Auch das noch…. Steinbrück soll Bankmüll kaufen

29. Dezember 2008 | Kategorie: Kommentare

Der Bankenverband wünscht Aufkauf kritischer Papiere durch SoFFin, das die Botschaft am 2. Weihnachtsfeiertag. Na prima, denkt sich der Laie, der Fachmann wundert sich. Wieviel darf es denn diesmal sein? Billionen?

Kennen Sie Manfred Weber? Nein? Das ist der geschäftsführende Vorstand vom Bankenverband mit einer klitzekleinen Forderung, bzw. einer Idee, pünktlich nach der Bescherung…

Der Bankenverband hat einen Aufkauf kritischer Wertpapiere aus den Bankbilanzen durch den staatlichen Rettungsfonds SoFFin angeregt. «Die Banken haben noch immer Papiere in ihren Bilanzen, deren Wert aufgrund aktueller Marktentwicklungen gegebenenfalls korrigiert werden muss», sagte der geschäftsführende Vorstand Manfred Weber dem «Tagesspiegel».

Nachdem die Gewinne privatisiert worden sind, soll der Bürger für die Verluste aufkommen. Das schlägt dem Tannenbaum die Äste aus. Morgen kommt der Einzelhandelsverband und fordert den Aufkauf der übriggebliebenen Lichterketten und Weihnachtsengel durch einen zu gründenden Hilfsfonds RDJ (Rettet die Jahresinvestur). Gleichzeitig meldet sich der Verband der Glühweinverkäufer und Christstollenproduzenten in Personalunion der Lebkuchenmänner und -frauen und stellt ähnliche Rückführungsforderungen. Und auch die Osterware sucht bald noch Platz unterm Rettungsschirm..

Um aus dieser Negativ-Spirale herauszukommen, wäre zu überlegen, die kritischen Papiere aus den Bankbilanzen auszugliedern, zum Beispiel indem der Stabilisierungsfonds SoFFin sie aufkauft. Dann wäre diese Unsicherheit beseitigt», wurde Weber zitiert. Einen solchen Weg sei Schweden in den 90er Jahren gegangen, und das Beispiel zeige, dass dem Staat dadurch nicht unbedingt ein Verlust entstehen müsse.

Einen kleinen Unterschied gibt es zu Schweden schon, Herr Weber. Damals hat die Welt global geboomt. Hier konnte Schweden über die Abwertung der Krone Vorteile bekommen. Zudem war die weltweite Nachfrage im Steigen begriffen, im Gegensatz zur heutigen Situation. Schweden kann isoliert betrachtet werden, doch die heutige Situation ist eher global zu sehen, und obendrein das Ergebnis der weltweiten Verschuldungsorgie.

Weber wehrte sich gegen Vorwürfe aus Politik und Unternehmen, die Banken würden die Kreditvergabe zu sehr einschränken. Ihnen werde vorgehalten, die Konjunktur abzuwürgen, was aber nicht stimme: «Es mangelt im deutschen Bankensystem weder an der Fähigkeit noch an dem Willen, Kredite zu vergeben.» Die unsichere konjunkturelle Lage mache es aber notwendig, dass Banken die Risiken im Blick behielten. «Ein zu leichtfertiger Umgang mit Risiken war letztlich einer der Auslöser der Krise

Hier steht Aussage der Politik und Unternehmen gegen die Aussage von Herrn Weber. Wer hat wohl recht? Und wer sitzt in bezug auf Krediten am längeren Hebel? Die Unternehmen?

Der Bankenpräsident gestand auch Fehleinschätzungen seiner eigenen Branche ein. «Dass wir Fehler gemacht haben, das hätte früher und von mehr Kollegen öffentlich gesagt werden können.» So hätten die Banken Anlageprodukte vertrieben, ohne sich gut zu überlegen, ob die Menschen diese verstünden. Die Finanzkrise sei aber nicht vorhersehbar gewesen. «Und jeden, der das heute behauptet, den bezichtige ich der Unwahrheit. Keiner hat den Riecher gehabt», sagt Müller.

Schnell mal gegoogelt, finden sich etliche, die man jetzt der Unwahrheit bezichtigen könnte. Sie haben es vorhergesagt. Selbst als ich damals noch bei Bloomberg moderierte, gab es genügend Gesprächspartner, die sich wegen der ausufernden Kredite Sorgen machten (Thorsten Polleit, Barclays Capital, Marc Faber, Folker Hellmeyer (Bremer Landesbank) und Martin Hennecke (Bridge-Water) seien hier nur genannt.

07.10.2006 ( Handelsblatt )
Anleger-Legende Warren Buffett sieht in Derivaten „finanzielle Massenvernichtungswaffen“ der Neuzeit. Und Buffett ist mit seiner Kritik am ungezügelten Wachstum dieses Marktes nicht allein. Auch bei den Aufsichtsbehörden nimmt die Sorge zu, dieses ungebremste Wachstum könnte an den Säulen des globalen Finanzsystems rütteln und die Welt ins Wanken bringen.

28.06.2005 – Handelsblatt

Laut BIZ begünstigen die niedrigen Zinsen die immer wiederkehrenden Phasen des „Booms und Zusammenbruchs“ bei Krediten, Preisen von Vermögenswerten und Investitionen. Derzeit baue sich ein solcher Boom weltweit bei Wohnimmobilien auf. „In den meisten Industrieländern – ebenso wie in vielen aufstrebenden Volkswirtschaften, einschließlich Chinas und Koreas – ist der Markt für Wohneigentum überhitzt“, warnen die Baseler Experten. In der Vergangenheit sei das plötzliche Ende eines solchen Booms in praktisch allen Fällen von konjunkturhemmenden Umständen begleitet worden.

26.10.2005 – Handelsblatt
Die Vorboten sind bereits da: In Manhattan fielen die Preise für Apartments im dritten Quartal um 13 Prozent. Landesweit steigen die Bestände an unverkauften Häusern. Die Zinsen ziehen an, die Zahl der Hypothekendarlehen geht dagegen zurück. „Der Wendepunkt auf dem Immobilienmarkt scheint in Sichtweite“, sagt Jan Hatzius, Ökonom bei der New Yorker Investmentbank Goldman Sachs.

22.09.2005 – Handelsblatt
Mittelfristig drohten allerdings erhebliche Risiken….„Es besteht die Gefahr, dass sich die Banken heute die Problemkredite von morgen in die Bücher legen“, warnt John Jetter, Deutschlandchef der Großbank JP Morgan Chase. „Wenn die Rechnung der Beteiligungsgesellschaften nicht aufgeht, könnte dies zu einer Kettenreaktion und Abschreibungen in Milliardenhöhe bei den Banken führen.“

12.07.2007 Junge Welt

Eine besorgniserregende Entwicklung sind die neuen Arten der Kreditinstrumente, die ausufernde Verschuldung, der extreme Risikoappetit der Investoren und die Ungleichgewichte in der Weltwährungsordnung«, heißt es im aktuellen BIZ-Bericht. Das Institut mit Sitz im schweizerischen Basel registriert nahezu alle Finanztransaktionen der Welt und verwaltet Teile der internationalen Währungsreserven.

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