Anleger und Unternehmen erleiden Kollateralschäden

23. September 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Manfred Gburek

Nach Betrachtung der aktuellen Aktienkurse und Edelmetallpreise, besonders nach dem Aktienkollaps vom Donnerstag und dem Edelmetallkollaps vom Freitag, drängt sich zwangsläufig die Erinnerung an den Herbst 2008 auf. Damals verkauften Groß- und Kleinanleger im Zuge der Lehman-Pleite so ziemlich alles, um liquide zu bleiben. Und dieses Mal?

Keine Bankpleite, keine wirkliche Liquiditätsnot, dafür ratlose Politiker und Notenbanker, die – anders als 2008 – schon einen Großteil ihres Beruhigungspulvers verschossen haben und sich nun wundern, dass die Börsen ihnen nicht gehorchen. Folglich werden sie zur Beruhigung noch größeres Geschütz auffahren. Es sei denn, sie riskieren eine Depression, aber die wollen alle um fast jeden Preis der Welt verhindern.

Die Auffanglinie für den Goldpreis, vor der Jahreswende 2008/09 bei 750 Dollar, dürfte jetzt, wie hier schon vor einigen Wochen angedeutet, um 1600 Dollar liegen, für den Silberpreis, seinerzeit bei 9 Dollar, jetzt zwischen 25 und 30 Dollar. Für die Aktienkurse lassen sich noch keine vergleichbaren Angaben machen, weil Aktienindizes komplexe Gebilde sind, die anders als die beiden Edelmetalle nicht einfach ein einziges Gut verkörpern, sondern eine Vielzahl von Unternehmen mit unterschiedlichen Produkten, Dienstleistungen, Managern, Bilanzen usw. Und für einzelne Aktien, auch Edelmetallaktien, lassen zurzeit nur schwerlich Auffanglinien erkennen. Bis es so weit ist, werden noch einige Wochen vergehen.

Nun zum Aufreger Nummer eins von höherer Warte, zur traditionellen Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank in Washington. Dort scheint es in diesem Jahr nur ein Thema zu geben: immer feste drauf auf die Euro-Länder. Dabei handelt es sich um ein abgekartetes Spiel der Angelsachsen. Allerdings helfen die BRIC-Länder (Brasilien, Russland, Indien, China) zum Teil mit. So kommt es dann zwangsläufig zu allerlei absurden Vorschlägen, wie man den Euro retten könnte, vom Schuldenschnitt Griechenlands mit oder ohne Austritt aus der Euro-Zone bis zur Aufteilung in einen Nord- und einen Süd-Euro.

Vergessen Sie das alles sofort wieder, denn für die Rettung – besser gesagt: für die monetäre Integration so unterschiedlicher Länder wie Deutschland und Niederlande einerseits sowie Griechenland und Italien andererseits wird es einer sehr langen Zeit bedürfen. Im Übrigen muss man sich fragen: Rettung wovor? Etwa vor dem Absturz gegenüber dem maroden Dollar? Das kann ja wohl nicht wahr sein. Denn US-Präsident Barack Obama mag ein noch so tolles Konjunkturprogramm vorschlagen, gegen die Republikaner durchkommen wird er damit nicht. (Seite 2)

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5 Kommentare auf "Anleger und Unternehmen erleiden Kollateralschäden"

  1. FDominicus sagt:

    Sind wir wirklich „nur Kollateralschäden“ oder nicht eigentlich das beabsichtigte Ziel dieser Schädigung. Mithin das Ziel was man treffen (vernichten?) will?

  2. VickyColle sagt:

    „Haken wir das abgekartete Spiel ab…“

    Nee, wir können es eben nicht einfach abhaken – und zur Tagesordnung übergehen – denn genau DAS ist der Kernpunkt!

    Ich finde es immer wieder faszinierend mit welcher (Überheblichkeit) Kontinentaleuropäer daher gehen gegenüber den Briten und Amerikanern.
    Es gibt eine Menge positiver Eigenschaften die man sich von den Franzosen abschauen kann, DIESE gehört jedoch defintiv nicht dazu.

    Zumal gerade wir als Deutsche derzeit ziemlich vorsichtig sein sollten, denn das was da grade in Stellung gebracht wird, zielt direkt ins Herz von Europa (und das ist nicht in Paris).

    Gruss
    Vicky Colle

  3. Avantgarde sagt:

    „Im Übrigen muss man sich fragen: Rettung wovor? Etwa vor dem Absturz gegenüber dem maroden Dollar?“

    Leider wird Herr Gburek hier nicht mitlesen.
    Ansonsten müsste ich ihn fragen, ob er den Computermonitor vielleicht falsch herum hält, etwas zu viel getrunken oder gerade im Urlaub ist.

    Das Märchen vom wertlosen Dollar ist halt einfach nicht auszurotten – hilft aber nix die so oft tot gesagte Währung erfreut sich gerade an einem neuen Hoch – zweifellos nicht ganz zur Freude der Amis.

  4. […] Manfred Gburek: Anleger und Unternehmen erleiden Kollateralschäden […]

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