Auf dem Weg in den Finanz-Sozialismus

29. September 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Ein Thema, das mit rasender Geschwindigkeit auf Deutschland zurollt, ist neben dem Flüchtlingsproblem die Finanzlücke im Alter, oft allzu vereinfacht und meistens falsch als Altersarmut interpretiert. Das Schlimme daran: Es spielte im Wahlkampf wegen seiner Komplexität nur eine Nebenrolle…

Lassen wir deshalb zunächst den Finanzplaner-Verband FPSB mit erschreckenden Fakten zu Wort kommen:

„Bedenken sollte man beispielsweise, dass die Lebenserwartung aufgrund der immer besseren medizinischen Versorgung steigt. Die höhere Lebenserwartung ist jedoch in den Köpfen der Menschen noch gar nicht richtig angekommen. Das zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Initiative ‚7 Jahre länger‘. Männer denken demnach, dass sie im Schnitt 77,4 Jahre alt werden. Tatsächlich aber beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung laut der Generationensterbetafel des Statistischen Bundesamts 84,7 Jahre. Noch schlechter schätzen sich Frauen ein. Sie erwarten, im Schnitt 80,8 Jahre alt zu werden. Die tatsächliche Lebenserwartung liegt jedoch bei annähernd 88,7 Jahren.“

Nun sollte man meinen, dass Pläne, die helfen, dieses Dilemma zu beseitigen, bereits längst in den Schubladen der zuständigen Berliner Ministerien für Soziales, Finanzen und Wirtschaft liegen und nur darauf warten, nach der Wahl realisiert zu werden. Solche Pläne gibt es tatsächlich – doch oh Graus, in ihrem harten Kern stammen sie von der Finanzlobby. Womit klargestellt ist, dass die private Vorsorge fürs Alter, sieht man von Immobilien ab, durch die nächste Bundesregierung überwiegend provisionsgetriebenen Geldanlage-Kollektiven überlassen wird, seien es Lebensversicherungen, Fondssparpläne, Riester- oder Rürup-Renten.

Dahinter steckt vonseiten der Politiker und ihrer Einflüsterer aus der Finanzlobby der perfide Gedanke, dass deutsche Sparer fertige finanzielle Lösungen vorgesetzt bekommen sollen, statt individuell fürs Alter vorzusorgen. Seine Umsetzung in die Praxis fällt umso leichter, je länger die Zinsen bei Null verharren und je größer die vermeintliche Rentenlücke zu werden droht. Derart gelenkt, befindet sich Deutschland auf dem Weg in den Finanz-Sozialismus.

Dem können Sie allerdings entgehen: Indem Sie neben der gesetzlichen Rente, die entgegen der Meinung ihrer Kritiker noch über Jahre hinaus sicher sein wird, individuell Vermögen aufbauen. Zur Sicherheit der Rente nur noch dies: Da die Deutschen, wie eingangs beschrieben, im Durchschnitt immer älter werden, traut sich kein Politiker, die gesetzliche Rente infrage zu stellen, geschweige denn, sie zu kürzen. Das sagt zwar noch nichts darüber aus, wie sie in Zukunft finanziert wird. Aber wenn die zunehmende Finanzierung aus Steuergeldern schon bisher immer wieder geklappt hat, dürfte dies auch in den kommenden Jahren gelingen.

Wie soll man individuell Vermögen aufbauen? Vorab: Indem Sie keiner Verallgemeinerung trauen, sei es die nachhaltige Wertsteigerung von Immobilien, sei es das Cost Averaging (Durchschnittskosten-Prinzip) mit Aktienfonds, seien es Indexfonds (ETF) oder Finanzprodukte mit irgendwelchen eingebauten Garantien. Gehen Sie stattdessen von Ihren persönlichen Daten und individuellen Zielen aus. Beschäftigen Sie sich so früh wie möglich mit Immobilien, aber vorrangig mit solchen, die sich an Top-Standorten befinden und für Ihren persönlichen Bedarf infrage kommen. Auch Aktien und Gold sollten Sie frühzeitig ins Visier nehmen, am besten als Direktanlage und mittel- bis langfristig ausgerichtet, um das Timing berücksichtigen und Fehler ausbügeln zu können. Verstehen Sie diese Ratschläge bitte nicht als Empfehlung für den sofortigen Kauf – dafür sind die deutschen Immobilienpreise und zum Großteil auch Aktien schon zu teuer –, sondern als Anregung, sich rechtzeitig mit diesen Anlageklassen zu beschäftigen, um ein Gefühl für sie zu bekommen.

Wahrscheinlich werden Ihnen viele Menschen im Lauf der Zeit Tipps geben, wie Sie Ihr Geld anlegen sollten. Handelt es sich um Anlageberater, Versicherungsvertreter, Immobilienmakler, Herausgeber von Börsendiensten oder sonstige vermeintliche Profis, sollten Sie besonders vorsichtig sein. Denn meistens will man Ihnen einfach nur etwas verkaufen. Sinnvoller sind Diskussionen über Geld mit Familienangehörigen und gleichgesinnten Freunden, ergänzt um das Verfolgen von Immobilienpreisen, Aktienkursen, Zinsen, Goldpreisen und politischen Ereignissen.

Das alles verschlingt sehr viel Zeit. Doch die sollten Sie sich unbedingt nehmen, weil sonst die Gefahr besteht, dass Sie im Alter verarmen. Bei diesem Stichwort möchte ich nur noch erwähnen, dass Sie den Übergang ins Rentenalter – egal, ob mit 60, 70, 80 oder noch mehr Lebensjahren – besonders gründlich planen sollten. Das heißt, bis dahin muss Ihr Geld gestreut und so angelegt sein, dass Sie möglichst hohe laufende Einnahmen haben.

Fondsdschungel und Volksbeglückung

Eine Branche im Geldrausch: „Fonds sammeln im Juli 9 Milliarden Euro ein“, frohlockt ihr deutscher Branchenverband BVI. Seit Jahresbeginn summieren sich die Zuflüsse auf über 85 Milliarden Euro – Peanuts aus Sicht der ETFs, wie börsengehandelte Indexfonds heißen, denn sie sackten nach Angaben der Beratungsfirma ETFGI in derselben Zeit mehr als 391 Milliarden Dollar ein, entsprechend rund 350 Milliarden Euro.

Solche Zahlen regen zum Nachdenken an: Einerseits darüber, ob ETFs besser abschneiden als gemanagte Fonds – eine Streitfrage, die überwiegend von der Fondsbranche diskutiert wird. Zum anderen darüber, ob die kollektive Geldanlage mittels Fonds wirklich das Gelbe vom Ei ist – ein Thema, das sich offenbar jeglicher Diskussion entzieht, obwohl es aus Anlegersicht von eminenter Bedeutung ist.

Hierzu stehen sich zwei Meinungen gegenüber: Die Fondsbranche – egal, ob es sich um ETFs oder um gemanagte Fonds handelt – argumentiert überwiegend mit dem Hinweis auf die Risikostreuung, nach dem Postulat, man solle nicht alle Eier in einen Korb legen. Dagegen behaupten die Befürworter der Direktanlage, diese sei allein schon wegen ihrer Flexibilität der Fondsanlage überlegen. Das heißt, Anleger könnten beispielsweise Aktien von heute auf morgen komplett verkaufen, wohingegen Fondsmanager für ihre Verkäufe je nach Fondsvolumen mehrere Wochen oder sogar Monate benötigten.

Damit ist das Thema Direktanlage kontra Fonds allerdings längst noch nicht abgehakt, im Gegenteil, bei näherer Betrachtung tun sich ganz neue Welten auf. Es geht ja um die strategische Geldanlage, und die hat etwas mit der spezifischen Lebenssituation, mit den Wünschen und Zielen von Anlegern zu tun. Welchen Platz hierbei Fonds einnehmen (falls überhaupt), das zu entscheiden, ist Sache der Anleger, also weder der Fondsmanager noch der auf das Verkaufen von Fonds getrimmten Anlageberater. Nicht von ungefähr heißt es in der Finanzbranche treffend: Fonds werden nicht gekauft, sondern verkauft.

Der eingangs zitierte Branchenverband BVI unterscheidet zwischen mehreren Fondsarten, davon allein elf, die zu den offenen Publikumsfonds gehören. Das mit Abstand größte Volumen vereinigen Aktien-, Misch- und Rentenfonds auf sich. Neben den Publikumsfonds sind während der vergangenen Jahre Spezialfonds wie Pilze aus dem Boden geschossen; sie haben von ihrer Größe und Bedeutung her längst die Publikumsfonds übertroffen. Alle vom BVI erfassten Fonds bringen es auf ein Volumen von 2,9 Billionen Euro.

Da fragen sich Anleger unwillkürlich: Wie soll ich mich in diesem Fondsdschungel zurechtfinden? Plausible Antwort: Es erst gar nicht versuchen. Wenn dieser Dschungel aber undurchdringlich erscheint und Anlageberater nicht als Dschungelführer infrage kommen, weil sie Fonds verkaufen, statt Anleger zu beraten, muss das Fazit erlaubt sein: Das Heft selbst in die Hand nehmen und jede Anlage – egal, ob auf dem Tagesgeldkonto, in Aktien, Immobilien oder Edelmetallen – an die eigenen Wünsche und Ziele anpassen.

Dazu gehört zweifelsohne sehr viel Disziplin. Aber die zahlt sich aus. Das ist wichtig, weil nach der Wahl – ganz gleich, wie sich der neue Bundestag zusammensetzen und welche Koalition regieren wird – zunächst verwirrende Vorschläge in Sachen Altersvorsorge, Rente, Abgeltungsteuer u.a. auf den Tisch kommen dürften. Die neue Bundesregierung wird schnell die Initiative ergreifen, um eine noch umfangreichere Volksbeglückung (oder was sie dafür hält) als bisher zu realisieren.

Bewahren Sie sich also in Sachen Geld so viel Freiheit wie möglich; das ist ganz besonders bezüglich der Altersvorsorge wichtig. Denn hierbei geht es um einen Ansparprozess, der sich über viele Jahre hinzieht. Die eine oder andere falsche Weichenstellung im Alter von 30 oder 40 Jahren, und schon reicht das Geld im Alter von 70 oder 80 Jahren nicht mehr aus.

Besonders schlimm ist, dass ausgerechnet Politiker Ihnen dabei in die Quere kommen. Denn sie haben das paternalistische Prinzip auf ihre Fahnen geschrieben, das heißt, sie wollen Ihnen das kollektive Zwangssparen aufs Auge drücken. Guter Rat zum Schluss: Nehmen Sie die dann anfallenden staatlichen Geschenke mit, aber sorgen Sie soweit wie möglich privat vor.

Manfred Gburek – Homepage

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