Auf Zypern…

3. November 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bill Bonner

Was ich auf Zypern tue? Ich habe meine Frau hierhin gebracht für ein paar Tage Urlaub. Und außerdem wollte ich den Ort sehen, an dem Solon starb. Ob Solon – der große griechische Gesetzgeber – auf Zypern starb oder nicht, ist umstritten. Und was er auf Zypern tat, weiß man nicht. Aber Herodot sagt, dass der Körper von Solon „von zypriotischem Feuer verzehrt wurde“…

Deshalb ist Zypern wohl der Ort, an dem Solon wieder zur Asche wurde. Solon war in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts v. Chr. mit den Amtsgeschäften Athens betraut. Damals – wie heute – hatten die Athener Probleme. Sie schuldeten anderen zu viel Geld. Die Schuldenlast war so groß, dass die Wirtschaft davon regelrecht erdrückt wurde.

Aber Solon war kein feiner Pinkel.

„Die Athener hatten die Angewohnheit, unangenehme Aspekten des Lebens erfreuliche Namen zu geben“, schrieb Plutarch sinngemäß. „Sie nannten Prostituierte Mätressen, Steuern wurden Kontributionen genannt, Garnisonen Wächter und das Gefängnis war eine Residenz.“

Deshalb organisierte Solon laut Aristoteles ein „Abschütteln der Lasten“. Solon „führte eine Annullierung der Schulden durch, sowohl der privaten als auch der öffentlichen…was das Gewicht, das diese mit sich brachten, abschüttelte.“

Das Problem mit den heutigen Solons ist, dass diese nicht das Gewicht, das auf dem Land lastet, abschütteln. Es wird noch mehr Gewicht hinzufügt. Das Problem in Europa sind die Staatsschulden. Aber jede Regierung in der EU fügt den bestehenden Schulden immer noch weitere hinzu.

Und wahrscheinlich an Halloween werden die USA den Punkt überschreiten, an dem die Staatsverschuldung größer als 100% des BIP sein wird. Zuletzt lag das jährliche Haushaltsdefizit bei rund 1,5 Billionen Dollar.

Wenn wir Amerikaner wirklich in die Fußstapfen Japans treten werden – und ich denke, das wir das tun -, dann werden wir eine nochmalige Verdoppelung der Staatsschulden in den nächsten 7-10 Jahren sehen.

Aber Moment. Japan hat einen Vorteil. Es hat keine großen militärischen Ausgaben. Die USA hingegen geben für ihre Kriege und das sich-einmischen-im-Ausland mehr als eine Billion Dollar pro Jahr aus. Es kostet eine Million Dollar pro Jahr, einen einzigen Soldaten in Afghanistan zu haben, inklusive der ganzen Logistik. Diese Ausgaben könnten gekürzt werden, ohne dass es in den USA selbst große Schmerzen dadurch geben würde.

Aber Imperien ziehen sich nicht zurück. Ganz bestimmt taten die Griechen das nicht. Nachdem Solon das Schuldenproblem gelöst hatte, ging es weiter, die Griechen waren zurück im Geschäft und zurück in den Schulden. Das ist der Grund, warum ein großer Teil der Geschichte Zyperns die Geschichte von einem griechischen Scheitern nach dem nächsten ist.

Manchmal kämpften die Athener gegen die Perser und die Phönizier. Manchmal kämpften sie gegen andere Griechen. Manchmal kämpften sie gegen die Zyprioten. Manchmal kämpften sie zusammen mit den Zyprioten. Wie die Amerikaner hatten sie überall im Mittelmeer Truppen…und sie schufen sich Feinde, wo immer sie dies wollten.

Eine Stelle wurde entdeckt, welche die Namen der Athener vom Erechtheid-Stamm auflistete, die in den Jahren 459-458 v. Chr. gefallen waren.

„Vom Erechtheid-Stamm sind dies die, welche im Krieg starben, in Zypern, Ägypten, in Halieis, in Aegina, bei Megara….“ Die Inschriften bestehen aus den Namen von 177 Soldaten.

Athen gab nicht auf. Es ging vorwärts, bis Athen zu weit gegangen war. 431 v. Chr. hielt Perikles eine Rede, die von der Art war, welche Mitt Romney zuletzt gegeben hatte. (Kein Präsidentschaftskandidat kann offen darüber reden, dass er den Prozess des Rückgangs/Rückzugs gestalten möchte…das wäre politischer Selbstmord.)

Perikles pries die Vorfahren für ihre Leistungen. Dann versprach er, Kurs zu halten:

„Man kann sich nicht der Lasten eines Imperiums entledigen und erwarten, dennoch die Ehren desselben zu behalten.“

Er hätte damals den Rückzug einleiten sollen. Aber unter seiner Führung machte Athen weiter mit seinen Kriegen gegen fast jeden… bis die Spartaner eine Invasion begannen, die Stadt Athen eroberten und das Volk versklavten. Perikles starb an einer Seuche.

Erwarten Sie auch nicht, dass sich die USA zurückziehen werden.

Als der Verteidigungsminister Leon Panetta mit Haushaltseinsparungen in seinem Bereich konfrontiert wurde, da reagierte er nicht mit Nachdenken, sondern mit Dummheit. Kürzungen bei den Verteidigungsausgaben wären „eine Katastrophe“. Wir würden „uns selbst in den Kopf schießen“, so Panetta weiter.

Das wären die Auswirkungen, wenn die USA nur so viel ausgeben würden für ihr Militär wie der Rest der Welt zusammen.

Die Leute, die auf die Bremse treten wollen, seien wie die Nazis bei Bastogne, die General Patton zur Kapitulation aufforderten. „Nuts“, antwortete er nur. Die Höhe der Staatsausgaben ist nicht mehr tolerierbar.

Die bewaffneten Zombies im Verteidigungsministerium werden aber keine Kürzungen erlauben.


Quelle: Kapitalschutz Akte
Auf Zypern… (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

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Ein Kommentar auf "Auf Zypern…"

  1. wolfswurt sagt:

    Gibt es auf der Welt einen Ort an dem das Kreditgeldschöpfungssystem nicht existiert?

    Es existiert in allen Ländern die sich zivilisiert nennen.

    Schuld auf Schuld was soll daran zivilisiert sein?

    Und erst recht , wenn man das Ende bedenkt…

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