Auf dem Weg zur Euro-Rettung

10. September 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Manfred Gburek

Als am Freitag der Rücktritt von EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark bekannt wurde, purzelten die Aktienkurse noch mehr, als sie in den Stunden zuvor ohnehin schon gefallen waren – zu viel der Ehre für den Kämpfer gegen den Kauf von Anleihen durch die EZB, denn die kommt auch ohne ihn zurecht…

Axel Weber hatte sein Amt bei EZB und Bundesbank bereits vor Stark niedergelegt und anschließend einen sicher nicht zu knapp dotierten Posten bei der Schweizer Großbank UBS bekommen. Stark wird es ähnlich ergehen, so sind nun mal die ungeschriebenen Gesetze, wenn jemand Karriere machen will: Erst anecken, dann einen medienwirksamen Absprung schaffen, am Ende den Karrieresprung versilbern lassen.

Der nächste Kandidat: Der demnächst scheidende EZB-Chef Jean-Claude Trichet. Er fuhr während der jüngsten Pressekonferenz aus Anlass der Zinsentscheidung – alles bleibt beim Alten – wieder einmal aus der Haut. Man möge die EZB doch endlich zu 13 Jahren Preisstabilität beglückwünschen, erwiderte er auf die Frage, ob der Kauf von Anleihen durch die oberste europäische Währungshoheit nicht doch zu sehr an deren Glaubwürdigkeit zweifeln lasse.

Wir werden uns an solche Wutausbrüche von Seiten des EZB-Chefs gewöhnen müssen. Im Bundestag sind sie inzwischen ja gang und gäbe – allerdings mit dem Unterschied, dass dort Polemik vorherrscht. Es gibt eine ganze Reihe von Ursachen für die wachsende Gereiztheit. Die zurzeit wichtigste ist, dass weder Politiker noch Zentralbanker bei der Lösung der komplexen Probleme – Staatsschulden, Rezessionsgefahr, Euro-Durcheinander, Pattsituation in den USA usw. – nicht von der Stelle kommen. Stattdessen kurieren sie mal hier, mal da an den Symptomen.

Die Folgen sind an den Märkten abzulesen: Während die Aktienkurse fallen, steigen die Kurse der Bundesanleihen immer noch, obwohl sie nur erbärmliche Renditen bringen. Zur Abwechslung geht mal wieder der Euro gegenüber dem Dollar in die Knie, obwohl der Vergleich der Konjunktur in Europa und in den USA dagegen spricht. Die Schweiz hat zwar einen Versuch unternommen, den Franken ach seinem Höhenflug gegenüber dem Euro zu bändigen, aber der nachhaltige Erfolg dieser Maßnahme steht in den Sternen. Derweil sorgen potente Großanleger durch das Streuen von Gerüchten zusätzlich für Unruhe, um vom Auf und Ab zu profitieren. Das macht sich jetzt nicht mehr allein in hektischen Kursbewegungen an den Aktien- und Devisenmärkten bemerkbar, sondern auch beim Goldpreis.

Solange diese Entwicklung andauert, bleiben die Trends erhalten, knicken also die Aktienkurse zunächst weiter ein, geben die Kurse der Bundesanleihen kaum Terrain preis und nimmt der Goldpreis so lange Anlauf nach oben, bis er über das bisherige Hoch hinaus steigt. Dagegen sind bei den Währungen bis auf Weiteres keine eindeutigen Trends auszumachen.

Die zum Teil emotional geführte Diskussion über Eurobonds ist derweil in den Hintergrund getreten. Das wird nicht so bleiben. Denn unter welcher Bezeichnung auch immer sie eines Tages zur Realität werden, ist eine Frage der Zeit – allerdings einer sehr langen Zeit, weil es zuerst gilt, große rechtliche Hürden zu überwinden… (Seite 2)

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7 Kommentare auf "Auf dem Weg zur Euro-Rettung"

  1. konnt_ja_keiner_ahnen sagt:

    Was interessiert die Gang um Frau M. schon die Aktienkurse? Oder die Kreditvergabe an Unternehmen? Oder irgendetwas anderes als die eigene Macht?
    Nix. Wie man seit heute morgen weiß, wo Herr Schäuble als hauptamtlicher Eurogruppen-Chef in Stellung gebracht wird. Mehr Kompetenzen nach Europa? Der Euro und die dortigen Strukturen um jeden Preis? Jetzt wissen wir, warum! Diese Meldung kurz nach dem Urteil aus Karlsruhe und dem Rücktritt von Jürgen Stark. Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht.
    Der Nachfolger, wenn sich der ungewählte(!) Eurogruppen-Chef Schäuble dann in 1-2 Jahren aus gesundheitlichen Gründen zurückzieht, dürfte auch schon feststehen. Es wird eine Nachfolgerin.
    Und mir ist ein bisschen schlecht. Grad so wie Herrn Meyer gestern.
    Sorry, dass das nun ein bisschen off-topic war, aber es musste raus.

  2. wolfswurt sagt:

    1982 war die USA in einer etwas stabileren Verfassung.
    Die damalige Garantie würde wohl heute niemand mehr Glauben.

    Frage ist doch: Wer soll am Ende als Retter stehen?

    Ein Rettungsversuch kann bekanntlich auch schiefgehen.

    Es gibt für einen inneren morschen Zustand nur einen Weg: Zusammenbruch des morschen Gebildes!

    Auf eine W-Formation zu hoffen ist verständlich.

    Einen noch tieferen Absturz auszuschließen wäre törricht.

    • Skeptiker sagt:

      Kannst du genaueres sagen, was für eine Garantie die Amerikaner 1982 abgegeben haben. Denn genau in diesem Jahr startete einer der längsten Bullenmärkte für Aktien. Gold hatte ja gleich Anfang 1980 getoppt, also deutlich eher als der Aktienbullenmarkt startete.
      Danke!

      • wolfswurt sagt:

        Es ging um die Brady-Bonds die im Artikel erwähnt werden.

        Mußt Du mal googeln.

        Dieser Weg den Gburek für die griechische Situation für möglich hält, läßt die Situation der heutigen „Retter“ gegnüber der damaligen Situation der USA außer acht.

        Alle „Retter“ sind bei ehrlicher Bilanzierung der Haushalte unter Wasser wie es so schön im Bankendeutsch heißt.

  3. DonTrader sagt:

    Euro? Eurorettung?
    Der alte Euro a la DM ist begraben, ein neuer Euro a la Lira wird uns nun beglücken.

    Eine in den Südstaaten über Jahrzehnten gewachsene Kultur der Inflation, war in der kurzen Zeit des Euro einfach nicht zu überwinden.

    Hierzu ein schönen Artikel aus den 80igern von Zeit-Online:
    http://www.zeit.de/1985/08/italien-geschoente-statistik/seite-1

    „… Die schwere Lira wäre mehr wert als die deutsche Mark“, frohlocken schon jetzt Kommentatoren, wobei sie das heutige Tauschverhältnis der beiden Währungen zugrunde legen; …

    … Aber wenn Italien weiterhin zehn Prozent Inflation im Jahr hat und die Preise in der Bundesrepublik nur um zwei bis drei Prozent steigen, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Lira gegenüber der D Mark wieder unter den Strich abrutscht. …

    … Italien ist jetzt in einer solch schwierigen Lage. Die deutsche Mark ist gegenüber der Lira im letzten Jahr nicht teurer geworden. …

    … Deshalb kamen weniger deutsche Urlauber ins Land. Auch Italiens Modeindustrie, die Schuhhersteller und die Investitionsgüterproduzenten sehnen eine Abwertung der Lira herbei. …“

  4. stonefights sagt:

    „Eurobonds“ im Sinne von „Transferunion“ ist doch schon offiziell !?
    Wer den ESM-Entwurf (rottmeyer.de/wp-content/uploads/2011/09/Entwurf_Vertrag_ESM.pdf) mal durcharbeitet, hinterfragt dies nicht mehr als zukünftig Mögliches…
    lg, stonefights

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