Anleihenblase: Die Ursachen, die Folgen und das Gold

7. März 2009 | Kategorie: Kommentare

Das unter Rentenmarktprofis zurzeit – noch – hinter vorgehaltener Hand am heißesten diskutierte Thema: Wann platzt die Anleihenblase? Das ist gleichbedeutend mit der Frage, wann das Vertrauen in das Papiergeld schwindet. Zweifellos gibt es eine solche Blase. Fakt ist aber auch: Sie lässt sich mittels Geldschöpfung weiter vergrößern, ohne platzen zu müssen.´…

Wie weit, diskutiert der EZB-Rat gerade kontrovers. Oder anders formuliert: In der Europäischen Zentralbank kracht es gewaltig, weil es darum geht, ob – und wenn ja, in welchem Umfang – die Geldmenge über den Kauf von Wertpapieren (vornehmlich Anleihen) ausgeweitet werden soll. Das hieße letzten Endes: noch mehr Inflationspotenzial für die kommenden Jahre.

Aber wann? Versuchen wir uns an die Antwort heranzutasten. Manche Leser fragen sich zum Beispiel, wie es sein kann, dass nach der jüngsten Leitzinssenkung durch die EZB und der Bank von England die Kurse der Staatsanleihen im Gleichschritt mit dem Goldpreis stiegen, da doch beide Anlagekategorien einen gewissen Gegensatz bilden: Geldwert kontra Sachwert. Klare Antwort dazu: So etwas kann vorkommen. Denn Staatsanleihen angesehener öffentlicher Schuldner mit AAA-Rating – dazu gehören neben Deutschland sogar die total überschuldeten USA – gelten ebenso wie Gold als sog. sicherer Hafen, Gold darüber hinaus auch als Versicherung gegen jegliche Art von Wirtschaftskrise.

Die Reaktion der Börsianer auf die Zinssenkungen war wie üblich, nur ging dieses Mal alles etwas schneller, d.h. die Kurse der Bundesanleihen – danach auch die der US-Treasuries – schossen nach oben, der Goldpreis folgte ihnen ohne größere Verzögerung. Dass gleichzeitig die Aktienkurse (außer die der Edelmetallaktien, die sich weiter erholten) kräftig einbrachen, ist besonders damit zu erklären, dass Aktienfondsanleger erneut in Panik geraten, ihre Fondsanteile verkaufen und die Fondsmanager so zwingen, Aktien zu verkaufen. Ein Teufelskreis, der sich auch in den unter Verschluss gehaltenen Studien von Analysten zeigt. Diese sog. Buy-Side-Studien, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind, enthalten im Übrigen jede Menge an negativen Prognosen zu den Unternehmenserträgen der nächsten Jahre.

Dass Anleger vor einem solchen Hintergrund auf Nummer sicher gehen, darf also nicht verwundern. Und warum Gold am Ende Geld (in Form von Anleihen u.a.) schlagen wird, auch nicht: Gold bringt zwar keine Zinsen, erhält aber als klassischer internationaler Sachwert die Kaufkraft. Dagegen bringen Anleihen Zinsen (wenn auch immer geringere) und zurzeit sogar zusätzlich noch Kursgewinne, aber sie erhalten ihre Kaufkraft nur bei stabilem Geldwert bzw. steigern sie sogar in Zeiten der Deflation. Sobald die jetzt aufgrund der Wirtschaftskrise vorherrschende Deflationsmentalität wegen immer größer werdender Geldmengen, wegen weiter zunehmender staatlicher Eingriffe incl. ausufernder Schulden und wegen einer zu erwartenden konjunkturellen Initialzündung aus den Köpfen verschwindet und der Inflationsmentalität Platz macht, wird die Anleihenblase platzen, sodass die auf Sicherheit bedachten Anleger dann nicht nur – wie jetzt – vereinzelt, sondern scharenweise ins Gold (und Silber) fliehen werden. Danach wird auch wieder die Stunde der üblichen Aktien aus Dax, Dow Jones usw. schlagen.

Der Zeitpunkt für das Blaseplatzen lässt sich natürlich nicht genau bestimmen. Versuchen wir trotzdem, ihn aus der aktuellen Entwicklung wenigstens ungefähr abzuleiten. Wie Sie wissen, sind die Renditen zehnjähriger US-Anleihen schon längst unter 3 Prozent abgetaucht; die der deutschen Bundesanleihen sind ihnen inzwischen gefolgt. Nun könnte man einfach argumentieren: Die EZB – ebenso wie die US-Notenbank Fed – kauft AAA-Anleihen, tut damit etwas Gutes für die Staatsfinanzierung der Euro-Länder und erzielt eine (wenngleich nur magere) Rendite. Obendrein kauft sie Unternehmensanleihen, tut so auch etwas Gutes für die Finanzierung bestimmter Schlüsselindustrien und kassiert mit ihnen sogar eine höhere Rendite.

Das alles funktioniert so lange, bis die Rendite Null-Niveau erreicht hat. Wann ist das der Fall: Wenn die Null auf dem Papier steht bzw. vom Fernsehlaufband abgelesen werden kann? Oder wenn sie sich in den Köpfen der Fondsmanager eingenistet hat, die Portfolios von Großanlegern (Fonds, Pensionskassen u.a.) verwalten, die später höhere Inflationsraten erwarten und deshalb bereits in den kommenden Monaten mit einer realen Null rechnen, also mit einer um die Inflationsrate bereinigten Rendite? Sehr viel spricht für die zweite Variante. Denn vor der ersten haben Notenbanker wie auch Politiker der wichtigsten Volkswirtschaften eine Heidenangst, weil Japan seit fast zwei Jahrzehnten zeigt, wie verheerend sich die Papier-Null-Rendite auswirken kann. Fazit: Nimmt man alle Überlegungen zusammen, dürfte die Stimmung – auch unter politischem Druck – erst 2010 kippen, auf jeden Fall nach der Bundestagswahl. Dann aber nachhaltig, d.h. mit einer sich zunehmend ausbreitenden Inflationsmentalität der Anleger, was im Übrigen den Goldpreis schon jetzt wieder nach oben treibt.

Nun noch kurz zu einem mit den bisherigen Überlegungen indirekt verketteten Thema. Opel und die EZB haben eines gemeinsam: Beide sind aktuell – und bleiben bis auf Weiteres – Opfer des Spiels Schwarzer Peter. Man könnte den Bogen auch weiter spannen und viel mehr Opfer nennen, zum Beispiel Schaeffler und Continental, Geschäfts- und Landesbanken, Sparer und Aktionäre, Mieter und Vermieter, Arbeitnehmer und Rentner. Zu den besonders gewieften – oder sich zumindest gewieft gebenden – Kartenspielern gehören deutsche Politiker. Sie müssen den Schwarzen Peter noch über sechs Monate lang, bis zur Bundestagswahl, von sich fernhalten oder den anderen Spielern zuschieben, um nicht zu hohe Stimmenverluste zu erleiden. Die Konsequenzen reichen weit; sie betreffen auch Ihre persönlichen Finanzen, und zwar in einem Umfang, den Sie sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen.

Greifen wir zunächst die EZB heraus. Sie müsste zusätzlich zur Geldmengensteuerung über Anleihen das Problem der ungleichen Bonität (und damit Zinsbelastung) der Euro-Länder dringend angehen. Stattdessen sind von ihr dazu seit Wochen überwiegend Blubberblasen zu vernehmen. Die folgende Kritik des EZB-Kenners Häring vom Handelsblatt trifft den Kern: „Ohnehin erinnert die geheimnisvolle Bläh- und Formelsprache des EZB-Rats und seines Präsidenten fatal an Kommuniqués aus unseligen Sowjetzeiten oder vom chinesischen Volkskongress.“ So geschrieben kurz vor der jüngsten Entscheidung des Gremiums, den Leitzins auf 1,5 Prozent zu senken, den niedrigsten Stand seit Beginn der Währungsunion.

Der EZB-Rat ist in sich zerstritten. Derweil warten Politiker wie Luxemburgs Premier Juncker und EU-Kommissar Almunia mit Vorschlägen auf, auf welche Weise das Problem der ungleichen Finanzen der Euro-Länder zu beheben sei. So werden die Zentralbanker den Schwarzen Peter nicht mehr los – eine der Hauptursachen, warum der Euro im Vergleich zum Dollar schwächelt, obwohl die US-Währung eine Katastrophe für sich ist. Was das mit Ihren persönlichen Finanzen zu tun hat? Eine ganze Menge, denn hier bahnt sich ein Konflikt an, der durchaus mit dem Auseinanderbrechen des Euro-Währungsblocks enden könnte. Das heißt, dann sind alle Geldwerte in Gefahr, vor allem die langfristig angelegten, wie ein Großteil der Bundesanleihen und Rentenfonds, Sparbriefe und Lebensversicherungen. Dass Gold (und Silber) in einem solchen Fall der ultimative sichere Hafen ist, bleibt unbestritten, solange es keine Alternative gibt. Von vorübergehenden Preisrückgängen wie in der abgelaufenen Woche – und wie sie auch in Zukunft immer wieder vorkommen werden – sollten Sie sich auf keinen Fall irritieren lassen, sondern solche Gelegenheiten zu weiteren Gold- und Silberkäufen nutzen.

Manfred Gburek, 6. März 2009 www.gburek.eu

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