Angriff auf Sparer und Bargeld

23. November 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Zahlen wir künftig auch noch Zinsen für unsere Bankguthaben an die Bank – und diese nicht mehr an uns? Noch ist es nicht soweit. Den Zinsen geht es an den Kragen. Und bald auch dem Bargeld?

Danke EZB! Die Geldpolitik zeigt Wirkung, wenn auch in die falsche Richtung. Entweder man hat dort keinen Plan oder der Plan ist genial. Wir werden sehen, wenn es zu spät ist, versteht sich. Ihre Negativzinsen wirken sich inzwischen auf die Sparguthaben aus. Und Horter von Geld sollte man tunlichst aus selbigem vertreiben.

Für XXL-Guthaben wie die von Unternehmen verlangt die Commerzbank jetzt einen Negativ-Zins, den sie aber in orwellscher Art „Guthaben-Gebühr“ nennt. Das regt die meisten wenig auf, geht es doch um Gut und Haben. Und für Gebühren bekommt man oft auch was. Ich denke an die GEZ…

Trifft es mit den Minus-Zinsen bald auch die kleinen Sparer? Könnte sein. Alles andere wäre ja ein Wunder, wenn Skatbank, Commerzbank und WGZ-Bank die Vorreiter für eine vermeintlich bessere Zinswelt sind.

Minus-Zinsen bedeuten: Investiert und/oder gebt das Geld aus, sonst wird es nach und nach weniger. Was kann man tun? Verbraucherschützer raten, sich damit abzufinden. Nein! Bei Strafzinsen für Guthaben hebe ich das Geld eben ab, allein schon aus Prinzip. Ob es Einbrecher zu Hause abholen oder es vom Konto langsam verschwindet, ist am Ende das Gleiche.

Was aber, wenn die Leute ihr Geld wirklich von der Bank holen? Weltverbesserer wie US-Starökonom Kenneth Rogoff kommen mit einer für sie einfachen und genialen Idee um die Ecke geschossen: Das Bargeld abschaffen! Bargeld stört bekanntlich negative Zinsen. Diese Tür müsste zugemacht werden, um dem Glück dieser Welt Geltung zu verleihen. Dann könnte niemand mehr ausweichen. Wäre ja noch schöner!

Für mich ist das ein verbaler Anschlag auf die Freiheit, denn Bares ist so etwas wie das, nur gedruckt. Man kann Rogoffs Ergüsse lustig finden, aber er meint es ernst und „Ken“ ist lange schon nicht mehr allein. Allein schon die Diskussion um Bakterien auf den Scheinen trieb manch seltsame Blüte. Wenn Ebola oder Schweinegrippe die Geldscheine erst befallen „könnten“, ists schnell vorbei mit der Geldherumwechselei.

In Schweden gilt Bargeld inzwischen schon als verpönt. Die Weltverbesserer dort meinen ja, Leute mit Bargeld haben etwas zu verbergen. Elektronisches Geld dagegen sei hygienisch, modern, politisch korrekt und voll überwachbar. Der Kampf gegen Bargeld geht schon in die nächste Runde. Ich weiß nicht, welche Luft diese Weltverbesserer atmen, aber sie sollten dringend die Fenster öffnen. Und die Sparer endlich ihre Augen.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langversion)




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