An Salz kann man sich nicht satt essen

5. August 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott 

Der starke Kursverlust bei K+S war eines der heißer diskutierten Themen der vergangenen Woche. Leider kam von weiten Teilen der deutschen Presse lediglich das übliche Gejammer über „Hegde-Fonds“ und „Spekulanten“. Dabei ist der Blick auf die langfristige Entwicklung der Kalipreise doch viel interessanter …

Einige deutsche Gazetten waren sich in den letzten Tagen in all ihrer fachlichen Schlichtheit erneut nicht zu schade, um wieder in Hedge Funds und Spekulanten die Ursachen des Kurseinbruchs bei der K+S Aktie zu finden. So manche Gazette ließ, so lassen die Berichte vermuten, mal wieder die Praktikanten von der Kette.

Bemerkenswert wenig wurde über den Kalimarkt und die Kalipreis in der langfristigen Betrachtung geschrieben. Das ist sehr schade, wenn auch der Unterhaltungswert mancher „Börsenberichte“ nicht gänzlich abzustreiten ist.

Zur Beurteilung des Statements des Unternehmens Uralkali fand sich im WSJ Deutschland ein geradezu herzerfrischendes Zitat, das quasi direkt vom Parkett stammt, auf dem sich bekanntermaßen nur Experten tummeln.

(WSJ D) Auch an der Börse wurde die Warnung von Uralkali mit Kopfschütteln quittiert. „Das Ganze ist merkwürdig, warum sollte sich ein Unternehmenslenker bei einer Guidance so drastisch äußern, im vollen Wissen, dass er damit auch den eigenen Aktienkurs zum Absturz bringt“ fragte ein anderer Marktteilnehmer.

Dieser andere Marktteilnehmer hat es sich offensichtlich in der Wohlfühlfinanzwelt 2.0 schon bequem eingerichtet und kann sich nicht einmal mehr vorstellen, dass ein Unternehmen einen negativen Ausblick gibt. Viel Vergnügen in den kommenden Jahren, werter „anderer Marktteilnehmer“.

Der Chef von Uralkali, W. Baumgertner, hatte gesagt, er erwarte einen Rückgang der Kalipreise unter die Marke von 300 Dollar pro Tonne. Im Hause K+S kann man mit den Anmerkungen von Uralkali nicht viel anfangen, was vermutlich daran liegt, dass man auf tieferen Niveaus schnell in die Verlustzone rutschen würde. Was nicht sein darf, kann halt nicht passieren …

Aus der Public Relations Einheit von K+S stammt folgende Stellungnahme:

Ein Wettbewerber unseres Geschäftsbereichs Kali- und Magnesiumprodukte – die russische Uralkali – hat heute den Austritt aus einer mit der weißrussischen Belaruskali gemeinsam betriebenen Vertriebsorganisation BPC bekanntgegeben. Das Unternehmen will zukünftig seine Produkte über eine eigene Organisation vermarkten.

Diese Ankündigung und weitere durch uns nicht verifizierbare Aussagen seitens Uralkali führen derzeit zu erheblichen Irritationen. Die in der Presse kolportierten Preise für Kalidüngemittel sind für uns nicht nachvollziehbar und entsprechen aus unserer Sicht in keiner Weise der aktuellen Angebots- und Nachfragesituation.

Die positiven mittel- und langfristigen Trends im Kalidüngemittelgeschäft haben nach wie vor Bestand.

Eine umfassende Bewertung der aktuellen Situation ist uns derzeit nicht möglich. Wir beobachten die weitere Entwicklung sehr genau.

Ein paar Minuten Zeit, sich mit den Basisdaten der Hauptertragskomponenten des Unternehmens und dessen historischer Entwicklung zu werfen, nahm sich kaum jemand. Das stets als Ausrede hochgehaltene Argument Zeitmangel darf man nicht gelten lassen, denn diese Daten sind öffentlich zugänglich und für jeden Zeitungsangestellten verfügbar. Dazu reicht das Berufsverständnis vieler Autoren, die man nicht als Journalisten bezeichnen sollte, offensichtlich nicht mehr aus… (Seite 2)

 

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3 Kommentare auf "An Salz kann man sich nicht satt essen"

  1. Reiner Vogels sagt:

    Vielen Dank für dieses köstliche Zitat:

    “Das Ganze ist merkwürdig, warum sollte sich ein Unternehmenslenker bei einer Guidance so drastisch äußern, im vollen Wissen, dass er damit auch den eigenen Aktienkurs zum Absturz bringt” fragte ein anderer Marktteilnehmer.“

    Wenn, wovon man getrost ausgehen kann, die Einstellung des „anderen Marktteilnehmers“ in der Finanzwelt und in Vorstandsetagen vieler Unternehmen durchaus nicht selten ist, sollte man als nüchterner Mensch alle „Stimmungsindikatoren“ (IFO, GFK, ZEW) nur mit einem ganz großen Korn Salz (vielleicht sogar von K+S) genießen. Wenn negative, aber ehrliche Wirtschaftserwartungen nicht geäußert werden, um „Schlimmeres“ zu verhindern, sind diese Stimmungsindikatoren nicht viel wert. Gut zu wissen!

  2. Martin Berger sagt:

    @ Bankhaus Rott

    Sicherlich kann der Kalipreis fallen. Aber, wie sagte mal jemand sinngemäß: Prognosen sind schwierig, gerade, wenn sie die Zukunft betreffen.

    Wie sehen Sie denn in diesem Zusammenhang den großen Aktienkauf, der unmittelbar zuvor stattgefunden hat? http://www.aktiencheck.de/exklusiv/Artikel-K_S_Aktie_schmutzigen_Tricks_Wallstreet-5172484

    Es wäre sicherlich das erste Mal, dass das aus Unwissenheit geschah.

  3. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo Martin Berger,

    ja, unsere Aussage zum Kalipreis sollte daher auch keine Prognose zum künftigen Preis darstellen. Da man nun diese Preise nicht kennt, sollte man sich mit den Möglichkeiten und daraus resultierenden Situationen für das Unternehmen beschäftigen. Die Hoffnung auf ein anhaltend hohes Niveau ersetzt bekanntlich keine Geschäfts- oder Anlagestrategie.

    Bei den großen Käufen ist es wie mit den großen Verkäufen. Jedem Verkauf steht ein Kauf gegenüber und umgekehrt. So kann man fragen, wer große Blöcke gekauft hat. Die Frage, wer denn diese Blöcke verkauft hat, ist allerdings ebenso berechtigt.

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

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