Atemlos, bis es kracht

4. Februar 2018 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Während die einen ihre Norweger-Pullover nach verbotenen Zeichen untersuchen, wundern sich andere, dass der DAX auch billiger kann. Um 4,2 Prozent erleichert, taumelte er abgemagert ins Wochenende…

Seit seinem Hoch bei 13.597 Punkten vor wenigen Tagen ist er um 800 Punkte oder sechs Prozent gefallen. Was fällt, kann weiter fallen, auch wenn es nicht gefällt.

Zeitgleich grüßte etwas Unheimliches aus einer Flimmerkiste der Finanzwelt, womit ausdrücklich nicht der Autor dieser Zeilen gemeint ist – sondern ein Börsenzauberer aus früherer Zeit: Alan Greenspan.

Der einstige Blasen-Direktor im Chefsessel der US-Notenbank meinte, es gäbe da draußen zwei Blasen – eine am Aktien – und eine am Anleihemarkt. Ausgerechnet der Magier der Moneten weist darauf hin. Früher behauptete er, man erkenne Blasen erst, wenn sie platzen. Greenspan weiß aber, wie Finanzblasen produziert werden, indem man Geld druckt, bis der Arzt kommt oder der Crash – also so wie heute.

Dem 91-jährigen gebührt Aufmerksamkeit. Die Abwesenheit eines hohen Amtes erlaubt mehr Anwesenheit von Ehrlichkeit im Gegensatz zu früheren Zeiten.

Keine Sorge, denn jedes Finanzproblem, welches durch zu viel Geld ausgelöst wurde, wird auch künftig mit noch mehr Geld repariert, wobei noch größere Blasen entstehen. Wann wird man diesmal die Zentralbank um Hilfe anflehen?

Junge Börsianer gaben sich in dieser Woche sehr erschreckt, als auf der DAX-Tafel Minuszeichen auftauchten – und dann auch noch so viele. Sie kennen dieses Phänomen doch nur aus der Theorie und Kursrückgänge von mehr als fünf Prozent nur noch die alten Hasen.

Letzte Woche hieß es, dass größere Rückschläge unwahrscheinlich wären. Von einer Blase sei nichts zu sehen. Das sagen meist diejenigen, die mittendrin leben bzw. von ihr und durch sie – wie einst Greenspan.
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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