Ansporn und Bereitschaft zur Leistung: Oder: Festtagsreden und was wir daraus machen

10. Januar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(vom Smart Investor) „Same Procedure as every Year“… Traditionell werden um den Jahreswechsel drei Formate ausgestrahlt, die sich vor allem durch ihre hohe Selbstähnlichkeit auszeichnen. Freddie Frintons „Dinner for One“ (deutsch: „Der 90. Geburtstag“), die Neujahrsansprache des/der jeweiligen Regierungschefs/Regierungschefin und die Weihnachtsansprache des jeweiligen Bundespräsidenten….

Während das Erfolgskonzept von „Dinner for One“ in der exakten Wiederholung liegt – eine nachkolorierte Version des Schwarz-Weiß-Klassikers fiel beim Publikum durch – versucht es die Politik mit minimalen Variationen: Im Weihnachts-Clip der Kanzlerin rutschte beispielsweise die Deutschlandfahne dieses Jahr noch ein Stückchen weiter hinter die dominant ausgeleuchtete EU-Flagge – fast wie im richtigen Leben.

In der Darstellung liegt Frinton dennoch weit vorne und konnte entsprechend die meisten Lacher verbuchen. Da halfen der Kanzlerin weder Glitzeroutfit noch heiter-besinnliche Nichtigkeiten aus dem Amtsalltag. Die Rede war unlustig, nicht zuletzt, weil der Bürger auf schwierigere Zeiten eingestimmt werden sollte: „Ansporn“ wolle die Politik sein, weshalb auch der Appell an die Leistungsbereitschaft der Bürger nicht fehlen durfte. Wenn es der Regierung hier tatsächlich um Leistungssteigerung ginge, dann hätte sie mit dem Steuersystem genau jenen Instrumentenkasten in der Hand, um fröhliche Mehrleistung zu fördern.

CAC-Klausel

Wie ernst es dem Staat mit der Fairness ist, zeigt eine zum Jahreswechsel in Kraft getretene Neuregelung für seine Schulden. Künftig werden alle neuen Staatsanleihen mit einer sogenannten CAC-Klausel (“Collective Action Clause”) versehen sein, bei der es kurz gesagt darum geht, Schuldenschnitte künftig wesentlich leichter gegen den Willen der Anleger durchzusetzen.

Wer derartige Enteignungen nicht widerspruchslos hinnimmt, mutiert in der Wahrnehmung der Nomenklatura nämlich relativ rasch vom umworbenen Geldgeber zum „renitenten Kleinanleger“.

Nachdem diese Regel – dem Zug der Zeit folgend – zentral für alle Euro-Staaten in Kraft tritt, könnte nicht einmal ein Staat, der seine Geldgeber fair behandeln wollte, auf die Klausel verzichten – etwa um sich am Markt einen Wettbewerbsvorteil bei der Kreditaufnahme zu sichern.

Schrieben wir gerade „Markt“ und „Wettbewerbsvorteil“?! Entschuldigung, die Devise lautet natürlich: Einer für alle, alle für einen! Die Botschaft dieser Neuregelung ist zudem glasklar: Die künftige (Teil-)Enteignung von Investoren in Staatsanleihen wird erleichtert, weil sie wahrscheinlicher geworden ist. Damit bieten Staatspapiere nicht nur keine reale Rendite, sondern perspektivisch auch keine Sicherheit. Weiter strikt meiden…(Seite 2)

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3 Kommentare auf "Ansporn und Bereitschaft zur Leistung: Oder: Festtagsreden und was wir daraus machen"

  1. Frank Meyer sagt:

    Kommentar von wolfswurt

    Grund für das unbedingte Weiterlaufen des Systems sind die schier unbeherrschbare Masse Mensch nach einem Systemkollaps.

    Es ist für die Regierungen einfach unmöglich 310 Millionen in den USA, 500 Millionen in der EU oder gar 1300 Millionen in China ruhig zu halten, während ein Zivilisationstsunami über den Erdball fegt.

    Masse macht notwendige rationale und kluge Entscheidungen unmöglich.

    Peak-Masse liegt Generationen zurück und ist nicht mehr revidierbar.

    Die mindere Intelligenz von Massen zwingt die Führungen zu Handlungen, die am Ende zur Reduzierung der Massen führen wird.

    Eine Zyklusbewegung nach unten bis zur Beseitigung der Ursache: Zuviel Mensch auf zuwenig Raum.

    • 4fairconomy sagt:

      „Die mindere Intelligenz von Massen zwingt die Führungen zu Handlungen, die am Ende zur Reduzierung der Massen führen wird.“

      Widerspruch: Die Führung – also nicht die Politiker sondern die Oligarchen dahinter – will keine Lösung, welche darin bestehen würde, Schulden & Vermögen abzuschreiben. Siehe Prof. Hans Werner Sinn in einem Vortrag, den ich als Meilenstein betrachte:

      http://www.youtube.com/watch?v=cdZySOtG_28

      Demnach wäre also eine faire, sozialverträgliche, friedliche Lösung möglich. Aber das will die Führung nicht, das ist das Problem, sonst wäre die Lösung zwar nicht einfach, aber machbar. Lieber ein paar Mio (Mrd.?) Menschen über die Klinge springen lassen, als etwas vom überflüssigen Vermögen und damit auch Macht abzugeben… Die Geschichte der Revolutionen wiederholt sich, fürchte ich:

      Zuerst wurde der religiöse Absolutismus, worauf sich die Macht abstützte, abgeschafft. Später wurde der politische Absolutismus, die politische Machtkonzentration überwunden. Nun scheint die ökonomische Machtkonzentration mit den von ihr herbeigeführten unhaltbaren Zustände, an der Reihe zu sein. Der Neofeudalismus, welcher auf ökonomischer Macht beruht, dürfte seinem Ende zusteuern. Das wird aber – ausser die „Führung“ kommt zur Einsicht und dankt friedlich ab – nicht friedlich verlaufen. Die Welt entwickelt sich leider meist durch schmerzhafte Prozesse.

      Wie sagte doch Warren Buffet: es ist ein Krieg der Klasse der Reichen gegenüber dem Rest. Siehe:

      http://vimeo.com/39275532

      Die Welt bietet genug an Lebensgrundlagen, dass alle ein erfülltes, würdiges Leben führen können.

      Ein Szenario wäre allerdings, dass die „Führung“ die Menschen in ein selbstzerstörerischen Krieg schickt als Ablenkung bzw. bevor die Massen allzu aufbegehren und gefährlich werden. Sie behalten dabei die Fäden in den Händen (d.h. Einfluss auf Politiker und öffentliche Führungspersönlichkeiten aller Lager). Aus den Trümmerhaufen können sie dann ihr Imperium wieder auferstehen lassen. Dann dreht die Geschichte noch eine zweite Runde unter derselben Führerschaft…Ich gehe davon aus (auf Grund verschiedener Aussagen von Menschen, welche womöglich Einblick haben in den inneren Zirkeln der Macht), dass es auch unter den „Führenden“ Menschen gibt, welche ihre Menschenwürde behalten haben und sich gegenüber solche Szenarien wehren.

  2. 4fairconomy sagt:

    Eigentlich ist es gut, dass Staatspapiere ihre Sicherheit verlieren. Das sollte die Investoren dazu animieren, sich genau zu überlegen, ob sie in Staatspapiere investieren wollen. Dies sollte sich disziplinierend auf die Staatsausgaben auf Pump auswirken, wenn es für Staaten schwieriger wird, ihre Schuldtitteln zu verkaufen.

    Problematisch sind allerdings alle Rahmenbedingungen, welche Leute praktisch zwingen, z.B. über ihre Altersvorsorge Staatsanleihen zu kaufen. Am System wurde und wird an so vielen Stellen manipuliert, dass es zunehmend schwerfällig wird und es sich nicht mehr selbst regulieren kann.

    Statt der Klausel hätte man von Beginn weg den Markt spielen lassen können. Es wäre pleite gegangen, was pleite ist. Die Lektion, Staatspapiere, Finanzinstitute und Hypothekarkredite sind nicht immer sicher, wäre zwar schmerzhaft gewesen… Aber vielleicht hätte dies die Einsicht gefördert, dass letztlich nur Investitionen in zukünftige Werte schaffende Unternehmen ein werterhaltendes Sparen ermöglichen. Wird mehr gespart oder sonstwie Vermögen vermehrt, als solche Unternehmen Geld aufnehmen, werden in Zukunft Ersparnisse vernichtet werden müssen – ob durch Inflation, Crash, Enteignung, Krieg usw.

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