Anleihen unterm Hammer

21. Juni 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott  

Die vergangenen Wochen zählten an den Finanzmärkten zu den bedeutendsten des laufenden Jahres. Abseits des täglichen Rauschens der Nachrichtenkanäle zeigte sich, wie dünn die Liquidität an einigen Anleihemärkten ist und wie riskant vermeintliche risikoarme Investments in High Yield oder Emerging Markets Bonds sind…

An den Währungs- und Anleihemärkten kam es in den letzten Wochen zu wenig überraschenden Turbulenzen. Zuviele Investoren tummelten sich in Segmenten, deren Risiken sie nicht einschätzen konnten oder wollten. Viele tummeln sich dort immer noch, denn sie kamen nicht aus ihren Positionen heraus. Ein paar Millionen in Junk-Bonds investieren („da steht noch was drauf“), ein bisschen mehr in Fremdwährungsanleihen angelegt („Schwellenländer sind ja gut aufgestellt“) und schon klappt’s auch mit schnellen Verlusten. Nun erfuhren viele Investoren, darunter auch zahlreiche Institutionelle, was der Haken an illiquiden Märkten ist. Man kommt nicht raus, auch nicht wenn man muss.

Der Druck geht bisher vor allem von instituionellen Anlegern aus. Während viele Publikumsfonds noch schlummern weil deren Anteilseigner ihr Geld noch nicht rapide abziehen, sind viele mehr oder weniger professionelle Investoren so schnell wie möglich zum Ausgang geeilt. Gekostet hat der kurze Ausschlag an den Währungs- und Zinsmärkten schon jetzt die meisten die Performance der letzten 12 Monate oder mehr. Buchgewinne und Gewinne, der Unterschied zwischen diesen Begriffen wurde so manchem erneut schmerzhaft vor Augen geführt.

Die Mittelbewegungen bei Fonds mit dem Fokus auf europäischen High Yield Bonds sind nun seit zwei Wochen negativ. Diese Woche sollte sich dem Trend anschließen. Man darf gespannt sein, wie es um die Aufnahmefähigkeit des Marktes bei noch größeren Abflüssen von Geldern  „preisinsensitiver“ Anleger sein wird.

HY flow

Gerade die Anlagen in Fremdwährungsanleihen von Schwellenländern zeigte erneut, wie schnell die Ausgangstür in einem so engen Segment zuschlagen kann. Für viele Papiere kleinerer Emittenten gab und gibt es zeitweise keine Geldkurse. In diesem Fall wird der Besitzer der Anleihen seine Papiere schlicht nicht los. Fällt gleichzeitig die Währung, was von Brasilien bis Südafrika der Fall war, wird es richtig eklig. Die Anleihkurse fallen und gleichzeitig läuft ein Verlust aus der Fremdwährungsposition auf, der sich kaum oder nur extrem teuer absicher lässt. So verliert man dann in zwei Wochen schnell das, was man in mehr als einem Jahr an Buchgewinnen angesammelt hat.

Einen ersten Eindruck vermittelt der Verlauf eines Emerging Market Local Currency Funds. Einen Aktienanleger kann das kaum schocken, wer sich jedoch in der Anleihewelt tummelt, kann diesen Einsturz vermutlich gut einordnen.

em lc bond fund

Die Bewegungen der letzten Wochen an den Bond-, Aktien- und Währungsmärkten darf man wohl als die bedeutendsten seit längerer Zeit einstufen. Abgesehen von den meist schwer verdaulichen Gesängen einiger  „Fed-Watcher“ und „EZB-Interpreten“, die sich um die Exegese meist leerer Worthülsen balgen, ist die Datenlage auf Makro- und Mikroebene eindeutig. Die Earnings der Unternehmen dürften in vielen Regionen der Welt vorerst das Beste hinter sich haben. Auch die ebenso bemerkenswerte wie irrwitzige Margenexplosion in den USA, die auch diesmal ein temporäres Phänomen bleiben wird, ist alles andere als in einem frühlingshaftem Stadium. Wie gut die technisch zwar nicht mögliche aber dennoch bei den Medien beliebte „Rotation“ funktioniert, sieht man immer wieder bei assetklassenübergreifenden Schwächeanfällen. Wenn es fällt, dann fällt alles, die Korrelation der Assetklassen tendiert gegen eins. Viel Erfolg mit der Markowitz-Optimierung… (Seite 2)

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2 Kommentare auf "Anleihen unterm Hammer"

  1. braindead sagt:

    Klasse wie immer!

    kennt jemand Folker Hellmeyer?

    dann bitte ihm diesen Artikel mailen

    ggf. zum besseren Verständnis ausdrucken

    jeden Buchstaben auf eine A4 Seite und die Bildchen auf A0 Poster

    http://www.goldseiten.de/artikel/174460–Spitzenkonjunkturdaten-ggue.-Erwartung-und-aggressiver-Abverkauf-zyklischer-Aktiva.html

  2. EXE sagt:

    So sind Sie halt die Landesbänker.

    Wie es aber so ist das Geld ist nicht weg es hat nur ein anderer.

    bei den Landesbanken ist ja zur Not der Steuerzahler der Depp.

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