Armut hat ihre Vorteile

19. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Ich möchte mit meiner „Hommage an die Armut“ weitermachen. Ich bin dabei so ernsthaft wie immer. Armut hat ihre Vorteile. Einer davon ist, dass man nicht in einem Palast leben muss…

Aber ich überlasse es anderen, etwas gegen den Kauf von teuren Immobilien zu sagen. Ich möchte ein tieferes, breiter gefasstes Argument vorbringen. T. Boone Pickens meinte, dass Geld nur ein Weg sei, den Punktestand im Leben zu messen.

Aber aufgepasst: Die „Gewinner“ sind oft die größten Verlierer. Ich bin sowohl reich als auch arm gewesen.

Reich sein ist besser… aber nur ein bisschen. Und nur deshalb, weil es einem hilft, die Armut wertzuschätzen. Wenn man am Ende Geld hat, dann erkannt man, dass das nicht alles ist. Für jedes Glas, welches Reichtum füllt, lässt es ein Glas leer. Es gibt uns mehr Freiheit, zu kommen und zu gehen, wie wir es wollen. Aber je mehr wir das tun, desto mehr wollen wir bleiben.

Es gibt uns mehr Kaufkraft. Aber je mehr Dinge wir kaufen, desto mehr Dinge wollen wir wieder los werden. Geld bietet uns Zeit für Freizeit. Aber je mehr Freizeit wir haben, desto langweiliger wird diese. Für alles, was die Natur gibt, nimmt sie auch etwas. Es gibt nur drei Schlüsselentscheidungen im Leben, erinnern Sie sich:

Was Sie tun, mit wem Sie das tun und wo Sie das tun.

Reichtum kann diese Entscheidungen schwieriger machen. Der Reiche kann tun, was er will, lieben wo er will… und ich nehme an mit wem er will. Aber ich habe bereits erklärt, wie Reichtum einen von den Dingen wegbringen kann, die man gerne macht.

Und Reichtum kann einen auch von dem Ort wegziehen, an dem man wirklich sein möchte. Während meiner Karriere war ich Besitzer eines Schlosses – eines wirklichen, in Frankreich, mit 23 Zimmern. Ich besaß auch ein Haus aus Stein und Lehm, welches ich selber gebaut hatte, für insgesamt 13.000 Dollar.

Was glauben Sie, welches der beiden mir mehr Freude gab?

Das Schloss kostet ein Vermögen. Es war – und ist immer noch – großartig. Beeindruckend. Eines der letzten Schlösser, welches vor der Revolution gebaut worden ist, es sieht ein bisschen wie Versailles aus… mit perfekten klassischen Proportionen.

Aber es ist kein schöner Ort, um dort zu leben. Man fühlt sich so, als ob man sich in ein Museum geschlichen hätte, welches für das Wochenende geschlossen hat; man fürchtet, der Wächter wird einen rausschmeißen, wenn er am Montag zurückkommt.

Mein kleines Lehmsteinhaus hingegen ist eine konstante Freude. Ich habe es mit meinen eigenen Händen gebaut (zwei meiner Söhne halfen) in der Halbwüste des nordwestlichen Argentiniens.

Die Steine kosteten nichts. Der Lehm auch nicht. Fast das gesamte Haus kostete nichts. Und dennoch ist es ein Wunder. Es hat eine gewölbte Lehmdecke… Gewölbe… und eine Kuppel in der Mitte. Es gibt auch einen großen Kamin aus Stein. Innen ist es mit dem örtlichen roten Schlamm verputzt. Die Beschaffenheit ist authentisch.

Ein Haus und ein zu Hause

Zuletzt hat es am meisten Spaß gemacht, den Garten um das Lehmsteinhaus herum anzulegen. Es gibt so viele Steine, dass wir Terrassen und Steinmauern bauen konnten. Ein Garten ist ein Obstgarten. In einem anderen sind Weinstöcke. Und in anderen Blumen.

Jedes Mal wenn ich da bin, arbeite ich glücklich in den Gärten und genieße die Ruhe. Verglichen mit dem Schloss in Frankreich fällt mir auf, dass ich da kaum etwas anfassen kann. Das ist denkmalgeschützt! Aber das ist das Problem:

Wenn das Vermögen steigt, wird man zu größeren, monumentaleren Wohnorten verführt, die letztlich weniger befriedigend sind. Die nehmen einem das Vermögen… die eigene Zeit… und das eigene Leben. Dann hat man mehrere Häuser, und die besitzt man nicht, sondern die besitzen einen. Ein zu Hause ist, wo man lebt – wo die eigenen Sachen sind. Das ist da, wo das Herz ist, wie es in den USA heißt.

Wenn man eins dieser Riesenhäuser kauft, dann kauft man kein zu Hause. Man kauft ein Haus, um es zu zeigen – nicht einen gemütlichen Ort, an dem man mit der Familie leben möchte. Und weil es so groß ist, muss man es mit Angestellten teilen. Man hat die ganze Zeit Leute um sich herum…die Dinge reparieren, sich um den Rasen kümmern und die Küche sauber halten. So ein großes Haus bzw. Schloss kann man nicht alleine instand halten. Deshalb managt man ein Team von Leuten, die den Ort managen. Wie eine Trophäen-Ehefrau kann das schön sein. Aber es wird auch kostspielig.


Quelle: Kapitalschutz Akte
Armut hat ihre Vorteile (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

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3 Kommentare auf "Armut hat ihre Vorteile"

  1. bluestar sagt:

    Obwohl ich Bill Bonner nicht persönlich kenne, ist er mir durch seine interesanten Artikel irgendwie ans Herz gewachsen. Seine menschliche, ehrliche und oft auch philosophische Art mag ich sehr. Gebildet, lebenserfahren, erfolgreich, offen, freiheitsliebend, friedliebend und humanistisch, wie viele Amis von dieser Qualität gibt es noch ?

  2. Michael sagt:

    Liquid zu sein hilft enorm. Aber jeder wie er will. Wenn jemand glaubt er muss in einem Schloss leben, soll derjene auch. Jeder wie er will. Er soll sich nur nichts drauf einbliden.

  3. FDominicus sagt:

    Wie reich ich gerne wäre ist einfach zu erläutern: Ich hätte gerne genau doppelt so viel Geld wie mich der Kauf einer beliebigen Staatsbürgerschaft kostete. Ich stehe zwar immer irgendwo unter der Fuchtel der Geissel Demokratie, aber zumindest könnte ich mir den Geiselnehmer aussuchen 🙁

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