An die Abschlussklasse von 2012

5. Juni 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bill Bonner) Ich verbrachte das Wochenende in Charlottesville, Virginia, bei der Universitäts-Abschlussfeier meines Sohnes Henry. Die Universität von Virginia (UVA) ist wohl der ansehnlichste Campus in Amerika. Vor allem im Mai. Dort gibt es einen zentral gelegenen, grünen Vorplatz mit Gebäuden mit Säulenhalle im griechisch-römischen Stil. An einem Ende steht die berühmte „Rotunda“. Blumen und Bäume blühen wohin man blickt…

Ich kenne keinen anderen Präsident, der etwas Gleichwertiges erreicht hätte. Einige haben zweifelhafte Kriege geführt. Einige riefen dubiose Sozialprogramme aufgestellt. Die besten von ihnen verbummelten ihre Karriere, schüttelten Hände, machten Deals und schlurften von der Bühne, die sie nicht besser und nicht schlechter hinterließen, als sie war, bevor damals für sie der erste Vorhang fiel. Doch Mr. Jefferson hinterließ ein architektonisches Denkmal, das einfach atemberaubend ist. Er wäre heute sehr stolz darauf.

Die Reden bei der Verabschiedung waren jedoch keineswegs atemberaubend. Stattdessen gab es nichts als diese üblichen hohlen Phrasen, die man mit den Rednern einer solchen Veranstaltung verbindet. Einer drängte die Schüler hinaus in die Welt zu gehen und „etwas zu bewegen“. Ein anderer sagte ihnen, sie sollen ihre Ausbildung für große öffentliche Zwecke nutzen. Ein anderer drängte darauf, dass sie die Führungskräfte von morgen werden sollen. Alle erklärten, dass die Jahre an der UVA (keiner sagte etwas von dem Geld) eine gute Investition gewesen sind, sowohl prägend als auch entscheidend. Sie haben sie zu den bestimmten und fähigen Menschen gemacht, die sie nun angeblich sind.

Jefferson hätte mit den Augen gerollt.

Hiermit biete ich eine alternative Abschlussrede. Eine ehrliche Ansage an die Abschlussklasse von 2012. Eine, mit der ich niemals gebeten werde sie zu halten:

Ich sehe Sie hier vor mir. Angeordnet in alphabetischer Reihenfolge. Von Mr. Aaron von Alexandria nach Mr. Zyman von Richmond. Sie haben sich alle schick gemacht, Sie tragen die antike Kleidung, die Gelehrte seit hunderten von Jahren geprägt hat. Und in ein paar Minuten werden Sie die Quasten an ihren lustigen, kleinen Hütchen von rechts nach links hängen um zu zeigen, dass Ihnen der Bachelor-Abschluss anerkannt wird. Das bedeutet, dass Sie in den Kreis der wenigen aufgenommen werden, der Elite, der Gelehrten.

Aber wie viele von Ihnen sind wirklich gelehrt? Wie viele von Ihnen sind Schwindler? Wie viele sind in der Lage ein einfaches Essay zu verfassen? Wie viele können ein lateinisches Verb deklinieren? Wie viele beherrschen Infinitesimalrechnung und Quantenphysik?

Sie haben von einer Gruppe Männer in einem alten englischen Club gehört. Der Kellner kommt zu ihnen und fragt, ob sie gerne etwas Hock möchten. Einer von ihnen sagte geschickt „hic, haec, hoc“. Also kam der Kellner zurück, mit Drinks für alle außer ihm. Als er fragte wieso, antwortete der Keller: „Aber Sir, Sie haben den Hock dekliniert“ (engl. declined=abgelehnt)

Wie viele von Ihnen haben den Witz verstanden?

Ich stelle diese Frage nur, weil ich misstrauisch bin. Viele College Absolventen von heute können kaum als ‚Intellektuelle‘ bezeichnet werden. (—> Seite 2)

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7 Kommentare auf "An die Abschlussklasse von 2012"

  1. FDominicus sagt:

    Das ist bös geschrieben, gilt aber auch für Deutschland.

    Nur bei uns wird das Alles vom Steuerzahler bezahlt, wie „gerecht“.

    Was aber definitiv vergessen wurde. Benutzen Sie Ihren Kopf um selber zu denken, kostet Sie das mindestens 2 Noten ;-( Und in VWL könnte es nur noch zur schlechtesten aller Noten reichen und damit auch das Studium rabiat verkürzen….

  2. Reiner Vogels sagt:

    Im amerikanischen Universitätsbetrieb kenne ich mich nicht aus, wohl aber ein bisschen im deutschen. Deshalb erlaube ich mir einen Kommentar. Ich vermute nämlich, dass die Dinge in Deutschland nicht viel anders sind als in den USA.

    Was die Ist-Beschreibung betrifft, so hat Herr Bonner m.E. weitgehend recht. Fraglich ist nur, ob seine Schlussfolgerung und seine Bewertung richtig sind: Wenn es stimmt, dass der Betrieb in den Geisteswissenschaften zu einem guten Teil ein Dschungel von Showgeschäft, Intrigen, Finten, Eifersüchteleien der verschiedenen „wissenschaftlichen“ Denkschulen und ein einziger Jahrmarkt der Eitelkeiten ist, dann muss doch doch Frage erlaubt sein, ob dieser Unibetrieb nicht gerade deshalb eine gute Vorbereitung auf das Berufsleben ist.

    Man muss doch fragen, ob es in den politischen Institutionen, den Medien und auch den großen Konzernen nicht letztlich ähnlich zugeht. Und folgt daraus nicht, dass derjenige, der es gelernt hat, im Showgeschäft der Uni und im dortigen Wettbewerb der Egomanen zu bestehen und erfolgreich einen Abschluss zu gewinnen, damit unter Beweis gestellt hat, dass er das wohl auch in den ähnlichen Milieus der leitenden Instutionen unserer Gesellschaft kann?

    Dass dabei solides und brauchbares Wissen nur eine Nebenrolle spielt, ist geschenkt. Ich habe immer gehofft, dass es in den Natur- und Ingenieurswissenschaften anders aussieht. Wenn ich aber sehe, wie sich die Naturwissenschaft heute von der Klimalüge einkaufen und prostituieren lässt, habe inzwischen auch in dieser Hinsicht Zweifel. Vielleicht hatte Luther doch recht, als er schrieb, dass die Vernunft eine Hure ist.

    • Avantgarde sagt:

      Die alleinige mediale Fokussierung auf CO2 sowie den Handel mit Verschmutzungsrechten finde ich zwar auch ein bischen lächerlich aber von einer „Klimalüge“ würde ich dennoch nicht sprechen.

      Schauen Sie sich mal den giganischen Verbrauch der Ressourcen an.
      Über lange Zeiträume eingelagerte Stoffe werden vom Mensch nun innerhalb eines recht kurzen Zeitraums in Umlauf gebracht.
      Die Weltbevölkerung ist im Verdoppelungsmodus.

      Anzunehmen all das hätte keinen Einfluß auf die Umwelt ist wohl die aller größte Lüge!

      CO2 ist wie Methan zeifellos ein Klimagas – welchen Einfluß dies zusammen mit den Wolken, dem Verbrauch von Vegitationszonen der Sonne und anderen Größen letztendlich genau hat mag vielleicht nicht exakt vorherbestimmbar sein.

      Wir täten aber gut daran uns nicht leichtfertig für irgend eine Meinung instrumentalisieren zu lassen.
      Hinter der „Klimalüge“ stehen gewaltige Wirtschaftsinteressen bestimmter Leute.
      Diese Leute denken nicht an die übernächste Generation sondern nur an sich selbst.
      Einfach noch mal Nachdenken!

      • Reiner Vogels sagt:

        @Avantgarde

        Bitte lesen Sie: http://www.worldscinet.com/ijmpb/23/2303/S021797920904984X.html

        Außerdem hat die promovierte Physikerin A. Merkel letzte Woche in Berlin indirekt zugegeben, dass es sich bei der Klimathese nicht um eine naturwissenschaftlich gesicherte Erkenntnis, sondern um eine Glaubensfrage handle. Sie hat nämlich ausgeführt: „Ich gehöre zu denen, die glauben, dass etwas mit dem Klima passiert.“

        Siehe: http://www.bundeskanzlerin.de/Content/DE/Rede/2012/05/2012-05-09-rede-wbgu-symposium.html

        Sie weiß als Physikerin nämlich ganz genau, dass wissenschaftlich die Sache alles andere als klar ist. Es ist eben eine Glaubensfrage. Seit dem Ende der Religionskriege im 16. und 17. Jahrhundert weiß man in Europa allerdings, dass man persönliche Glaubensüberzeugungen nicht zur Grundlage für staatliche Gesetze machen darf, die für alle gelten.

        • Fnord23 sagt:

          Lieber Bill Bonner, dies haben Sie mir aus der Seele geschrieben.

          Hallo Reiner Vogels,
          das Thema CO2-Lüge hatten wir ja hier ja schon hin und wieder.
          Ich denke auch, dass hinter der CO2 „Panikmache“ natürlich auch knallharte wirtschatliche Interessen stehen. Oder geht es hauptsächlich um den Aufbau einer dezentrale Energieversorgung der Zukunft?
          Die ganze Sache wird doch wieder von der Politik mit den allseits bekannten psychologischen Tricks gelenkt. Erst Angst machen und wenn dann einige noch nicht anspringen wollen, dann gibt es die obligatorische staatliche Förderung (Gier) oben drauf.

          Mir sind ein paar 100k Windmüller und Solarheimer lieber, als ein Oligopol Stromkonzerne.

          VG aus der Kälte

  3. Reiner Vogels sagt:

    Sorry, Frau Merkel hat das natürlich nicht letzte Woche, sondern im letzten Monat gesagt.

  4. EuroTanic sagt:

    Eine gute Strategie des Teufels ist es, die Menschheit mit unsinnigen Dingen zu beschäftigen, die sie davon abhält wirklich sinnvolle Dinge zu tun. Diese Lebensform haben wir zur „kunstform“ erhoben.

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