Anleger, hört die Signale!

14. April 2016 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Nicht nur in Europa, auch in den USA sah es zuletzt nach einer möglichen Wiederaufnahme von Quantitative Easing aus. Dies legen zumindest Äußerungen des ehemaligen Fed-Vorsitzenden Ben Bernanke nahe. Der hatte sich im März mit zwei Artikeln auf der Homepage des Brookings Institutes zum Thema Negativzinsen und sogenannten „Zielrenditen“ bei Staatsanleihen zu Wort gemeldet. Beides seien valide Optionen für eine Fortsetzung der unkonventionellen Geldpoitik.

Negativzinsen beurteilt der Vorgänger von Janet Yellen als vollkommen unproblematisch, da es in der Historie bereits häufiger negative Realzinsen gegeben habe. Mit Zielrenditen für mittel- und langfristige Staatsanleihen würde Bernanke das Volumen möglicher QE-Maßnahmen an das Erreichen einer bestimmten Zinsniveaus knüpfen. Beides zeigt einmal mehr das völlige Ausschalten von Marktmechanismen.

In einem dritten Artikel will sich Bernanke übrigens im April auch noch einmal zum Thema „Helikopter-Geld“ als letzte Option äußern – wir ahnen bereits mit welcher Empfehlung. Nun handelt es sich hierbei zwar „lediglich“ um die Meinung eines ehemaligen Fed-Vorsitzenden, es dürfte jedoch die weitere Richtung der US-Geldpolitik klar machen.

Viel Geld in einem engen Markt

Angesichts solcher Aussichten darf es dann auch nicht verwundern, dass die Edelmetalle und vor allem die Minen-Aktien zuletzt ein fulminantes Comeback feiern konnten. Insbesondere Silber-Titel standen ganz oben auf der Liste der Investoren und konnten sich teilweise bereits mehr als verdoppeln.

Erst kürzlich haben wir mit dem auf Edelmetall-Titel spezialisierten Fondsmanager Martin Siegel gesprochen, der für diese Bewegung eine einleuchtende Erklärung hat: Vor allem die Marktenge bei den Minen-Aktien sei für die starke Performance der letzten Monate verantwortlich gewesen. In Summe schätzt Siegel den Mittelzufluss in den Minen-Sektor auf rund 10 Mrd. USD. Und diese verhältnismäßig kleine Summe hätte die Kurse bereits durch die Decke gehen lassen.

Insbesondere im Silber-Sektor gebe es schlicht und ergreifend nicht genügend Aktien, um sich mit größeren Summen zu engagieren. So würden Investoren, die jetzt in den Edelmetall-Bereich einsteigen stets auch Silber-Aktien mitkaufen, und dies obwohl der kleine Bruder von Gold bislang noch kaum von der Stelle gekommen ist.

Allerdings seien die Minen-Aktien hier eben auch als Vorläufer zu den Metallen selbst zu sehen. Generell sieht es für Siegel jedoch so aus, als ob auch größere Adressen nun beginnen in die Minen-Titel umzuschichten. Eine Signalwirkung, die nach der jahrelangen Baisse nicht zu unterschätzen ist. Vielleicht ist es eben auch gerade die Vorahnung einer Wiederaufnahme von QE in den USA, die auch die großen institutionellen Anleger in die Gold- und Silbertitel drängt.

Auf dem Weg zur Entscheidung

Vielleicht erinnern Sie sich an das von uns beschriebene DAX-„Vexierbild“ (vgl. Abb.)? In Smart Investor 3/2016 haben wir im Rahmen der Rubrik „Charttechnik“ die indifferente Situation des deutschen Leitindex thematisiert. Nach dem erfolgreichen Test des Aufwärtskanals (blaue untere Linie) favorisieren wir das Szenario „Grün“ – das heißt die Fortsetzung des Aufwärtstrends nach Beendigung der Flaggen-Formation (grüne Linien – vgl. auch Smart Investor 4/2016).

2016_04_13-DAX

In der vergangenen Woche wurde es dann allerdings doch wieder sehr holprig, was die große Verunsicherung der Marktteilnehmer zeigt. Mit dem heutigen Tag sind wir dem „grünen“ Szenario jedoch wieder einen großen Schritt näher gekommen.

Der Markt eröffnete bereits mit einem Aufwärts-Gap und stieg darüber hinaus noch kräftig an. Damit brauchte er nur einen bemerkenswert kurzen Anlauf für einen erneuten Vorstoß auf den starken Widerstandsbereich zwischen 10.000 und 10.100 Punkten. Hier war der Index bereits mehrfach im Jahr 2014 und jüngst auch im März 2016 gescheitert (Balken mit Dreiecken).

Sollten dieser Bereich überzeugend überwunden werden können, muss man das Szenario „Rot“ (Schulter-Kopf-Schulter – SKS) praktisch als erledigt ansehen. Selbst wenn die Kurse danach wieder absacken würden, ließe sich das rein charttechnisch kaum noch als Spätwirkung der Schulter-Kopf-Schulter-Formation interpretieren.

Allerdings kann den Markt jederzeit ein „Schwarzer Schwan“ treffen, der die Aktienmärkte erneut in Panik versetzt und zu einer Flucht in „Sicherheit“ führt. Derartige Ereignisse sind definitionsgemäß nicht zu prognostizieren, weder hinsichtlich des Zeitpunkts, noch hinsichtlich des Ausmaßes und schon gar nicht, was die dynamischen Folgen anbelangt.

Trauriger Weise haben Politiker die Welt in einen Zustand geführt, in dem man selbst in Kern-Europa inzwischen zuvorderst an einen weiteren verheerenden Terroranschlag denkt. Selbst im Mainstream wird inzwischen offen darüber spekuliert, dass die bisherigen Anschläge – vor allem in Paris und Brüssel – möglicherweise nur Tests für einen viel umfassenderen Angriff waren. Zumindest in der Rückschau dürften die aktuelle Zeit bereits als Kriegszeit eingeordnet werden. Dass man derzeit zwar offiziell von einem „Krieg gegen den Terror“ spricht, jedoch den Begriff „Krieg(shandlung)“ für Terroranschläge auf europäischem Boden bewusst vermeidet, gehört nur zu einer der vielen Ungereimtheiten der aktuellen Lage.

„Tage, wie diese …“

Unabhängig von solchen Überlegungen bewegen wir uns aber auch nach Überwindung des angesprochenen Widerstandsbereichs noch bis etwa 10.800 DAX-Punkten in der angesprochenene Flaggenformation des Szenarios „Grün“. Das ist deshalb bedeutsam, weil die Flagge – im Gegensatz zur SKS, die eine Trendwende anzeigen soll – eine Trendfortsetzungsformation ist, in diesem Fall also die Wiederaufnahme des vorangegangenen Aufwärtstrends erwarten lässt.

Eine solche Fortsetzung des Aufwärtstrends begründet sich nach unserer Auffassung nicht mit der Erwartung stark steigender Unternehmensgewinne, sondern käme im Wesentlichen aus der Geldsphäre selbst. Hier wirkt zum einen natürlich die fortgesetzte Politik des billigen Geldes und der dadurch ausgelöste Anlagenotstand. Tage, wie diese, zeigen zum anderen aber auch die kurzfristig dominante Wirkung von Veränderungen des EUR/USD-Verhältnisses auf die exportabhängigen deutschen Aktien – schwacher Euro, starker DAX. Was die übergeordnete Marktphase von einer klassischen Liquiditätshausse unterscheidet, ist das Fehlen eines auch nur einigermaßen glaubwürdigen Ausstiegszenarios der Notenbanken. Jeder zaghafte Versuch in diese Richtung scheiterte bislang.

Im Ergebnis gab es noch mehr und noch billigeres Geld im System, dass sich seine Wege suchte – in Top-Immobilien, Aktien oder Edelmetalle. Wir sehen bereits diese Anlaufphase als Crack-up-Boom (CuB), wohl wissend, dass Ludwig von Mises damit lediglich die Endphase dieser Entwicklung bezeichnete. Entscheidend ist aus Sicht eines Anlegers, dass es für die Notenbanken bereits jetzt keinen Weg zurück gibt. Das gilt übrigens in besonderem Maße für das beschriebene „Schwarzer Schwan“-Ereignis, dass fast zwangsläufig zu einer noch weiteren Öffnung der Geldschleusen führen wird.

Fazit

Der Kurs der US-Geldpolitik ist vorgezeichnet: „Unkonventionelle“ Maßnahmen werden mehr und mehr zum neuen „Normal“. Böse gesagt: Die Zerstörung des Geldwerts wird nun zunehmend aggressiver angegangen – auch in Europa. Anleger, hört die Signale!

© Christoph Karl, Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

 

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