interessenkonflikt vermuten. Im Frühjahr machte der Name Andrew Maguire die Runde. Der in London arbeitende Trader bekam Informationen, wann und wie der Edelmetallmarkt durch J.P. Morgan angegriffen werden soll und reichte diese an die Aufsichtsbehörde weiter. Nichts geschah, abgesehen von einem Zufall: Maguire wurde kurz danach von einem Auto angefahren.

Edelmetalle sind politische Metalle – die natürlichen Feinde des Papiergeldes. Aus Protokollen von Notenbanken und aus Aussagen der Politik, zusammengetragen im Buch von Dimitri Speck geht eindeutig hervor, dass man die Preise im Zaum halten wollte. Gold und Silber sind Grubenvögel, die auf Methangas reagieren. Sie wären viel lauter, wenn man ihnen nicht permanent Tranquilizer unters Futter mischte. Als Pillendreher stehen nun J.P.Morgan und die HSBC im Verdacht. Ihnen wird vorgeworfen, mit illegalen Spielereien in Silberfutures hunderte Millionen Dollar eingestrichen zu haben und vielleicht sogar ganz nebenbei Interessen von Notenbanken unterstützt zu haben. Man darf auf die Ermittlungen gespannt sein. Von HSBC und J.P. Morgan gibt es bislang keinen Kommentar. Doch jetzt ist Bewegung in den Silbermarkt gekommen und die Vermutung liegt nahe, dass der Markt einen weiteren Grund zum Spekulieren gefunden hat – gegen die Wölfe. Sie sind angeschossen, auch wenn sie weiter rennen und beißen. Noch.

Würde nur jeder Chinese eine einzige Unze Silber kaufen, bräuchte es jetzt gar keine Untersuchungen, denn den Wölfen würde vorher die Luft ausgehen. Bis dahin halte ich es wie in den letzten Jahren, so ähnlich wie die Eichhörnchen: Wenn das Rudel versucht Beute zu machen, sorgt es für künstlich gedrückte Preise. Dankeschön! „Da simma dabei… das ist prima!“

Nein, ich würde mich nicht darauf verlassen, dass es eine schnelle Aufklärung geben wird. Das kann lange dauern und es könnte in der Zwischenzeit etliche Nebelkerzen regnen. Doch eines zeigt die Sache auch: Manche Verschwörungstheorie von gestern ist die Praxis von heute.

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