Arm werden durch Sparen?

1. Oktober 2017 | Kategorie: RottMeyer

Frank Meyer

Die Bundestagswahl war der Börse reichlich egal, wobei nicht nur der Euro „eins in die Fresse“ bekam. Auch wenn Volksparteien jetzt mit weniger Volk dastehen, finanziell gesehen geht es uns doch (noch) gut…

… nachzulesen im globalen Vermögensreport der Allianz.

Jeder Deutsche legt jeden Monat im Schnitt 320 Euro zur Seite. Die einen viel mehr, die anderen gar nichts. Abzüglich der Schulden besitzt jeder hierzualnde 49.760 Euro – statistisch gesehen. Wahr ist auch, dass durch die ungleiche Verteilung des Reichtums jeder Zweite über weniger als 14.650 Euro verfügt – erstaunlich wenig für einen Exportweltmeister mit riesigen Leistungsbilanzüberschüssen, der europäischen Freunden Geld leiht, damit diese unsere Waren kaufen können.

Vermögen hat heute weniger und künftig noch viel weniger mit Arbeit oder gar Fleiß zu tun, sondern mehr mit der Art des Sparens und der Umverteilung des Geldes von unten nach oben. Im letzten Jahr stieg das weltweite Vermögen um sieben Prozent auf 180 Billionen Euro, hierzulande um fünf Prozent auf 5,7 Billionen Euro.

Dabei sparen die Deutschen meist altmodisch und packten 2016 rund 200 Milliarden Euro beiseite – in ganz Euroland 250 Milliarden Euro. Man könnte auch sagen, man arbeitet in Deutschland fürs Geld und lässt es nicht für sich arbeiten wie in anderen Euroländern. Andere sparen nichts, bekommen aber mehr raus, weil ihr Geld beispielsweise in Aktien steckt. Niederländer haben so 2.000 Euro zusätzlich im Monat mehr, Belgier 1.000 Euro und Deutsche jenseits ihres Kontos nur 300 Euro.

Der Vermögensreport verdeutlicht, dass Notenbanken aus herkömmlichen Sparern zwangsläufig Anleger macht. Man kann durch Sparen inzwischen auch arm werden. Man muss Geld nur arbeiten lassen, raten Experten. Haben Sie Geld schon mal arbeiten sehen? Dennoch ist die erste Million die Schwerste. Dann wird es einfacher, denn der Teufel macht immer schneller auf den größten Haufen. Doch nur, solange die Börsen steigen.
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

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