Ansturm auf die Resterampe

17. Dezember 2013 | Kategorie: RottMeyer

von Banhaus Rott

Das Wort Kreditausfall scheinen viele High Yield Investoren aus ihrem kollektivem Wortschatz gestrichen zu haben. Anders ist der aktuelle Kaufrausch kaum zu erklären, der die Emittenten erneut mit einem Rekordvolumen erfreut…

Vielleicht sollte man für unbedarfte eine Art Gebrauchsanleitung herausgeben, die neben der bloßen Rendite der Papiere auch den Hinweis auf die in diesem Sektor durchaus üblichen Kreditausfälle enthält. Vermutlich würde jedoch auch dies nicht helfen.

Im November brachten Unternehmen US-Dollar High Yield (HY) Bonds mit einem Volumen von 25,2 Milliarden auf den Markt. Größere Probleme bei der Platzierung hatten die Emittenten nicht, sind doch zuviele Investoren weiterhin unkritisch auf der Suche nach „Rendite“. Die Liquiditäts und Ausfallrisiken dieser Papiere spielten für diese Anleger offensichtlich ebenso keine Rolle wie die teils schwierig zu bewertenden Call-Strukturen und die immer laxeren Vergabestandards. So kletterte der Anteil der Papiere, die den Anleger weitgehend ohne schützende Klauseln in den Anleihebedingungen (covenant lite bonds) auf neue Hochs. Im Jahr 2007 lag der Anteil derartiger Bonds bei unter 25%. Im laufenden Jahre wurde die Marke von 70% (siebzig) überschritten. Zusammengefasst kaufen Anleger derzeit ein Rekordvolumen der schlechtesten Anleihen zu den schlechtesten Bedingungen. Eine bemerkenswerte Strategie, die sich auf die schlichte Regel „Hautpsache mehr als 4% Rendite“ bringen lässt. Sinnvoller wäre wohl zumindest die Erweiterung dieses Mantras auf die Bedingung „mehr als 4% nach Kreditausfällen“, aber wer will sich schon derart trüben Gedanken hingeben.

Die Emittenten freuen sich, wenn instiutionelle Anleger und Publikumsfonds sich weiterhin um die Junk Bonds balgen.

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Der Hinweis auf die Ausfallraten sorgt interessanterweise selbst im Gespräch mit vermeintlich professionellen Anlegern manches Mal für Kopfschütteln. Die Ausfallraten seien schließlich gering, ist der häufig zu vernehmende Einwand. Das ist in der Tat korrekt, jedoch kann sich ein Anleger von den Ausfällen, die gestern nicht passiert sind, heute nichts kaufen. Das Argument kann auch ein höflicher Mensch nur als ausgesprochen dämlich bezeichnen, ist es doch mit der Annahme vergleichbar, ein Aktieninvestment sei dann am risikoärmsten, wenn die Volatilität am niedrigsten ist.

Im Grunde sollten schon ein paar Jahre Markterfahrung genügen, um das zu wissen. Manch ein Branchenvertreter – von den Medien ganz zu schweigen –  der zwar seit zwanzig Jahren in der Branche tätig ist, hat aber offenbar nicht zwanzig Jahre Erfahrung sondern zwanzig mal die Erfahrung eines Jahres wiederholt. Schöne Grüße vom Murmeltier. Daher sei daran erinnert, dass die High Yield-Ausfallraten im Jahre 2007 ein Allzeittief von 0,38% markierten. Es war der schlechtest mögliche Zeitpunkt für den Kauf von HY-Bonds, denn Ausfallraten sind bekanntermaßen ebenso zyklisch wie Emissionsvolumina. Erst kommen die Emissionsrekorde, dann die Ausfallrekorde. Anleger die wegen der „niedrigen Ausfallraten“ investierten verloren in den Folgejahren dank „überraschend“ ansteigender Ausfallraten ein mehrfaches der vermeintlich sicheren Erträge… (Seite 2)

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3 Kommentare auf "Ansturm auf die Resterampe"

  1. Michael sagt:

    Ich bin wirklich sehr bieder unterwegs. Spreche aber nicht für institutionelle Investoren. Der lukreierte Zins liegt leicht unter der Preisindexsteigerung für Güter des alltäglichen Lebens und die hohen Kurse im Moment reflektieren eher den niederen Zins der nach 2009 herausgebildet hat. Die Rendite würde ich aberverkaufen wäre an sich eher hoch, begünstigt dadurch, dass meine Wertpapiere und auch die viel anderer noch unter Altbestand laufen – damit steuerfreier Verkauf (nach Ablauf der damals gültigen Spekulationsfrist). D.h man gewinnt in etwa ein zusätzliches Jahr. Das ist ein durchaus ein interessanter kurzfristiger Vorteil, will man umschichten.

    Wer zu spät kommt den bestraft das Leben. Die Strafe wird höher je später eingestiegen wird.

    Es könnte sein ich liege falsch, mit solchen Bonds habe ich wenig am Hut, die Kreditzinsen für die Unternehmen und den Privatleuten in den U.S. sind so mir bekannt ist nicht wirklich unanständig niedrig oder irre ich mich?

  2. Lickneeson sagt:

    Wertes Bankhaus.

    „Wer in eine Assetklasse investiert, wenn dies alle anderen ebenfalls tun, der liegt im Fall der Fälle gemeinsam mit allen anderen schief. Dann singen alle im Kanon “das konnte niemand ahnen”, schreiben übermannt von einer temporären Demut auf, was sie beim nächsten Mal anders machen wollen, stellen 40 neue Mitarbeiter im so genannten “Risikomanagement” ein und machen danach weiter wie bisher.“

    Einfacher und besser kann man das menschliche Verhalten vieler Akteure nicht auf den Punkt bringen. Durch das andauernde Vorbeten des “ Zinstiefs und der Angst vor geringer Rendite“ wird bald auch beim Letzten der Sinn für das Risiko verschwunden sein.

    Die Blasensammlung am Markt wird immer grösser.

    MfG

    • Michael sagt:

      Als die IT noch jünger war, war die Idee, nimm eine große Technologie die viele haben, sei etwas spät mit Neueinführungen und die Probleme die du bekommst haben andere auch und werden gelöst oder sind bereits gelöst bevor eine Änderung wird ins System gebracht. Pustekuchen. Es haben alle das selbe Problem und die IT Managements bei Frühstückveranstaltungen gingen beruhigt nach Hause, da alle die selben Probleme hatten … Nach 20 Jahren ging man dazu über sich dem Grauen mit Kompetenz Angesicht zu Angesicht zu stellen. Alles andere löst nichts.

      Zins und Rendite sind ja 2 verschiedene Paar Schuhe.

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