Auf den Euro-„Boom“ folgt der Euro-„Bust“

7. Mai 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit – Die wirtschaftliche Misere im Euroraum kann mit bestechender Klarheit erklärt werden – und zwar mit der „Zirkulationskredittheorie“, die Ludwig von Mises (1881 – 1973) erarbeitet hat. Der Begriff „Zirkulationskredit“ bezeichnet den Bankkredit, durch den neues Geld (nachfolgend als „Umlaufsmittel“) gewissermaßen „aus dem Nichts“ geschaffen wird…..

Mises‘ Zirkulationskredittheorie, die bereits im Jahr 1912 formuliert wurde, zeigt, dass auf den anfänglichen „Boom“, den die Vermehrung der Euro-Geldmenge durch Zirkulationskredite herbeigeführt hat, der „Bust“, die Rezession-Depression folgen muss.

Üblicherweise soll die Rezession-Depression (mit allen Mitteln) aber verhindert werden – vor allem mit noch mehr Kredit, mehr Geld und einer de facto Nullzinspolitik. Mises‘ Zirkulationstheorie zeigt, wohin das führen wird. Die wirtschaftlichen (und politisch-sozialen) Probleme werden auf diese Weise jedoch nicht gelöst, sondern sie werden vielmehr noch verschlimmert.

Mises‘ Zirkulationstheorie entlarvt den Kreditgeld-Euro als Verursacher einer aktuellen Krise – das erschließt sich aus dem nachstehenden Beitrag, der Auszüge zeigt aus Mises‘ Buch Nationalökonomie, Theorie des Handelns und Wirtschaftens, 1940, Vierter Teil, 7. Kapitel, IX. Die Marktwirtschaft im Wechsel der Konjunktur, S. 521 – 526.

Nationalökonomie: Theorie des Handelns und Wirtschaftens

Im Lichte der Zirkulationskredittheorie ist der Konjunkturwechsel das Ergebnis der immer wieder neu einsetzenden Bestrebungen, durch Kreditausweitung die Bedingungen, zu denen Gelddarlehen erhältlich sind, für die Kreditsuchenden günstiger zu gestalten. Der zusätzliche Zirkulationskredit bewirkt Kapitalfehlleitung. Will man die Kreditausweitung endlos fortsetzen, dann bricht das Umlaufsmittelsystem, das ihr dient, zusammen.

Man verkennt das Wesen der Konjunkturveränderungen, wenn man, wie es nahezu allgemein üblich ist, im aufsteigenden Ast eine normale oder gar wohlfahrtsfördernde Erscheinung und im Abstieg die Störung befriedigender Entwicklung sehen will. Schon die gangbaren Ausdrücke, z. B. Aufschwung und Niedergang, gute und schlechte Konjunktur, sind irreführend. Das, was man als Anstieg der Konjunktur bezeichnet, ist ein Zustand, in dem Produktionsmittel Verwendungen, in denen sie dringlichere Bedürfnisse der Verbraucher befriedigen konnten, entzogen werden, um der Durchführung von Plänen, für die der verfügbare Produktionsmittelbestand nicht hinreicht, zugeführt zu werden. Wenn man den Ausdruck «Störung» gebrauchen will, dann hatte man im Aufschwung die Störung des Marktgetriebes zu erblicken und im Niedergang den Prozess der Anpassung an die gegebenen Bedingungen und der Wiederherstellung des «normalen» Zustandes, in dem das Marktgetriebe die Produktion so lenkt, dass die Produktionsmittel der Befriedigung der dringlichsten Bedürfnisse der Verbraucher in der zweckmassigsten Weise dienstbar gemacht werden.

Als Abstieg der Konjunktur bezeichnet man die Wiederanpassung der Produktion an die durch den Stand der verfügbaren Produktionsmittel und die Wertungen der Verbraucher gegebene Marktlage. Diese Ausdrucksweise und die lauten Klagen, die diesen Prozess zu begleiten pflegen, geben ein falsches Bild. Der Abstieg der Konjunktur ist fortschreitende Annäherung der Produktion an einen Zustand, in dem sie den Bedürfnissen der Verbraucher so gut, als es die Verhältnisse gestatten, und jedenfalls besser entspricht als auf dem Scheitelpunkt der Konjunktur, an dem der Abstieg beginnt. Der Aufstieg war Kapitalfehlleitung und daher Kapitalverminderung und wirtschaftlicher Rückschritt, der Abstieg ist wirtschaftlicher Fortschritt in dem Sinne, dass er die vorhandenen Produktionsmittel den Verwendungen zuführt, in denen sie dem Verbrauch die besten Dienste zu leisten vermögen. Wer über die Vorgänge auf dem Markte und die Produktionsverschiebungen, die der Abstiegt bringt, klagt, klagt darüber, dass ihm Illusionen genommen werden und dass er nun die Dinge so sehen muss, wie sie sind. Der Abstieg vernichtet nicht Werte, er wertet nur illusionsfrei und nüchtern. Was man als die Übel des Konjunkturniedergangs ansieht, ist das Gewahrwerden der Folgen des durch die Kreditausweitung vorgetäuschten Aufstiegs.

Die Anpassung der Wirtschaft an die gegebenen Verhältnisse vollzieht sich nicht mit einem Schlage. Die Wirte gelangen nicht mit einem Male zur Erkenntnis der Sachlage, sie halten noch durch einige Zeit an manchen der Irrtümer fest, die die Kreditausweitung hat entstehen lassen. Man trennt sich schwer von Illusionen. Je grösser die psychischen Widerstände sind, die der zutreffenden Erfassung der Marktlage entgegenwirken, desto langsamer geht der Anpassungsprozess von statten. Über die Dauer, die er benötigt, lässt sich keine nationalökonomische Aussage machen.

Man hat daher immer im Verlaufe des Konjunkturabstiegs neue Kreditausweitung als Heilmittel empfohlen. Die Krise, meinte man, sei eine Deflationserscheinung; man müsse sie bekämpfen, indem man die Deflation durch entsprechend grosse Inflation kompensiert. Es ist falsch, die Krise selbst als Deflationserscheinung anzusehen. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass der Umschlag der Konjunktur durch Einstellung der weiteren Ausgaben zusätzlicher Umlaufsmittel bewirkt wurde.

Wahrscheinlich hatte der Aufschwung noch für einige Zeit verlängert werden können, wenn die Banken ihre Kreditausweitungspolitik fortgesetzt hätten. Doch endlos hätte man den Aufschwung der Konjunktur durch Festhalten an der Kreditausweitung nicht verlängern können. Früher oder später muss es zum Zusammenbruch des durch die Kreditausweitung ausgelösten Aufschwungs kommen, und der Anpassungsprozess, den man Niedergang der Konjunktur nennt, wird umso schmerzlicher sein und umso mehr Zeit beanspruchen, je länger die Kreditausweitung fortgesetzt worden war und je grösser der Umfang der durch sie bewirkten Kapitalfehlleitung gewesen ist… (Seite 2)

 

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