Aufgetrumpft

20. November 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Die Hühner in den USA haben also den Fuchs zu ihrem Chef gewählt und nicht den Wolf. Nicht nur an den Börsen geht es hoch her. Dabei ist der DAX nicht unbedingt der knusprigste Keks in der Dose…

…schon wegen der Versorger und Banken und anderer Ärgernisse. Im Gegensatz zum Dow Jones hat er noch lange kein neues Allzeithoch erreicht. Der von den Experten ausgerufenen Trump-Rally geht schon wieder die Puste aus.

Die krawattierten Alleswisser warnten doch neulich noch vor diesem „Börsenschreck“. Je nach Börsenstand hängen sie ihre Meinung um wie Kleidung im Schaufenster bzw. die Fahne in einen anderen Wind. Vielleicht hilft einfach mal nur nach Nuhr: Die Klappe halten. Er hat das noch derber formuliert.

Fakt ist, niemand weiß, was Trump bedeutet, wobei ein Nachrichtenmagazin vom „Ende der Welt“ orakelt, wie wir sie kennen. Könnte man mal bitte die Kirche im Dorf lassen? An den Taten wird man jemanden erkennen, nicht an seinen Worten, steht übrigens schon im Johannesevangelium.

Unsere ach so geliebte Einheiz-Währung fällt schon wieder durch, ist zweite Wahl, trotz so vieler Eurorettungen binnen acht Tagen um mehr als fünf Prozent. Erreicht sie bald den Gleichstand zum Dollar? Dann fiele zumindest das ach so lästige Umrechnen weg, auch wenn man sich eine Reise in die USA gar nicht mehr leisten kann. Aber wer will das heute noch?

Die Heldin der Wache ist wie jedesmal die US-Notenbank-Chefin Janet Yellen. Sie hält an ihrem Kurs fest, die Zinsen zu erhöhen, auch wenn sie dabei manchen Eisberg wahrscheinlich absichtlich übersieht. „Relativ bald“ soll es passieren. Aha. Niemand weiß, was „relativ bald“ bedeutet, denn bekanntlich alles ist relativ wie das, was sie uns seit einem Jahr erzählt.

Eine Zinsanhebung könnte eines ihrer letzten Geschenke werden, und ein kleiner Crash wie vor einem Jahr, als sie sich an einer Zinswende versuchte. In den Geschichtsbüchern wird stehen: Sie hat sich stets bemüht. Die arme Frau!

Ihrer Meinung nach entwickelt sich ja derzeit die US-Wirtschaft wie angenommen. Ich weiß nicht, was sie damit meint oder auch, was sie sieht, vermute aber, eine Mischung aus Dallas, Denver-Clan und billiger Comedy.
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

 

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4 Kommentare auf "Aufgetrumpft"

  1. samy sagt:

    Moin!

    Wieso werden eigentlich mit deutschen Steuergeldern wahrscheinlich ausländische Wahlkämpfe finanziert? „Wahrscheinlich“ schreibe ich, weil die Clinton-Foundation theoretich diese Gelder auch für wohltätige Zwecke genutzt haben könnte.

    Einmal hat die GIZ und einmal wohl das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit jeweils eine Summe zwischen 1-5 Millionen gespendet.

    Links sind zu finden unter:
    http://vera-lengsfeld.de/2016/11/18/nachtrag-zu-mussten-deutsche-steuerzahler-hillarys-wahlkampf-finanzieren/

    Ach, was rege ich Trottel mich über derlei nachweisbaren Sch… noch auf? Im faktischen Zeitalter angekommen, sollten sich die die da oben damit rumprügeln.

    Wie feixte Taleb über die Wahlen und das ganze Drumherum so schön?
    “ Er [Meine Anmerk: Der Intellektuellen-Idiot] findet, dass die Menschen so handeln sollten, wie es am besten für sie ist, und natürlich weiss er da am besten Bescheid, besonders wenn es um die amerikanische Unterklasse oder um jene Briten geht, die ihre Vokale nicht ordentlich aussprechen und die für den Brexit gestimmt haben. Wenn Plebejer etwas tun, das ihnen sinnvoll erscheint, ihm aber nicht, dann tituliert sie der Intellektuellen-Idiot als «ungebildet». Was wir generell als politische Partizipation bezeichnen, zerfällt für ihn in zwei Kategorien: «Demokratie», sofern es in seine Weltsicht passt, und «Populismus», wenn die Plebejer es wagen, einer Linie zu folgen, die seinem Geschmack zuwiderläuft.“

    Zu finden unter:
    http://www.nzz.ch/feuilleton/aktuell/nassim-nicholas-taleb-die-wohlwissenden-ld.128349

    VG

  2. Aristide sagt:

    Jetzt hab ich mich doch glatt verlesen. Statt
    „… wobei ein Nachrichtenmagazin vom „Ende der Welt“ orakelt, …“
    las ich
    „..wobei ein Nachrichtenmagazin – vom Ende der Welt – orakelt…“
    und dachte, dass wir hier doch nicht am Ende der Welt sind – obwohl man das Ende womöglich von hier sehen kann.
    😉

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