Anleger zwischen Medien, Mainstream und Manipulation

30. November 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Manfred Gburek) Wenn in diesen Tagen von Medien, von ihrer vermeintlichen Macht und dann doch wieder Ohnmacht die Rede ist, kommt das Gespräch schnell auf das Internet, auf die mehr oder weniger nützlichen iPads und Smartphones, hin und wieder auch auf das Zeitungssterben, wie zuletzt in den Fällen Frankfurter Rundschau und Financial Times Deutschland, kurz FTD…

Welchen Nutzen Anleger wie aus welchen Medien ziehen, bleibt dabei ein Randthema…

Deshalb ist es kaum verwunderlich, wenn sie zunehmend alternative Medien wie etwa goldseiten.de oder anlegerfernsehen.de nutzen, weil sie dort bekommen, was sie suchen: ungefilterte Informationen aus erster Hand, Anregungen und Denkanstöße. Das folgende Beispiel erscheint da besonders interessant:

Auch wenn Sie des Themas Griechenland ebenso müde sein dürften wie ich, sollten Sie sich mit diesem Gedanken anfreunden: „Wir brauchen einen massiven starken Schuldenschnitt. Dann wäre das Land wieder in der Lage, sich selber zu finanzieren und ohne fremde Gelder über die Runden zu kommen.“ Das Zitat stammt ausnahmsweise nicht von einem der Redner aus Anlass der Bundestagsdebatte am Freitag, sondern von keinem Geringeren als dem Wirtschaftsweisen Peter Bofinger, entnommen einem von Andreas Scholz geführten Interview im Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), siehe oben.

Warum ich die Quelle betone? Weil dieser Spartensender, den Sie im Internet empfangen können, sich nach dem pfiffigen Wirtschaftsjournalisten Bernhard Jünemann (vorher Börse Online) eben auch Andreas Scholz geangelt hat. Der bekam dank seiner Kompetenz früher bei Bloomberg, einem weiteren Spartensender (Sendungen in deutscher Sprache inzwischen eingestellt), nach Belieben alle wichtigen Finanzleute vor das Mikrofon und auf die Mattscheibe. Das gelingt ihm an seinem neuen Arbeitsplatz auch immer häufiger. Und während jetzt in den nach Quote führenden Fernsehkanälen beim Thema Griechenland weiter um den heißen Brei herumlaviert wird, reden die Interviewpartner beim DAF Tacheles.

Pikante Note: Bernd Förtsch, ein ehemaliger Aktienspekulant aus Kulmbach, bekannt und berüchtigt unter anderem durch seine früheren Auftritte in der öffentlich-rechtlichen 3Sat Börse, kauft sich mit Bernhard Jünemann und Andreas Scholz Kompetenz und zeigt so den anderen Sendern einschließlich n-tv und N24 eine lange Nase. Oder um einen ehemaligen Slogan des öffentlich-rechtlichen Fernsehens abzuwandeln: Bei ARD und ZDF schlafen sie in der ersten Reihe, jedenfalls sofern es um die Wirtschafts- und Börsenberichterstattung geht. Und das, obwohl beide Kanäle auch kompetente Wirtschaftsjournalisten beschäftigen – nur kommen die viel zu selten zu Wort, und wenn doch, dann müssen sie sich mit ihrer eigenen Meinung extrem zurückhalten, wie mir einer von ihnen geflüstert hat.

Bei den Medien ist mittlerweile noch viel mehr in Bewegung geraten, am markantesten in den Fällen FTD, Börse Online, Impulse und Capital. Diese Blätter sind nur noch Schatten ihrer selbst. Der Ableger der englischen Financial Times wird nach vielen Verlustjahren sogar eingestellt. Kräftige Seitenhiebe der FAZ und vor allem des Handelsblatts gegen die FTD belegen, dass die Branche der Print-Wirtschaftsmedien zeitweise mehr mit sich selbst als mit ihren Lesern beschäftigt war und weiter ist. Derweil reißen, ausgehend vom Internet, die neuen Software- und Hardwaremedien von Google, Apple, Samsung, HTC, Amazon, Facebook und anderen immer größere Marktanteile an sich… (Seite 2)

Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , ,

Schreibe einen Kommentar