Auf der Suche nach Schuldigen…

13. Februar 2009 | Kategorie: Kommentare

In Frankfurt auf der Zeil wurden neulich die Platanen geschnitten. Sie werden jedes Jahr im Frühling „rasiert“ und stehen dann irgendwie hilflos da, wie mancher Banker, der gerade einen blauen Brief bekommen hat, weil seine Dienste nicht mehr gebraucht werden. In ein paar Wochen treiben die Platanen wieder neues Grün aus. Wie es bei den tausenden entlassenen Bankangestellten sein wird, weiß ich nicht. Ob sie jemals neues Grün austreiben, wenn die Welt „nach der Krise“ eine andere sein wird?

Es wird Frühling. Das ist schon die einzige Nachricht der Erheiterung am heutigen Donnerstag. Die Presse macht sich auf die Suche nach den Schuldigen für dieses Desaster, was sich da gerade Bahn in die Zeilen bricht. Video Ein paar Blicke nach rechts und links geworfen, findet man Schuldige, zumindest glaubt man, auf der richtigen Fährte zu sein. Ich bin mir da nicht so sicher, ob nur die Banker eine Schuld tragen. Also schaue ich mich nochmal um…

Die armen Banker. Die meisten gerieten in eine Mühle, in der Gewinne die Norm und das Maß waren – egal, wie sie beigeschafft werden konnte. Die Anweisungen kamen von oben. Angestellte hatten sie auszuführen. Oft regierte die Angst vor dem Versagen, denn der Nachbar am Schreibtisch war vielleicht noch erfolgreicher. Und solange es lief, machte es vielleicht sogar Spaß. Am Abend klopfte man sich beim Bier auf die Schulter, fuhr ein nettes Auto und gab Geld aus, das als Bonus bald wieder auf dem Konto bald landen würde. „Es steht uns für unsere Leistung zu“, war heute in einem Beitrag auf n-tv zu hören. Die Welt war so einfach. Man fühlte sich besser, war es aber nicht. Und heute boomt die Branche der Psychologen.

Ich bin mir da nicht so sicher, ob die Banker die alleinige Schuld tragen, doch die Volksseele kocht, wenn sie es überhaupt mitbekommt. Ein perfekt funktionierendes System landet gerade auf dem Allerwertesten. Das Fernsehen zeigt die Bilder, die Zeitungen werfen mit Buchstaben. Der Heiligenschein, mit Geld umgehen zu können, schaltet gerade das Licht aus. Großmütter waren die bessere Anlageberater. Ein Holzweg wird als dieser erkannt, und die Götter werfen mit Steinen. Banker haben es nicht leicht, vor allem, wenn die Einnahmen wegbrechen und die privaten Kredite drücken und manch Finanzexperte jetzt auch noch zum Nachdenken kommt.

Doch wer hat ihnen diesen Weg geebnet? Das waren ganz andere Adressen. Die einen stellten das Geld billig zur Verfügung, die anderen Adressen schufen den gesetzlichen Rahmen für diese Spekulationen. Und dazwischen wurden oft unter Druck „Leistungen“ in einer Menge erbracht, dass das britische BIP zu 20% von dieser „Finanzindustrie“ abhängt.

Das Wort „Industrie“ scheint etwas de-platziert zu sein. Man hat heiße Luft produziert, und keine Werte, schreibt der Guardian. Diese heiße Luft verflüchtigt sich gerade in den noch etwas kühlen Frühlingswinden, in denen die Platanen etwas gerupft aussehen. Zumindest die Götter haben ihren Spaß dabei. Und auch die der selbsternannten Sorte…

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