Amerikas Fabriken sind in der Rezession

24. November 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Ich brauchte ein Paar gute Arbeitsstiefel; an den Wochenenden bin ich weiterhin damit beschäftigt, ein altes Farm Haus zu renovieren. Bisher habe ich noch nie ein in Frankreich hergestelltes Model gefunden, das richtig gut gepasst hat. Also habe ich mich online umgesehen, ob ich mir ein Paar amerikanische Stiefel liefern lassen kann. Zu meiner großen Freude hat mein alter Favorit – Red Wing – einige Läden in verschiedenen Städten Europas und verschiffte auch nach Frankreich.

Sie waren absurd teuer – 299 Dollar – aber ich kalkulierte, dass ich sie wohl für den Rest meines Lebens würde nutzen können. Die Stiefel kamen an einem Samstag hier an und sie waren genau wie die, die ich schon vor 40 Jahren gekauft hatte. Die gleiche steife und solide Konstruktion. Der gleiche reichhaltige Geruch des Leders und der Leisten. Die gleiche Einfachheit Minnesotas.

Aber irgendetwas war anders. Innen, in den Stiefeln, steckte ein Prospekt, der die Geschichte des Unternehmens anpries. Es war stylisches Werbematerial; das hätte ich nicht erwartet von einer so bodenständigen Stiefelfirma. Noch bemerkenswerter waren die Fotos. Sie zeigten junge Leute in verschiedenen modischen städtischen Umgebungen: Brooklyn, San Fransisco, Berlin. Alles waren Hipster!

Nicht ein einziges Bild zeigte, wie ein Mann etwas hebt, schleppt, dreht, hämmert oder schneidet – Dinge also, von denen man annimmt, dass man sie mit diesen Stiefeln tun sollte. Stattdessen sind sie nun da, um abzuhängen… in Bars zu gehen… und cool auszusehen. Sie sind zu einem Fashion Item geworden.

Eine Rezession der Fabrikation

Was ist passiert? Wie ist es dazu gekommen, dass die Werbezielgruppe von Amerikas führenden Arbeitsstiefeln nicht mehr Amerikas Arbeiter sind? Ein Grund: Die amerikanischen Arbeiter brauchen sie nicht mehr…

Dies kam zuletzt von dem Kollegen Alan Tonelson:

Die Schlagzeilen über das Wachstum des Arbeitsmarktes waren absolut übertrieben, aufgrund der außergewöhnlichen und nicht berichteten saisonalen Faktoren.

Ebenfalls suspekt (oder zumindest interessant) ist der Bericht, dass nahezu alle Arbeitsplatzzuwächse durch Arbeiter im Alter von 55 oder mehr zustande kamen. Seit 2007, so berichtet das U.S. Bureau of Labor Statistics, wurden in der Altersgruppe ab 55 Jahren über 7,5 Millionen Jobs dazugewonnen.

Die Gruppe der Arbeiter unter 55 Jahren jedoch hat insgesamt 4,8 Millionen Jobs verloren.

Tiefergehende Probleme

Doch Red Wing hat tiefergehende Problem… Zum einen können die Käufer Stiefel anderswo günstiger bekommen. Im Ausland hergestellt, mit künstlichem Material, sind diese neuen Stiefel vermutlich genauso gut, wie billig. Zum anderen können sich die amerikanischen Arbeiter möglicherweise amerikanische Stiefel nicht mehr leisten.

Effektiv verdient der durchschnittliche Mensch im Arbeitsalter in den Vereinigten Staaten heute weniger als noch 1975, vor nur 40 Jahren.

Außerdem ist die „Erwerbsquote“ – welche die Zahl der Menschen in Beschäftigung und auf der aktiven Suche nach Beschäftigung misst – wieder da, wo sie 1967 war.

Damals hat sie reflektiert, dass Frauen wesentlich seltener einen Job hatten. Sie blieben zu Hause kümmerten sich um die Familie. Nun sind es die Männer, die häufiger ohne Job sind. Was sie tun, ist nicht ganz klar. Aber sie brauchen dafür zumindest keine in Amerika gefertigten Stiefel.

Unter diesen Umständen scheint Red Wing genau die richtigen Schritte gegangen zu sein…

Ein Top Volkswirt lebt in einer Traumwelt

von Bill Bonner

Die Matriarchin einer Familie – sagen wir eine, wie JFKs Mutter Rose Kennedy – kann für ihren ganzen Clan sprechen…

… der ehemalige Gouverneur und Bürgermeister William Donald Schaefer hat stets behauptet für alle Einwohner Baltimores zu sprechen…

… der französische Präsident Charles de Gaulle hat großartig für ganz Frankreich gesprochen…

…doch nur ein führender Ökonom, oder ein komplett Geisteskranker, würde sich anmaßen, für einen ganzen Planeten zu sprechen.

Der große Problemlöser

Es gibt eine ganze Reihe von Adjektiven, die man auf Larry Summers anwenden kann: wichtigtuerisch, töricht, idiotisch. Aber nicht kleingeistig. Sein Gehirn ist groß… unmöglich groß. Ich meine, man kann ihn immer alles fragen. Wirklich, kein Themengebiet ist so komplex, so weit entfernt oder so krass, dass es Mr. Summers verwirren würde.

Der MIT und Harvard Absolvent… ehemalige Präsident von Harvard… ehemalige US-Finanzminister… ehemalige Chefökonom der Weltbank… dieser Summers schreibt nun für die britische Zeitung Financial Times.

In seinen Kolumnen lernt man, wie die Probleme der Menschheit gelöst werden… die Herausforderungen der Welt bewältigt werden… und galaktische Belange geklärt werden. Ja, Larry – einer von Präsident Obamas Kandidaten für die Stelle von Ben Bernanke an der Fed und ehemaliger Direktor des National Economic Council – ist der große Problemlöser.

Noch nie ist eine Situation aufgetreten, für die er keine Lösung hatte. Und nie ist eine Lösung so fehlgeschlagen, dass er nicht damit davon kommen würde mit einer weiteren Lösung oder einer weiteren oder einer weiteren.

Der Beschützer der Welt

Man muss immer auf alle Möglichkeiten achten, denn niemand weiß wirklich, was die Zukunft bringen wird. Deshalb ist es so wichtig, dass es Menschen wie Lawrence Henry Summers gibt.
Er weiß Dinge, die anderen Sterblichen vorborgen bleiben. Er hat die Antworten auf Fragen, die der Rest von uns noch nicht einmal als zu Fragen wert erachtet hat. Nehmen wir, beispielsweise, China. Wer weiß denn, was genau in China vor sich geht?

Niemand.

Ist das ein Problem? Nicht wirklich. Wieso müssen wir das auch wissen?

Ein chinesischer Hauseigentümer muss herausfinden, wie er noch für seinen Reis und Fischaugen bezahlen kann. Der chinesische Fabrikbesitzer muss die Lokalpolitiker bestechen, um die Zahlung seiner Schulden aufzuschieben. Der chinesische Investor muss erraten, welchen Weg die Märkte einschlagen werden – genau wie die Investoren überall anders auf der Welt.

Wir alle haben unsere Herausforderungen zu bewältigen, mit anderen Worten…. Und die Auswahl unserer Kompetenzen ist stark beschränkt. Doch dann kommt Larry Summers. Mit einem Mal sind die Grenzen des ehrlichen Denkens und bescheidenen Ertüchtigungen wie weggeblasen. Kein Problem ist zu groß für Larrys Gehirn. Und kein Detail ist klein genug, dass seine Füße nicht darüber stolpern würden.

Und er denkt nicht einmal nur für sich selber. Er ist zu dem Gehirn, der Stimme und dem Beschützer der ganzen Welt geworden. Dies schrieb Summers in der Financial Times:

Der Welt mangelt es an einem gemeinsamen Übereinkommen, was die Ziele der Evolution der chinesischen Wirtschaft betrifft. Die Ziele der Chinapolitik auf kurze oder mittelfristige Sicht und die institutionellen Strukturen mussten sowohl die Kooperation, als auch die unausweichlichen Spannungen managen.

Ich schnappe nach Luft!

Was für eine Art Mensch soll das sein? Wann hatte die Welt jemals ein „gemeinsames Übereinkommen“ für irgendetwas? Wie kann man ein „Ziel“ für die „Evolution“ der chinesischen Wirtschaft haben? Und den Typ haben sie nach Harvard gelassen…

Quelle: Kapitalschutz Akte
Amerikas Fabriken sind in der Rezession (von Bill Bonner)
Ein Top Volkswirt lebt in einer Traumwelt (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

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