Amerika stürzt ab – Jeder Fünfte arbeitslos

13. November 2009 | Kategorie: Kommentare

Der Begriff „arbeitslos“ ist dehnbar wie ein Gummiband. Im September, wo der Begriff „Rezessionsende“ viel öfters fiel als Laub von Bäumen, stieg die offizielle US-Arbeitslosenquote (U3) von 9,7 Prozent auf 9,8 Prozent. 263.000 Stellen gingen verloren, heißt es. Aufschwung, wo bist Du?

Wer keine Arbeit hat, muss nicht zwangsläufig arbeitslos sein. Dazu bedient man sich einiger hochwissenschaftlicher Stellschrauben. Deshalb werden in den USA sechs verschiedene Arbeitslosenquoten herausgegeben (U1 bis U6), wobei immer die U3-Zahl in den Zeitungen steht bzw. die Börsen bewegt, obwohl es noch fünf andere Arbeitslosenquoten gibt. Aufschlussreich ist dabei die U6-Zahl.

Seit Dezember 2007 wurden in den USA 7,2 Millionen Stellen gestrichen. Die heutigen Zahlen sind die offiziell schlechtesten Daten seit 1983. Jeder zehnte Amerikaner gilt inzwischen als arbeitslos. Offiziell. Inoffiziell ist es ein Desaster. Woher der auf Konsum basierte Aufschwung herkommen soll, bleibt weiter ein Rätsel im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. U3 ist dabei immer noch die freundlichste Zahl aus der Datenreihe des Bureau of Labour Statistics (Quelle). Nach dem etwas interessanteren U6-Bogen muss man schon etwas genauer suchen. (Quelle). Dieser beinhaltet nämlich auch alle Personen, die U3 ausblendet und informiert etwas genauer über die realen Zustände am US-Arbeitsmarkt. U6 dagegen kommt der Wirklichkeit dabei am nächsten…

Total unemployed, plus all marginally attached workers, plus total employed part time for economic reasons, as a percent of the civilian labor force plus all marginally attached workers.

U6 vermeldet heute eine offizielle Quote, die von 16,8 Prozent im August auf jetzt 17,0 Prozent gestiegen ist (saisonal bereinigt) Interessant auch die Datenreihe der Leute, die länger als 15 Wochen ohne Beschäftigung sind (U1). Da sprang die Rate von 5,1 Prozent auf 5,4 Prozent. Warum nimmt man diese Zahl nicht als offizielle Referenz? Sieht doch hübscher aus. Oder?

Nach der statistischen Methode aus dem Jahr 1980, auffindbar auf der viel beachteten Internetseite Shadow Stats (Quelle), liegt die Arbeitslosenquote jetzt bei knapp 22 Prozent.

Armut ist in den USA inzwischen Normalität. Trotz staatlicher Hilfen in Billionenhöhe, gab es noch nie soviele „Snappys“ wie im September 2009. (SNAP = Supplemental Nutrition Assistance Program) Snappys sind diejenigen, denen monatlich eine Beihilfe zum Kauf von Lebensmitteln in Höhe von 133,31 USD gezahlt wird. Im Juli haben 35,9 Millionen US-Bürger bzw. 16,2 Millionen Haushalte Bezugsscheine erhalten, 6.8 Millionen mehr als vor einem Jahr. Kostenpunkt: 4,8 Milliarden USD. (Quelle)

Graphik-Quelle: WirtschaftsQuerschuss

Bezugsberechtigt sind diejenigen, die zwischen 16 und 60 Jahre alt sind und nachweisen können, dass sie auf Arbeitssuche sind bzw. bereit sind, an Beschäftigungs- und Ausbildungsprogrammen teilzunehmen.

Amerika stürzt ab. Mitten im Aufschwung. Und keiner merkt es…

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