Arme Steuerberater, noch ärmere Steuerzahler

2. Juni 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Wussten Sie, dass der deutsche Staat über direkte und indirekte Steuern an die 70 Prozent des Einkommens eines durchschnittlich verdienenden Arbeiters oder Angestellten kassiert? Und dass mittlerweile mehr als die Hälfte der Deutschen vom Staat lebt?

Solche Fakten gehen mir gerade durch den Kopf, weil Ende Mai die offizielle, allerdings nicht allgemein gültige Abgabefrist für die Einkommensteuer-Erklärung zum vergangenen Jahr endet. Falls Sie die Raffgier des Staats für halb so schlimm halten, kann ich Sie nur warnen: Es wird noch schlimmer.

Ich komme darauf, weil auf meinem Schreibtisch die aktuelle Ausgabe 2015 des 592 Seiten umfassenden Büchleins der Steuerberater-Genossenschaft Datev liegt. Es trägt den nüchternen Titel „Tabellen und Informationen für den steuerlichen Berater“ und hat es in sich – aber nicht etwa wegen der vielen Vorschriften an sich, sondern wegen der unzähligen grün statt schwarz gedruckten Änderungen. Arme Steuerberater, noch ärmere Steuerzahler und nicht zu vergessen arme Finanzbeamte, die das alles beachten müssen!

Da brüten Bürokraten in Berlin, Brüssel und anderswo Vorschriften aus, die von diesen bedauernswerten Vollstreckern der vermeintlichen Steuergerechtigkeit beachtet werden müssen, sonst gibt es Ärger. Lässt dieser sich nicht vermeiden, landen Streitigkeiten beim Bundesfinanzhof. Und falls dessen Senate sich untereinander nicht einig oder einfach nur nicht grün sind, muss ein weiterer Senat den Zwist aus dem Weg räumen. Nebenbei bemerkt: Hut ab vor Finanzämtern, die wegen der Überlastung ihrer Schützlinge schon mal sogenannte Durchwinktage einrichten. Bravo, ist das doch ein klares Ausrufezeichen zum Vertrauen des Staats in die Ehrlichkeit der Steuerzahler! Schließlich gehören die von den Medien immer wieder angeprangerten Steuerhinterzieher ja nur zu einer verschwindend kleinen Minderheit.

Ich könnte mich noch weiter aufregen, doch stattdessen will ich Ihnen lieber mit etwas Nutzwert dienen, entnommen meinem neuen elektronischen Buch „Von der Kunst finanziell zu überleben“:

Anleger sind Steuerzahler, die entweder als Angestellte, als Freiberufler, Gewerbetreibende, Land- oder Forstwirte und/oder Vermieter einem Beruf nachgehen. Das alles gilt es unter einen Hut zu bringen und möglichst auch steuerlich zu optimieren. Damit es nicht noch komplizierter wird, als es ohnehin schon ist, beschränke ich mich hier auf die wesentlichen Punkte aus Anlegersicht.

Kapitaleinkünfte durch Zinsen, Dividenden und Kursgewinne (sofern diese aus den seit 2009 gekauften Wertpapieren stammen) unterliegen der Abgeltungsteuer, falls sie über den Sparerpauschbetrag in Höhe von 801 Euro pro Person (Eheleute und eingetragene Lebenspartner also 1602 Euro) hinausgehen. Die Abgeltungsteuer beträgt 25 Prozent zuzüglich Soli und ggf. Kirchensteuer. Das bedeutet: insgesamt maximal fast 28 Prozent, falls Kirchensteuer zu zahlen ist und diese als Sonderausgabe verrechnet wird. Eigentlich ist das Glaubensbekenntnis eine rein private Angelegenheit. Doch da kennen die Kirchen in frommer Eintracht mit dem Staat kein Erbarmen: Banken und Sparkassen sind – beginnend schon mit dem Steuerjahr 2014 – gesetzlich verpflichtet, die für den automatischen Kirchensteuerabzug erforderlichen Daten beim Bundeszentralamt für Steuern jährlich im Zeitraum vom 1. September bis 31. Oktober abzufragen und danach den Abzug der Kirchensteuer vorzunehmen.

Im Gegensatz zu Zinsen, Dividenden und Kursgewinnen sind Wertsteigerungen aus Goldbarren und Goldmünzen (solange diese in ihrem Heimatland zu den gesetzlichen Zahlungsmitteln gehören), nicht zu versteuern, falls die Haltedauer mehr als ein Jahr beträgt. Daraus kann ein lukratives Geschäft werden, wenn der Goldpreis steigt. Denn anders als etwa beim Silber fällt beim Gold keine Umsatzsteuer an. Und wenn der Euro im Verhältnis zum Dollar schwach ist, kann das zur Folge haben, dass der Euro-Goldpreis steigt, auch wenn der international übliche Dollar-Goldpreis stagniert oder leicht fällt. So gesehen, werden weltweit verbreitete Münzen wie Krügerrand, Maple Leaf, Känguru, Wiener Philharmoniker, American Eagle, Panda u.a. zu interessanten Geldanlagen.

Eine Besonderheit gilt für Xetra-Gold. Das ist eine börsengehandelte Anleihe, verbunden mit dem Anspruch auf die Lieferung von Gold. Das Finanzgericht Münster entschied am 14. März 2014, dass die Einlösung der Anleihe gegen Gold nicht zu steuerbaren Einkünften aus Kapitalvermögen führt. (Aktenzeichen 12 K 3284/13 E) Das zuständige Finanzamt hatte zuvor gegenteilig entschieden. Die Revision zum Bundesfinanzhof ist zugelassen.
©Manfred Gburek – Homepage






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