Apparatschiks über alles! Europa 2.0 (beta)

17. Februar 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Seit der laienhaft umgesetzten Einführung des Euro hören die Bürger Europas vor allem Durchhalteparolen. Europa über alles ist das Schlagwort, wobei der Fokus auf dem politischen ausufernden Apparat Europas und nicht auf einer fortschrittlichen Entwicklung der Realität liegt. Man könnte auch sagen: Apparatschik über alles…

Es dürfte äußerst schwierig sein aus der derzeit entstehenden politischen Landschaft Europas einen Rest Homogenität herauszulesen. Kommunisten hier, Konservative drüben, alte Verwirrte hüben. Das alles dürfte schwer unter einen Hut zu bekommen sein.

Das gesamte Werk wirkt ein bisschen wie ein auf den Kontinent ausgebreitetes Weimar. Einigkeit herrscht lediglich zwischen einigen Regionen in den üblichen Punkten, Deutschland sei an allem Schuld, habe von allem profitiert und da müsse man nun mal was machen. Viel Spaß dabei.

Konnte man die letzten Jahre noch rätseln, ob zuerst ein  Land der Peripherie oder ein Kernland aus dem Euro aussteigen würde, so stehen die Zeichen derzeit wohl eher auf einem Ausstieg oder Herausgedrängtwerden Deutschlands. Der eine oder andere kulturell näher stehende Staat wie Holland oder Belgien mag sich dem Exodus anschließen, was durchaus charmant und sinnvoll wäre.

Die vereinfachte Rechnung beläuft sich derzeit auf rund 700 Mrd. Euro, wenn man alleine die Target 2 Salden heranzieht. Die Betonung liegt auf „Euro“, so dass sich nach einem Austritt die Lage in neuer Mark oder was auch immer durchaus entspannter darstellen dürfte. Ob das auch für den DAX gilt darf bezweifelt werden aber der führt ohnehin nicht erst in den letzten 20 Jahren sein manisch-depressives Eigenleben.

Das zeigt auch das hierzulande warhzunehmende hilflos wirkende Geschrei bei jeder Regung des amtierenden US-Präsidenten. Es hat etwas von nicht wahr haben wollen. Man darf ruhig sagen, dass Trump die selbst ernannten Eliten dies- und jenseits des Atlantiks bloßstellt und dabei ein bemerkenswertes Tempo vorlegt. Manch einer erstickt offenbar an einem überbordenden Narzissmus, den er anderen vorwirft. Anders ist das wirre und abstoßende Verhalten mancher Medienvertreter nicht zu verstehen.

Es reicht in einigen Fällen an krude Mordphantasien heran. Bei derartigen Auswüchsen stellt sich die Frage, ob ein Psychiater hier noch helfen kann oder sollte. Alternativ könnte man die entsprechenden Figuren eher als Forschungsobjekte betrachten, die Ihre Laster bei Maischberger und ähnlich überholten TV-Zirkeln ausleben dürften.

Das Geschrei der Medien erklärt sich vor allem aus wirtschaftlicher Sicht. Natürlich hält man immer die Pressefreiheit hoch, an der man angeblich so interessiert ist. Wenn dem so ist, dann müsste Jubel aufbranden, wenn sich etwa der Adressatenkreis bei Pressekonferenzen im Weißen Haus deutlich erhöht. Dies geschah in einem bemerkenswerten Ausmaß.

In einem ersten Schritt wurde der enge Zirkel zugelassener Medien um ein Vielfaches erweitert. Nun ist auch die Zuschaltung via Skype möglich. Das macht die Inhalte der Politik nicht besser oder schlechter, es sägt jedoch am alten Oligopol der alteingesessenen Medien.

Die deutlichen Rückgänge der Absatzzahlen der Presse ist auch hierzulande ein Thema. Man kann sich natürlich die Frage stellen, warum überhaupt noch jemand den SPIEGEL oder die Süddeutsche Zeitung lesen sollte. Diese Frage können wir nicht beantworten, allerdings ist der Abwärtstrend der Reichweiten dieser Veröffentlichungen auch inklusive e-Paper deutlich zu erkennen. Die online Plattformen böten eine Mögliche alternative, sind aber oft qualitativ auf dem Niveau einer parteieigenen Schülerzeitung, so dass man die Chance auf einen Generationswechsel zu verschlafen droht.

Wenn die Inhalte zu 80% aus den Artikeln stehen, die schon in der Printausgabe stehen und der Rest an die erwähnte Schülerzeitung erinnert, dann ist ein Mehrwert nicht auszumachen. Was die Ursache für diese halbherzige Umsetzung liegt ist schwer zu sagen. Möglicherweise macht ja ein Onlineauftritt nicht so viele Redakteure satt. Vermutlich liegt es aber auch an der massiven großen und kleinen Konkurrenz im Netz.

Auch die Fehler der Vergangenheit spielen sicherlich eine Rolle. Während mancher beklagen mag, wie gering das Interesse an „gut recherchierten Hintergrundberichten ist“ sollte daran erinnern, wie viel schlecht recherchierte oder auch glatt gelogene (Des-)Informationen die Leser allein in diesem Jahrtausend über sich ergehen lassen mussten. Wie beim Fußball gibt es daher bei den verbliebenen Getreuen wohl oft Gewohnheitsleser, die an ihre Gazette glauben wie an ihren Verein, egal wie schlecht die Mannschaft spielt. Ob man in Hamburg und München schon „You’ll never write alone“ singt?

Die in diesem Jahr anstehenden Wahlen dürften einen seit Jahren anhaltenden Trend bestätigen und sogar verstärken. Der politische Flickenteppich der EU wird dadurch noch fragiler und angesichts der Heterogenität der neuen starken Parteien sollte man nicht von einer Stärkung der Apparate sondern von einer Rückverlagerung von Souveränität auf die Ebene der Staaten rechnen. Auch die wacklige Fehlkonstruktion Euro dürfte dann wieder hinterfragt werden.

Derzeit schlägt das Pendel, wer diesem den Rücken zuwenden könnte, eher wieder in Richtung der Länder Deutschland, Österreich, Finnland und des Benelux aus. Der Rest inklusive Spanien, Frankreich und Italien hätte dann die Möglichkeit, die Abwertungsfantasien ungebremster in die Tat umzusetzen.

Die immer wieder als vermeintlich unüberwindliches Hindernis genannten Target Salden der Bundesbank mit dem Eurosystem sollte man nicht kleinreden, die in alten Euro saldierten Beträge erscheint jedoch trotz der erneuten Zunahme nicht als wirkliches Hemmnis, wenn die politische Großwetterlage sich ändert.
Na dann: Press play on tape!

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