Athens Flirt mit der Staatspleite – und die Folgen…

19. April 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Sehen Sie das auch? Die Anzeichen häufen sich, dass die „Dauerrettung“ Griechenlands allmählich zu Ende geht. Allein in dieser Woche gab es gleich mehrere Entwicklungen, die noch vor wenigen Monaten vollkommen undenkbar gewesen wären…

Während die griechische Regierung offenbar bereits die Einführung einer Parallelwährung vorbereitet, neuerdings sogar ganz offen unterstützt vom Wirtschaftsflügel der CDU, beeeilte sich Finanzminister Wolfgang Schäuble, darauf hinzuweisen, dass Griechenland nach einer Staatspleite auch ohne den Euro Teil der Währungsgemeinschaft bleiben könne.

Das Ganze gipfelte in zwei Meldungen vom Freitag:

Während Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis jetzt das Gespräch mit einer Anwaltskanzlei sucht, die sich auf die Abwicklung von Staatspleiten spezialisiert hat, rechnet die EU-Kommission entgegen früheren Bekundungen nun doch mit erheblichen Turbulenzen in ganz Europa, sollte ein Land die Eurozone verlassen.

Mit anderen Worten: Es wird allmählich ernst.

Das tut auch dringend Not, denn wenn man sich die einschlägigen Kommentare in der Fachpresse ansieht, dann wird mehrheitlich immer noch die Illusion verkauft, das bestehende System sei noch „irgendwie“ zu retten. Mit dauerhaft negativen Zinsen beispielsweise, mit Bargeldverboten, einer erweiterten Währungsunion, einem „Nord-Euro“ und ähnlichem Budenzauber.

Dass solche Maßnahmen aussichtslos sind, weil sie den Kern des Problems nicht berühren, das versuchen wir an dieser Stelle seit vielen Jahren zu erklären. Doch wie das eben so ist: Das Kind muss erst im Brunnen liegen, bis die Menschen endlich die Ärmel hochkrempeln und die Probleme angehen.

Wie eine wirkliche Lösung aussehen könnte?

Letztlich, vermutlich aber erst in ein paar Jahren, dürfte die Erkenntnis reifen, dass eine grundlegende Reform des Finanzsystems unumgänglich ist, wenn die Menschen dauerhaft in Frieden zusammenleben wollen.

Ein erster Schritt dorthin könnte darin bestehen, einen Wettbewerb verschiedener Geldsystem-Modelle zuzulassen. „Gutes Geld“, jenes Geld also, dem die Menschen gerne und aus freien Stücken ihr Vertrauen schenken, würde sich dabei von ganz alleine durchsetzen. Ob ungedecktes staatliches Papiergeld hierzu gehören würde, diese Frage wird sich von ganz alleine beantworten, wenn die Zeit dafür reif ist.

Das wird dann der Fall sei, wenn die Menschen erkannt haben, dass ein staatliches Geldmonopol dem Missbrauch Tür und Tore öffnet, wohingegen Wahlfreiheit über das gewünschte Geld wie von selbst zu den richtigen Entscheidungen führt:

In einem freien Währungswettbewerb würde niemand “schlechtes Geld” nachfragen. Aus nachvollziehbaren Gründen würde sich jeder für “gutes” Geld entscheiden. Geld beispielsweise, das nicht beliebig vermehrbar ist. Wenn sich aber jenes Geld durchsetzen kann, das am stärksten nachgefragt wird, dann hätten auch staatlicher Geldmissbrauch und seine Folgen, wie Inflation, Währungsreformen, Überschuldung, Staatsbankrotte etc. endlich ein Ende.

Von solchen Ideen sind wir im Moment nur scheinbar noch Lichtjahre entfernt. Denn je mehr sich die Dinge zuspitzen, desto schneller wird auch die Erkenntnis reifen, dass all die Rettungsversuche systembedingt letztlich scheitern müssen.

Und an dieser Stelle haben die EU-Vertreter sogar Recht mit Ihrer aktuellen Befürchtung, dass die Causa Griechenland die gesamte Eurozone in Mitleidenschaft ziehen wird – und mit ihr das komplette Weltfinanzsystem…

Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief



 

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5 Kommentare auf "Athens Flirt mit der Staatspleite – und die Folgen…"

  1. tz sagt:

    Der gute Mann hat das Problem leider nicht ganz richtig erkannt. Das größte Verbrechen sind Staatsanleihen. Hier liegt der Hase im Pfeffer. Wenn der höchste Souverän sich bei privaten die bunten Zettel sich gegen Zinsen leiht die eine Privatfirma fed oder EZB herstellt, faktisch die höchste Macht privat aus lagert, kann ein Geldsystem nie funktionieren.

    Gebt mir die Macht über das Geld und mir ist egal wer im Land dir Gesetze schreibt.

    Rockefeller

  2. bluestar sagt:

    „Das wird dann der Fall sei, wenn die Menschen erkannt haben, dass ein staatliches Geldmonopol dem Missbrauch Tür und Tore öffnet, wohingegen Wahlfreiheit über das gewünschte Geld wie von selbst zu den richtigen Entscheidungen führt “
    Also die Erkenntnis ist schon da, zumindest bei Menschen mit entsprechender Bildung und offenem Visier für Realitäten.
    Aber: Die Profiteure dieses kriminellen Systems werden dieses Spiel niemals freiwillig aufgeben. Die Aufrüstung zur Verlängerung und Verteidigung um jeden Preis ist doch nicht übersehbar. Und sie haben dazu fast unbegrenzte finanzielle Möglichkeiten.
    Grenzenlose Überwachung, Abbau von Freiheiten und bürgerlichen Rechten, Ausbau des Gewaltmonopols gegenüber den eigenen Bürgern, gleichgeschaltete Staatspropaganda, Stigmatisierung und Verfolgung von Kritikern, finanzielle Restriktionen, Aufbau von äußeren Feindbildern und Buhmännern usw.
    Und da die Überwiegende Mehrheit der Menschen keinerlei Kenntnisse über die Zusammenhänge dieses Geldsystems hat, ist alles paletti für GS, JPM und der ganzen Heerschar von Helfern, Schmarotzern, Profiteuren, Politikern und ahnungslosen Wählern.
    Eher könnte ein Schwarzer Schwan das gesamte fragile Gerüst erdbebenartig erschüttern.
    Aber wollen wir das wirklich ? Nein, besser später als heute oder morgen…

  3. FDominicus sagt:

    Wettbewerb beim Geld. Das wäre ja vernünftig – unwahrscheinlich, daß es derzeit dazu kommt. Ich denke eher es wird eine neue Papier-Drachme geben. Oder vielleicht auch nicht, denn die müsste man ja noch drucken – diese Ausgabe kann sich ja der Sozialismus schenken. Wer braucht schon „Bargeld“, ich denke das verschicken eine Excel-Tabelle hat den gleichen „Wert“….

  4. tz sagt:

    Ich denke die Geldmenge an sich ist nicht das Problem. Das Problem besteht darin wer ist „Herrscher“ über das Geld. Schauen wir in die DDR. Die Ost Mark. Das war eine Binnenwährung. Der „Staat“ DDR hat das Geld „hergestellt“ und nicht „geliehen“ Somit musste er keine Zinsen an private „Geldhersteller und Verleiher“ bezahlen. Wenn die DDR Rohstoffe gehabt hätte, bräuchte sie auch dieses private „Weltgeld“ Dollar nicht um Rohstoffe einkaufen zu können. Die DDR hatte immer Exportüberschuss, denn im eigenen Lande gab es Mangelwirtschaft und viele Produkte die dort hergestellt wurden, nicht zu kaufen.
    Da im Normalfall eine Bevölkerung wächst ist eine Geldmenge zu begrenzen blödsinnig. Die Geldmenge darf jedoch nicht über Zinseszinsgeschäfte Hebel und anderen „GELDVERMEHRENDEN“ Mitteln erhöht werden.
    Bluestar sagt:
    “Das wird dann der Fall sei, wenn die Menschen erkannt haben, dass ein staatliches Geldmonopol dem Missbrauch Tür und Tore öffnet,
    Es ist genau das Gegenteil der Fall. JETZT haben wir Privatgeld und JETZT wird nicht nur Missbrauch Tür und Tor geöffnet. Das ist bereits JETZT der Fall.
    Wir brauchen Nationale Staaten die nicht wie die BRD Firmenkonstrukte sind, mit Verfassungen und keinen GG die „Herrscher“ über ihr „EIGENES“ Geld sind.
    Das ist der einzig richtige Weg
    Es sind nur die Gelddrucker und Geldverleiher die durch ihre immerwährende Zinslast der Nationen, ihnen das Geld zu leihen,immer fetter werden. Und sie haben so viel Geld „erschaffen“ das sie sämtlichen Terror, Waffen, Regierungen auf der Welt kaufen können.

  5. FDominicus sagt:

    @tz. Sie machen einen schweren Fehler. Sie wollen den Bock zum Gärtner machen. Und Sie vermischen unzuverlässig einige Dinge. Nehmen wir an eine Bank könnte Goldmünzen erstellen und das als Geld anbieten – was wäre daran verwerflich?

    Wieso sollte ein Geld nicht wie jedes andere Gut einen Wert haben? Als diesen Wert kann man den Zins ansehen.
    Was folgt also aus einem negativen Zins? Genau unsere EUR ist nichts wert. Er hat ja keinen positiven Preise mehr.

    Das Sie meinen die Geldmenge müsse wachsen, zeigt nur, daß Sie sich sicherlich nicht einmal mit den Ideen der „östereichishen“ Schule auseinander gesetzt haben. Die Geldmenge ist nahezu irrelevant, die Frage ist kann man die Menge beliebig verändern. Und diese Frag kann man für den EUR einfach beantworten. Die EZB kann und da die EZB die Richtlinien festlegt kann Sie das auch an die Banken übertragen. Wie kann das sein? Nun das ist ganz einfach weil der EUR ein gesetzliches Zahlungsmittel ist, deren Benutzung nicht freiwillig erfolgen muß sondern jederzeit erzwungen werden kann.

    Auf den Rest gehe ich mal nicht ein, nur soviel. In dem ihnen vorschwebenden Staat möchte ich nicht mal tot über dem Zaun hängen.

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