Aufbruchsstimmung in Europa!

18. März 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Die Wahlen in den Niederlanden zeigen: Von Normalität ist nichts zu sehen. Die Zeichen stehen auf Wandel…

Der Frühling ist ja bekanntlich die Zeit des Wandels. Der März ist, was das angeht, geradezu berüchtigt: Am 15 März des Jahres 44 vor Christus wurde in Rom Julius Cäsar ermordet. Seither munkelt man von den „Iden des März“, wenn Unheil droht und irgendetwas besonders übel ausgehen könnte.

Auch in diesen Tagen wird in ganz Europa etwas zu Grabe getragen, nämlich die Hoffnung der etablierten politischen Kräfte, die Geister, die man gerufen hat, mögen doch bitte möglichst unauffällig wieder verschwinden.

Doch das wird nicht geschehen. Die Wahlen den Niederlanden haben gezeigt, wohin die Reise führen wird: Das Pfeifen im Walde, getarnt als hoffnungsvoller Jubel, der in den Mainstream-Medien angesichts des Wahlausgangs jetzt wieder anhebt, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die etablierten politischen Kräfte in Europa nach der Wahl in den Niederlanden vor einem Scherbenhaufen stehen:

Die niederländischen Sozialdemokraten (PvdA), bisher zweitstärkste Kraft im Parlament und an der Regierung von Ministerpräsident Mark Rutte beteiligt, verlieren unglaubliche 19 Prozent der Wählerstimmen und verschwinden damit praktisch von der politischen Bühne. Der bisherige Koalitionspartner der rechtsliberalen Partei VVD stürzt von 38 auf 9 Sitze in die Tiefe. Ruttes VVD selbst verliert zehn Sitze auf jetzt nur noch 31.

Das wäre in etwa so, als würde die bundesdeutsche SPD bei der Bundestagswahl im September den Einzug in den Bundestag verpassen und die Union ein Viertel ihrer Wähler einbüßen. Da ist es wohl nicht übertrieben, von einem Wahldesaster für die etablierten Parteien zu sprechen.

Die Botschaft ist klar und unmissverständlich: Die Zeichen stehen auf Wandel und Veränderung. Die bestehende politische Ordnung in Europa zerfällt und es entsteht etwas Neues.

Satt und zufrieden…

Dass die nationalkonservative Freiheitspartei (PVV) von Geert Wilders bei der Abstimmung in den Niederlanden gemeinsam mit zwei weiteren Parteien „nur“ auf dem zweiten Platz landet, ist nur vordergründig überraschend. Bei Licht besehen ist das Abschneiden konsequent:

Erstens hatte sich der niederländische Regierungschef Mark Rutte den Wählern bis unmittelbar vor der Abstimmung als „Wilders Zwillingsbruder“ geradezu aufgedrängt – mit absehbaren Konsequenzen für die künftige politische Landschaft in Europa, wie Günther Lachmann im folgenden Artikel ausführt.

Darin heißt es:

„In Wahrheit haben die Niederländer also keinen Rechtsruck verhindert, sondern sie haben ihn ausgelöst, mit erheblichen Auswirkungen für das restliche Europa. Ruttes Kurswechsel hin zu einem prononciert nationalistischen Wahlkampf stieß die Tür für rechte Politik und nationalistische Tendenzen in den europäischen Altparteien weit auf. Oder anders gesagt, Rutte hat diese Politik in Europa nun sogar auf höchster Ebene salonfähig gemacht, was nicht zuletzt daran deutlich wird, dass sogar die deutschen Sozialdemokraten diesen Rutte-Sieg bejubeln“.

Zweitens hat die in ganz Europa betriebene Katastrophenpolitik noch nicht in der gesamten Union voll auf die Wirtschaft durchgeschlagen. Niederländern, Österreichern oder auch den Deutschen etwa geht es wirtschaftlich gesehen noch vergleichsweise gut. Man ist satt und zufrieden.

In Griechenland, in Italien oder auch in Frankreich sieht das völlig anders aus. Daher werden die europakritischen Kräfte bei künftigen Wahlen dort auch sehr viel stärker ins Rampenlicht rücken, als zuletzt bei den vergleichsweise „wohlgenährten“ Niederländern. Schon bei den Wahlen in Frankreich im April und Mai dürfte das deutlich werden.

Daraus könnte ein wichtiger Trend für die kommenden Jahre werden: Je stärker die Wirtschaft in den Euroländern unter der unsäglichen und systembedingt zwangsläufig weiter forcierten „Rettungspolitik“ im Einklang mit der sich absehbar verschärfenden Migrationswelle leidet, desto deutlicher werden die Menschen die Regierungsparteien abstrafen. Daran werden auch weitere Kunststückchen von EZB-Chef Mario Draghi nichts ändern.

Dass auch das Spiel der Notenbanken allmählich durchschaut wird, zeigt ein Blick auf den Goldpreis: Wie von uns erwartet, hat das Edelmetall exakt am 15. März nach oben gedreht. Auslöser war die Zinsanhebung der US-Notenbank. Das heißt, nun geschieht genau das, was kaum jemand prognostiziert hatte: Die Zinsen klettern und ziehen den Goldpreis mit nach oben.

Wer da eine kurzfristige Anomalie wittert, der sei gewarnt: Die allgemeine Aufbruchsstimmung, die sich auf der politischen Bühne gerade zeigt, wird irgendwann auch die Edelmetalle erfassen.

© Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief

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