Anleihen: Morgen ist heute schon gestern

30. April 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Der große Bullenmarkt seit den 80er-Jahren, der an den Aktienmärkten zur Jahrtausendwende endete, hält an den Anleihemärkten noch immer an. Der Gesamtertrag von BBB-Unternehmensanleihen lag seit Ende der 80er Jahre bei mehreren hundert Prozent. Wer diese Entwicklung nun auch nur halbwegs fortschreibt macht mehr als nur einen Rechenfehler.Während der Schwerpunkt institutioneller Geldanlage bei Fixed Income Produkten liegt, wird in den Medien meist mehr von Aktien gesprochen, wenn es um „den Finanzmarkt“ geht. Vor allem bei der allabendlichen Massenbeglückung im TV steht der DAX im Fokus, wenn nicht gerade die eine oder andere Staatspleite zu lauern scheint.

Unter Ertragsgesichtspunkten wurde vielen Anlegern, allen Erfahrungen mit längeren Durstperioden zum Trotz, die vermeintliche Regel eingetrichtert, Aktien würden langfristig immer mehr Ertrag abwerfen als Anleihen. Das ist nicht ganz korrekt, auch wenn sich natürlich zur Stützung derartiger Thesen jederzeit ein passender Zeitraum zurechtlegen lässt.

Wer 1982 als Startpunkt wählt, der hat mit beiden Assetklassen gut verdient, wer das Jahr 2000 wählt, der sieht eine trostlose Welt der Aktie und mehr als eine Verdopplung bei BBB-Unternehmensanleihen bei deutlich geringerer Schwankungsbreite. Alles zu seiner Zeit heißt das Motto der Vernunft bei der Asset Allokation.

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Der oben sichtbare Bullenmarkt der Unternehmensanleihen ist schon technisch ausgehend von den aktuellen Renditeniveaus nicht wiederholbar. Um etwa die Performance seit dem Ende der massiven Korrektur 2009 in den kommenden 5 Jahren wiederholen zu können, müssten die Renditen zweistellige negative Prozentwerte erreichen. Auch ein Fortschreiben des längerfristigen Trends ist nicht möglich, eine Tatsache, die sich leider noch nicht bis in die Planungsstäbe mancher Pensionskasse herumgesprochen hat.

Selbst die Regulierer, die einigen Kassen ihre Ertragsziele vorschreiben, drängen die Anleger auf völlig absurde Pfade. So investieren derzeit viele institutionelle zum ersten Mal in High Yield Bonds, Infrastrukturfinanzierungen, Junk Debt Funds oder auch Private Equity. Der Grund ist die vermeintlich höhere Rendite derartiger Assetklassen. Die realisierte Rendite ist aber nicht das, was vor dem Kauf ausgewiesen wird, sondern das, was nach Fälligkeit oder Verkauf eines Papieres an Ertrag zu Buche steht.

Angesichts des doch arg weit fortgeschrittenen Status der Hausse und des zunehmenden Wahnsinns am High Yield Bondmarkt sowie in der Welt der Firmenübernahmen, darf man den Zeitpunkt derartiger Allokationsratschläge durchaus als zumindest sehr unglücklich wenn nicht gar verantwortungslos bezeichnen. Da werden noch viele Tränen der Enttäuschung fließen…

Den ersten Grundsatz der langfristigen Geldanlage, den Gelderhalt, opfert man der vagen Hoffnung darauf, in der Zukunft einen noch größeren Narren zu finden. Wer dies sein soll, bleibt angesichts der aktuellen Käuferschichten offen. Der Nachfrage am Markt für High Yield Bonds tut dies alles bisher keinen Abbruch, wie die Rekord-Emission des französischen Emittenten Numericable zeigt.

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Für bessere Unternehmensanleihen ist eine lang anhaltende Periode schwächerer Erträge wahrscheinlich. Relativ betrachtet kann dies jedoch viel besser sein, als das was Investments in Hochrisikoprodukte erwarten lassen. So sind die Ausfallraten guter Corporates selbst in harten Krisen vergleichsweise gering.

Bei schwachen Emittenten sieht die Situation ganz anders aus. Der folgende Chart zeigt die Entwicklung der Unternehmensgewinne (invertiert) und die Ausfallraten schwächerer Emittenten (Single B Rating). Für die kommende Periode der Margennormalisierung – die wird kommen – und damit sinkender Gewinne darf man sich auf eine deutlich höhere Zahl an Firmenpleiten in diesem Segment einstellen. Bezahlt wird der Anleger für dieses Risiko kaum noch.

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Der Blick auf die Verschuldung der Unternehmen in den Staaten relativ zum BIP zeigt, dass die angegliche Entschuldung der Firmen auf breiter Front ein Märchen ist. Dazu tragen seit einigen Jahren auf Grund der niedrigen Zinsen auch kreditfinanzierte Aktienrückkäufe bei. Einige Firmen können sich das leisten, andere nicht. Manche werden die zusätzliche Schuldenlast noch bitter bereuen.

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Die Entwicklungen auf der Makroebene sind bekannt, wenn auch nicht in allen “Wirtschafts-Redaktionen”. Die Gesamtverschuldung der glorreichen G7-Staaten relativ zum BIP liegt mit 420% immer noch nahe dem Spitzenwert vom Beginn der Krise, der bei rund 440% markiert wurde. Im Jahr 2000 lag der Wert noch bei 350%, von einer Konsolidierung oder gar Wende zum besseren sollte man daher ebenso wenig sprechen, wie von einem „ausreichenden Abbau der Verschuldung“. Der hat nicht stattgefunden, das Gegenteil ist der Fall, wobei es auch naiv wäre anzunehmen, durch ein paar verbale Maßnahmen würde sich an den Fakten etwas ändern. Aber in Zeiten, in denen der größte Staatssender einen Budgetsaldo nicht von einem Primärsaldo unterscheiden kann, sollte man sich über manche unterhaltsame Interpretation der wirtschaftlichen Situation nicht wundern.

So wird dann auch ein finanziell desolates Land zum „Sparweltmeister“. Man wird sicher zur passenden Zeit den passenden „externen Schock“ finden, der dann als alleiniger Faktor für etwaige Probleme verantwortlich gemacht werden kann.

Die Verschuldungsdaten lassen klar erkennen, warum man seitens der Schuldner in künstlich niedrig gehaltene Zinsen verbissen hat. Es ist schon prima, wenn der Schuldner den Zins festlegt, man darf gespannt sein, wann sich dieses Vorgehen auf dem Vermietungsmarkt durchsetzt. Der Versuch der Schuldner mit medialer Macht nun dem Sparer, sprich dem Gläubiger, die Inflation schmackhaft zu machen, ist wenig erstaunlich, wenn auch fachlich lächerlich. Deflation ist nicht die Ursache sondern das Symptom einer Krise.

Seisdrum, noch ein paar Jahre Propaganda und viele Bürger werden es begrüßen, wenn das Geld rasch an Wert verliert. Wenn das so toll ist, kann man den Effekt natürlich noch verstärken um die Freude zu steigern. Wie wäre es damit, nach jedem Einkauf einfach 10% der Einkäufe im Ofen zu verbrennen? Alternativ kann man auch einfach die Lohnverhandlungen aussetzen. Komischerweise wollen offenbar alle gleichzeitig, dass das Geld weniger wert ist, sie dafür aber beim Lohn einen Ausgleich erhalten. Das klingt eher so, als wünsche sich jeder, nur das Geld der anderen möge weniger wert sein …



 

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2 Kommentare auf "Anleihen: Morgen ist heute schon gestern"

  1. Skyjumper sagt:

    Und täglich grüsst das Murmeltier. Doch nein, wer will denn heutzutage zuverlässig ausschließen, dass es nicht doch im Laufe der nächsten Jahre zu 2-stelligen negativen Renditewerten kommt? Sicherlich ist das marktwirtschaftlich ausgeschlossen, aber mit entsprechend „sanfter“ staatlich-zentralbanklicher Nachhilfe sollte selbst das zu schaffen sein. Die Propagandamaschiene trommelt ja bereits entsprechend.

    Und wer heute noch daran glaubt das wir auch nur noch entfernt so etwas wie eine Marktwirftschaft hätten, der glaubt auch daran dass bei der Verpaarung von Osterhase und Weihnachtsmann ein Wirtschaftswunder gezeugt wird.

    Und warum wartet das Bankhaus Rott gespannt darauf wann es der Vermietungsmarkt dem Finanzmarkt nachmacht? Das ist doch bereits in seinen Ansätzen erkennbar. Staatlich verordnete Mietpreisbremsen sind letztlich nichts anderes als das Äquivalent zu zentralbanktechnisch verordneten Minizinsen.

  2. bluestar sagt:

    „Seisdrum, nach ein paar Jahren Propaganda und viele Bürger werden es begrüßen,
    wenn das Geld an Wert verliert.“
    Und Sie begrüßen bestimmt auch die Mietpreisbremse, auch wenn die nach hinten losgeht und definitiv zur Verknappung von Wohnraum sowie zu Investitionszurückhaltung im Bestand führen wird.
    Der Masse kann man halt alles verkaufen, sei es noch so unsinnig oder sogar schädlich.

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