Am Nikolaus statt Süßem – die Rute!

6. Dezember 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

vom Smart-Investor

Gemäß dem alten Lied „Morgen, Kinder wird’s was geben“, gab es am gestrigen Nikolausabend auch etwas für die „Top-Staaten“ der Eurozone. Statt der erhofften Süßigkeiten für die ach so tollen Sparan-strengungen, packte der S&P-Nikolaus jedoch negative Ausblicke nicht alleine in Italiens Stiefel…

Da schwoll natürlich vielen Politikern der Kamm, ob dieser politischen Verschwörung der Ratingagenturen aus dem angloamerikanischen Raum. Von einer „willkürlichen Entscheidung ohne Bezug zur Wirklichkeit“ war die Rede…und dem kann man eigentlich nur zustimmen, denn tatsächlich sind die meisten westlichen Industrienationen bankrott, verdienten also die Herabstufung auf Junk und nicht einen „negativen Ausblick“.

Den Zentralbanken sei Dank!

Dass sich die Pleitegeier noch nicht zum finalen Festbankett niedergelassen haben, ist jenen geheiligten Institutionen geschuldet, die völlig unabhängig und in unendlicher Weisheit wissen, wie viel Geld der Markt wann braucht: die Zentralbanken. Beherzt griff die EZB in der vergangenen Woche wieder ein und weitete fröhlich und freudig die Monetisierung von Staatsschulden, euphemistisch Stützungskäufe oder Konjunkturspritzen genannt, aus. Zwar haben bereits die USA und Großbritannien die Erfahrung machen dürfen, dass derartige Handlungen kaum mehr zur Stärkung der Wirtschaft führen, aber vielleicht geht es darum gar nicht mehr.

Vielmehr scheint ein direkter Zusammenhang zwischen dem Rating und dem Aufkaufen von Staatsschulden durch die Zentralbanken zu bestehen: wer sich am stärksten quantitativ erleichtert (in Relation zu seiner Wirtschaftsleistung), der erhält das beste Rating. So ließe sich auch verstehen, warum Großbritannien trotz einer kollabierenden Wirtschaft und einer expliziten Staatsverschuldung von deutlich über 80% (bei der Gesamtverschuldung mit über 500% streitet es sich mit Japan um den ersten Platz) immer noch mit einem „Triple A“ geratet wird.

Europäer werden handeln

Aber angesichts der Entrüstung der politischen Klasse der Euro-Zone darf man getrost davon ausgehen, dass am kommenden Wochenende auf dem x-ten Euro-Rettungsgipfel gehandelt werden wird: QE in ganz großem Stil und vor allem natürlich eine eigene EU-Ratingagentur, damit man sich die Wirklichkeit im eigenen Sinne zurechtbiegen…äh…raten kann. Eine „blühende“ Wirtschaft à la Zimbabwe wird dann sicherlich nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Und damit zu den Märkten…

Zu den Märkten

Nahezu alle akuten Verkaufssignale, die wir vor zwei Wochen ausgemacht hatten, wurden in den letzten Tagen wieder revidiert, da die Kurse stark anzogen. Sollte es also nicht zu abermaligen Kurseinbrüchen kommen, wäre von einer klassischen Bärenfalle zu sprechen.

Insbesondere die Kursexplosion auf die Ankündigung der Dollarflutung durch die Zentralbanken am vergangenen Mittwoch ließ nahezu alle zuvor generierten Verkaufssignale in Luft auflösen. Dies veranlasst uns wieder auf unsere ursprüngliche Meinung zurückzukommen, nämlich dass Regierungen und Zentralbanken blitzschnell handeln werden, sobald Gefahr im Verzuge ist. Inwieweit es vor diesem Hintergrund zu einer Rezession kommen kann, bleibt daher fraglich. Wir glauben aus den Äußerungen der Politiker heraushören zu können, dass man einer solchen entgegenzuwirken gewillt ist. Wie letzte Woche bereits angedeutet, halten wir daher unser ursprüngliches Szenario (CuB) wieder für wahrscheinlicher als das Deflationsszenario. Eine genau Ausarbeitung zu dieser Thematik finden Sie dann in der kommenden Ausgabe 1/2012 des Smart Investor Magazins, in welchem wir einen Kapitalmarktausblick für 2012 bringen werden.

Fazit

Bis Weihnachten ist es nicht mehr weit und die Politik zeigt sich gerade zum Fest der Liebe immer wieder sehr großherzig und dürfte für die Märkte vielleicht noch das ein oder andere Geschenk unter den Baum legen. Auch dies ist ein Grund, weshalb wir wieder mit dem Bullenlager liebäugeln.

Ralf Flierl, Fabian Grummes
Smart-Investor

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3 Kommentare auf "Am Nikolaus statt Süßem – die Rute!"

  1. FDominicus sagt:

    „Inwieweit es vor diesem Hintergrund zu einer Rezession kommen kann, bleibt daher fraglich.“

    Warum fraglich? Das würd ja bedeuten Geld drucken und/oder mehr Schulden könnten diese Rezession verhindern? Das halte ich für völlig unglaubhaft.

  2. MARKT sagt:

    heute hü, morgen hott. Und da ist er wieder der herbeigesehnte CUB.

    Kontraindikator Smart Investor?
    Diesmal nicht ganz es wird uns eine Jahresendrallye gegönnt werde, aber nicht mehr und nicht weniger.

    Ihr (SI)werdet noch lange (ca. 4 Jahre) darauf (CUB)warten müssen. Ich würde heute schon wetten, er wird kommen, wenn der Smart Investor schon lange nicht mehr daran glaubt und ab DAX kleiner 4000 Punkte zum Permabär geworden ist.

    Übrigens ich gehe bis 2015 von Kursen deutlich unter DAX 3000 aus.
    Positives Szenario 2750 Punkte.
    Negatives Szenario 1800 Punkte.

    Aber wir werden sehen, habe nämlich meine „Glaskugel“ verlegt.

  3. Avantgarde sagt:

    Überbewertung von Häusern – dann der Fall, Zinsen bei fast Null, Aufkaufen von Anleihen, Geld „drucken“ der Zentralbank, Staatsverschuldung immer weiter und weiter…..

    Alles bekannt?

    USA?

    Ja – aber:
    Weil Nikolaus ist schenke ich dem Smart-Investor mal den Nikkei im Langfristchart.

    http://de.finance.yahoo.com/echarts?s=^N225#symbol=^n225;range=my;compare=;indicator=volume;charttype=area;crosshair=on;ohlcvalues=0;logscale=off;source=;

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