(15) Millionen fürs Scheitern

8. Dezember 2009 | Kategorie: Kommentare

von Frank Meyer

Was für ein aufregender Tag für Karl-Gerhard Eick. Als ehemaliger Finanzchef der Deutschen Telekom wechselte er im März zu Arcandor, dem Handelriesen, der wegen schlechter Zahlen ins Gerede gekommen war. Die Karstadt-Mutter wurde von Thomas Middelhoff damals „fast besenrein“ übergeben. Beim genaueren Hinsehen aber fand man viel Schmutz unter den durchgetretenen Fußböden und in den Besenkammern gleich neben dem Kassenraum. Heute wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Und Karl-Gerhard Eick hat seine Sachen gepackt. Zehn Minuten bräuchte er dafür, war am Wochenende zu lesen…

Im März fragte man sich, warum Karl-Gerhard Eick unbedingt Arcandor retten wollte. Als Telekom-Finanzchef hatte er doch ein nettes Auskommen. Gutes Geld zu verdienen und gleichzeitig einer lahmen Ente das Fliegen wieder beizubringen riecht nach einer Herausforderung, wo man schlecht nein sagen kann. Sah er eine Gelegenheit? Es wird wohl sein Geheimnis bleiben. Sein Abschied wird nicht ganz so schmerzhaft ausfallen wie jetzt viele befürchten, denn er bekommt das Gehalt für die gesamte Vertragszeit gezahlt – bis zu 15 Millionen Euro. Dafür hätte er sich heute 60 Millionen Arcandor-Aktien zum Stückpreis von 25 Cents kaufen können. Eick wurde für diese Summe heftig durch die Presse gezerrt und reagierte jetzt. Laut „Bild“ will er bis zu fünf Millionen Euro für Mitarbeiter des Arcandor-Konzerns spenden, um soziale Härten wegen der Insolvenz abzufedern.

Monatslohn: 1,7 Millionen Euro

Es scheint trotzdem ein nettes Geschäft gewesen zu sein, in sechs Monaten bis zu 10 Millionen Euro zu bekommen. Das sind pro Monat 1,7 Millionen Euro oder pro Woche 416.000 Euro. Eick kann sich jetzt zufrieden und beruhigt in der Sonne sitzen. Er hat seine Chance genutzt. Vielleicht wird man später Thomas Middelhoff als Schuldigen ausmachen. Man weiß es nicht. Eick jedenfalls hat Arcandor nicht gegen die Wand gefahren. Aber er hat es auch nicht geschafft, Staatsgelder heranzuschaffen. Zum Glück! Gemunkelt wurde, dass er Finanzchef der Deutschen Telekom den einen oder anderen Kontakt nach Berlin gehabt hat, weshalb die Wahl auf ihn fiel, als Middelhoff die Schlüssel übergab.

Der Stern von Karstadt sank schon früher. Hauptaktionärin Madeleine Schickedanz musste dem schlechten Geld ihr gutes hinterherwerfen, wohl auch im Glauben, Thomas Middelhoff wäre der Richtige, um ihre Kartoffeln aus dem Feuer zu holen. Die Sache ging schief, wie wir wissen. Middelhoff hat sich rechtzeitig aus dem Staub gemacht. Und Eick war schlau, denn er hat sich sein Gehalt vom Großaktionär Sal. Oppenheim garantieren lassen.

Carpe diem

Ja, es sind immer wieder Chancen, die einem das Leben so bietet. Karl-Gerhard Eick hat sie genutzt. Auch wenn er nicht viel tun konnte und die lahme Ente Arcandor nicht fliegen kann, und nun beim Insolvenzrichter sitzt, 10 Millionen Euro in sechs Monaten Dienstzeit waren der Versuch sicherlich wert. Dafür steigt man auch gerne mal auf eine Leiter und nimmt auf einer Kundgebung ein Megaphon in die Hand.

Wird heute Abend bei Eicks gefeiert? Schließlich ist man mit 10 Millionen Euro schon steinreich. Oder Eick-reich? Nicht dass wir es wissen, aber zu vermuten wäre es schon…

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