Organisierter Wahnsinn

16. April 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Weltverbesserer haben ständig neue Ideen. Sie leiden weniger daran, dass ihnen nichts mehr einfallen könnte, sondern sind in Sorge, dass es Widerstand gibt. Deshalb verpacken sie ihre teils irren Vorschläge für eine noch bessere Welt äußerst geschickt…

Sie sind auch bekannt dafür, ihre Pläne wie in der DDR überzuerfüllen. Und dabei erfüllen sie auch noch die sehnlichsten Wünsche der Lobbyisten wie bei quecksilberverseuchten Energiesparlampen. Vor der Banken-, Pharma- und Agrarlobby kriechen sie auf dem Boden. Angeblich soll der Regierungsbezirk in Brüssel das Zentrum der europäischen Lobbykratie sein, eine Art von politischem Rotlichtviertel.

Es gibt wieder Neuigkeiten von den Weltverbesserern, einen Vorstoß der EU-Oberen, dass sich Kaffeemaschinen künftig nach 40 Minuten automatisch abzuschalten haben. Darauf ein dreifaches Hurra! Wer weiß, was demnächst noch alles kommt. Nichts Gutes…

Zu stoppen sind Weltverbesserer nicht. Wie auch? Machen diese Leute mit Macht und Einfluss unser Leben leichter? Eher unübersichtlicher und vor allem teurer, denn der Erlass von Gesetzen, deren Überwachung und Ahndung von Verstößen kostet Geld. Aber es schafft Arbeitsplätze und ist überdies eine ergiebige Einnahmequelle für die Staatskasse.

Aufschwünge am Reißbrett

Wir benötigen künftig viele neue Dinge, weil die alten aus politischen oder anderen Gründen unkorrekt geworden sind, nicht nur neue Kaffeemaschinen. Für diejenigen mit der großer Nähe zu Entscheidern lohnte sich das Geschäftsmodell schon immer. Das Seltsame daran ist nur, dass die meisten Leute alles mitmachen. Sollten Entscheider zur Überzeugung kommen, ab morgen habe sich jeder mit einem lauten Hurra auf dem Bürgersteig zu entleeren, die meisten würden das würdevoll tun. Weltverbesserer müssen sich derzeit wegen Protest kaum Sorgen machen. Sie Simpelwesen-Kreaturen funktionieren tadellos. Die meisten Leute, so meine Beobachtungen, sehnen sich sogar nach mehr Orientierung und Vorgaben, um selbst weniger aktiv werden zu müssen. Eigenverantwortung ist heute lästig wie Pilzbefall im Mauerwerk.

Nur unser Bestes

Ach, es gibt so kleine Dinge, die passieren täglich. Von denen hört man. Darüber redet man. Fahren Sie mal ohne Gurt mit dem Auto durch die Gegend, habe ich mir sagen lassen. Nicht dass die zivile Polizeistreife um das Wohl des Autofahrers besorgt sei, nein, hier gibt es auch noch etwas Bares zu holen. Und es sichert auch noch Jobs.

Neulich musste ich mich vor drei Sicherheitsleuten der deutschen Bahn rechtfertigen, warum ich auf dem Bahnhof in Gernsheim unter freiem Himmel rauchen würde. Sie müssen wissen, dieser Bahnhof ist weder ein netter Ort noch ein Schmuckstück unserer Ried-Gemeinde, ganz im Gegenteil. Mir war noch nicht klar, dass alle Bahnhöfe inzwischen rauchfrei sind, selbst Bahnhöfe, deren Zustand an Bombenangriffe erinnern. Und ich konnte doch nicht ahnen, dass ich mit einer nicht mal achtlos weggeworfenen Zigarette diesen Ort noch mehr hätte verwüsten können. Allerdings, und das ist das Gute an der Sache, jedes meiner Vergehen, selbst jedes potentielle Vergehen, rechtfertigt den Job von drei Leuten und ernährt damit drei Familien.

Apropos Jobs… Seit 2001 hat die Sicherheitsbranche einen enormen Zuwachs an Umsatz und Bedarf an Beschützern vor den Börsen, was bekanntlich überall hinterm Busch lauert. Auch das sichert millionenfach die Arbeitsplätze, zwar etwas unproduktive, aber dafür schlecht bezahlte. Die Statistik freut sich auch und die Vollbeschäftigung kommt mit Lichtgeschwindigkeit näher.

Später verpetzen wir auch noch unsere Nachbarn und Freunde in der Öffentlichkeit oder auch anonym – vielleicht sogar für Payback-Punkte. Der Pranger ist wieder da, im Internet. Und die anonyme Petz-Hotline kommt als Nächstes. Ach, das wird herrlich! (Seite 2)

 

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3 Kommentare auf "Organisierter Wahnsinn"

  1. bluestar sagt:

    Hallo Herr Meyer,

    Rauchverbot, Reglementierung, totale Überwachung, ununterbrochene Propaganda sind für Ihre Sicherheit und denSchutz Ihrer Menschenrechte da !!!
    Im Zoo lebt es sich doch viel gemütlicher als in der Freiheit, oder ?
    Und die im Zoo geborenen kennen schon nichts anderes mehr, mögen ihn und
    lieben ihre Wärter, die sie sogar wählen dürfen. Der das beste Futter verspricht, der gewinnt
    dann meistens. Ist das nicht toll ???

    VG aus Leipzig

  2. bluestar sagt:

    Toll, dann haben wir ja ähnliche Wurzeln:)
    Kommen Sie doch wieder einmal nach LE, ich lade Sie zum lustigen Zoobummel ein.
    Gib mir viele Bananen, Facebook, Spielkonsole, einen Flachbildschirm – und mir ist egal wer
    gerade die Regierung stellt….. Sorry, das Zitat aus den allseits geliebten Staaten habe ich doch etwas verdreht….Muss wieder mehr Bananen essen und weniger Rauchen.

    VG und einen sonnigen Tag für Sie.

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