Aprilscherze ohne Ende

8. April 2018 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Früher boten Aprilscherze ein gewisses Maß an Unterhaltung. Heute aber sind sie meist ernst. So sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier, der Wirtschaftsboom könne noch 15 bis 20 Jahre andauern. Richtig! Wenn nichts dazwischen kommt…

Im Gegensatz zu unserer Kanzlerin wird Altmaier dann kaum noch im Amt sein, aber bis dahin ist „Schönreden“ eine olympische Disziplin geworden und Tesla pleite. Der Tesla-Chef hat das am 1. April schon mal als Scherz geübt. Dann haben Digitalisierung und Roboter nach einer OECD-Studie hierzulande jeden fünften Job vernichtet.

Hurra! An der Börse wird inzwischen der/die/das erste gender-gerechte Wertpapier gehandelt. Man kann auch in anderen Irrsinn investieren, wie in Rüstungsunternehmen, die mit ökologisch sauberen Waffen nachhaltigen Frieden schaffen und dabei noch biologisch abbaubar sind – ohne diesen verfluchten Feinstaub. Wir leben in Zeiten, wo Kriegsherren Friedensnobelpreise erhalten, Datenschnüffler für Transparenz werben und die alten Minuszeichen das neue Plus darstellen. Herrlich bigott unsere Welt, nicht nur im April.

Kennen Sie noch Jean-Claude Trichet? Der frühere EZB-Chef sieht wegen der gigantischen Schuldenberge ein ernstes Risiko einer neuen Finanzkrise. Jetzt darf Trichet offener reden als damals, wobei „triche“ im Französischen „Betrug“ heißt. Interessant ist auch, dass der frühere Boni-Ritter und Ex-Chef-Verschwender John Thain der untergegangenen US-Investmentbank Merrill Lynch künftig auf die Deutsche Bank aufpassen soll. Vor dem Notverkauf hat er damals sein Büro für 1,2 Millionen US-Dollar ausstatten lassen, wobei sein Papierkorb mit 1.400 US-Dollar zu Buche schlug. Nun fehlt eigentlich nur noch, dass mit Richard S. Fuld, der Ex-Chef von Lehman Brothers in die Deutsche Bank einzieht. Nichts scheint heute unmöglich.
Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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