Am kommenden Donnerstag wird es ernst

1. September 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Manfred Gburek) Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank Fed, traf am Freitag mit seiner Rede in Jackson Hole für Goldanleger den richtigen Ton, indem er andeutete, Q 3 sei möglich, und dies auffallend deutlich auch mit der hohen Arbeitslosigkeit begründete. Q 3 ist das Kürzel für Quantitative Easing. Es handelt sich um eine nette Metapher für das Gelddrucken – offenbar ohne Limit, sonst wäre der Goldpreis als Reaktion auf Bernankes Rede nicht wie von der Tarantel gestochen hochgeschnellt…

Viele Anleger setzen also auf die weitere Abwertung von Papiergeld gegenüber dem Gold. Das heißt, sie erwarten, dass die Kaufkraft des Dollars, aber auch anderer Währungen, gegen Null tendieren wird. Diese Erwartung wird von einer anderen konterkariert, einer offiziellen sozusagen: Dass es gelingen wird, irgendwann in der Zukunft Q 1, Q 2 und Q 3 wieder einzufangen. Etwa auf die Weise, wie die EZB das von ihr in den Kauf bestimmter Anleihen investierte Geld durch den Verkauf anderer Anleihen und die Verknappung von Krediten an Geschäftsbanken mittelbar wieder aus dem Verkehr gezogen hat – bisher, aber ohne Garantie für die kommenden Monate und Jahre.

Die Hoffnungsträger in diesem gefährlichen Spiel sind Ben Bernanke und EZB-Chef Mario Draghi. Sie bilden zusammen mit den ihnen unterstellten anderen Zentralbankern jeweils eine Art Schattenregierung. Nur dass Bernanke sich im Zweifel allein mit US-Präsident Barack Obama abzustimmen braucht, während Draghi dies mit den Staats- und Regierungschefs des Euroraums 17-mal tun muss und obendrein nicht die EU-Bürokratie in Brüssel vernachlässigen darf.

Es kommt noch dicker, denn Draghi muss sich gleich aus drei Gründen beeilen und wird deshalb schon am nächsten Donnerstag ein umfangreiches Programm zur Eurorettung vorlegen: 1. Um das nicht erst dann vorzulegen, wenn es zur Preisinflation kommt und die Stabilitätsbefürworter im EZB-Rat unter Führung von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann Oberwasser bekommen könnten, 2. um den Streit mit Weidmann, der strikt gegen weitere Anleihenkäufe durch die EZB ist, nicht eskalieren zu lassen, und um 3. nicht noch mehr unter Druck seitens des USA und Chinas zu geraten.

Der zuletzt genannte Grund ist spätestens bei der jüngsten Reise von Kanzlerin Angela Merkel nach China evident geworden, als der chinesische Premier Wen Jiabao sie unverblümt aufgefordert hat, für Ordnung im Euroraum zu sorgen – eine nahezu identische Wiederholung dessen, was US-Präsident Obama schon vor Monaten gefordert hatte. Und weil die Kanzlerin nur Macht über die Bundesregierung hat, nicht aber über die EZB-Schattenregierung unter Führung von Draghi, wächst zwangsläufig dessen Macht… (Seite 2)

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6 Kommentare auf "Am kommenden Donnerstag wird es ernst"

  1. stephan sagt:

    Ich kann nicht erkennen, warum ich es derzeit beherrschen sollte, alle hier genannten Assetklassen zu verknüpfen. Schon wegen des damit verbundenen Verwaltungsaufwandes und der Schwierigkeit, den Überblick über alle Investitionen zu behalten. Für mich gibt es seit 2007 nur eine Assetklasse. Und diese funktioniert wegen der insoweit ausgezeichneten Rahmenbedingungen bestens. Einstweilen sehe ich auch keine Anlass zum Wechsel dieser Assetklasse.

    Gar nicht erkennen kann ich, was ich mit einem Batzen Papiergeld auf dem Tagesgeldkonto soll, wo die Erträge nicht mal die Inflation ausgleichen. Was soll ich damit in dieser Situation anfangen? Da diese Mittel aber – auch aus Herrn Gbureks Sicht – für den Fall der Fälle bestimmt sind, liegen sie gerade nicht auf dem Konto, sondern stehen ohne die Erforderlichkeit der Mitwirkung Dritter (= Bank) immer zur Verfügung. Auf die paar Euro Zinsen verzichte ich mit Blick auf „den Fall der Fälle“ gerne.

    • gilga sagt:

      Wenn Du Dir so sicher bist das alle Deine(?) Beurteilungen der Lage und daraus folgenden Schlüsse korrekt sind und daher so auch eintreten werden/müssen machst Du damit ja alles richtig.

      Meiner Meiung nach gilt dies aber leider in der Regel nicht und ich(!) glaube an meine eigene Fehlbarkeit und lege daher nicht alles in einen Korb.

      Was wäre denn wenn Du tatsächlich die Wiedereinführung einer neuen DM/Nord-Euro samt Aufwertung um 20, 30, 50% + darauffolgenden Anstieg der Arbeitslosigkeit (ggf. dann wieder nominell sinkendes eigenes Einkommen => wird die aktuellen Kreditfinanzierer sicher freuen wenn deren Kredite dann auch 1:1 umgestellt werden würden) mit anschauen musst? Man mag jetzt darüber streiten wie wahrscheinlich das ist usw… aber am Ende wirklich wissen kann es keiner von uns.

      Es geht um Kapitalerhalt, und da ist Diversifikation für die verschiedenen Szenarien oberstes Gebot. Alles andere ist Spekulation und da haben (auch viele Vernünftige mit durchaus guten Überlegungen) schon Schiffbruch erlitten. Die Diversifizierer werden sicher nicht unbedingt reich, halten aber in der Regel ihr Vermögen (inflationbereinigt), was ja schon mal nicht ganz ohne ist.

      Ganz abgesehen das man auf sehr lange Sicht vielleicht Recht haben aber nicht Recht bekommen (sprich: staatliche/notenbankseitige Eingriffe) bzw. sehr lange darauf warten (man bekommt die Assets während einer (gewollten?) Durststrecke oder durch Repression „abgenommen“) muss.

      Was ich für viel schwieriger für jeden realisierbar halte ist die sinnvolle(!) Investition in alle genannten Felder. Nicht jeder ist in der Lage in selbstegenutztes Wohneigentum zu investieren ohne dabei Schulden zu machen. Da fliegt dann schon mal eine Variante raus. Wenn man bei Rohstoffen streut sehe ich zudem auch nur einen begrenzten Vorteil dazu auch noch Aktien zu kaufen… das mögen auf dem Aktienmarkt Aktive die sich um Rohstoffe nicht scheren aber auch anders sehen…

      Den Tipp Liquidität in Form der „unbeliebten“ Zettelchen (bzw. kurzzeitig abrufbar in elektronischer Form) zu halten finde ich jedenfalls nicht falsch.

      • stephan sagt:

        @gilga:

        Ich habe keine Schulden, auch weil ich etwas dagegen habe. Kreditfinanzierer gehen mich von daher nichts an. Wer jetzt noch Schulden hat: good luck.

        „Es geht um Kapitalerhalt, und da ist Diversifikation für die verschiedenen Szenarien oberstes Gebot.“

        Dem stimme ich so nicht zu. Jedes Asset hat seine Zeit. Und soviele Szenarien gibt es bei der allerorten (weit) überbordenden Schuldenkrise nicht mehr. Immobilien gehören als Kapitalanlage aktuell ganz bestimmt nicht mehr dazu; noch nicht einmal schuldenfrei finanziert (eventuelle Ausnahme: Eigennutzung). Dank Kredit sind Immobilien in guten Lagen bereits viel zu teuer. Schlechte Lagen scheiden aus. An Aktien glaube ich auch nicht. Man schaue sich dazu die Finanzstruktur der Unternehmen an. Der Fremdkapital-Anteil ist fast überall sehr hoch. Was ist, wenn dieser Kredit wegfällt? Ganz abgesehen vom Risiko im wirtschafltichen Umfeld.

        Man kann mit Diversifizierung auch leicht das Gegenteil von dem errreichen, was man will. Meiner Ansicht nach lässt man für die nächste Zeit die Finger von allem, was irgendwie mit Kredit zusammenhängt. Aber selbstverständlich bin auch ich nicht unfehlbar! Die Zukunft wird zeigen, was der bessere Weg gewesen ist. Jeder macht insoweit seine eigene Due Dilligence.

        „Ganz abgesehen das man auf sehr lange Sicht vielleicht Recht haben aber nicht Recht bekommen (sprich: staatliche/notenbankseitige Eingriffe) bzw. sehr lange darauf warten (man bekommt die Assets während einer (gewollten?) Durststrecke oder durch Repression “abgenommen”) muss“

        Welche staatlichen/notenbankseitigen Eingriffe meinst Du, die einen negativen Einfluss auf EM-Assets haben könnten? Wie soll denn der Staat jemandem EM-Assets „abnehmen“ können (Stichwort Goldverbot)? Ganz im Gegenteil zu Immobilien, die mit Zwangsanleihen belegt werden können und Aktiengewinnen, die mit Abgeltungssteuer belegt werden, können EM (ich rede vom anonymen Kauf und physischen Besitz) schlicht nicht erfasst werden.

        „Den Tipp Liquidität in Form der “unbeliebten” Zettelchen (bzw. kurzzeitig abrufbar in elektronischer Form) zu halten finde ich jedenfalls nicht falsch“

        Völlig richtig – so auch meine Meinung. Nur nicht auf dem Konto, wie von Herrn Gburek empfohlen, sondern als Barreserve!

  2. gilga sagt:

    „Dem stimme ich so nicht zu. Jedes Asset hat seine Zeit.“

    Völlig richtig, nur wissen natürlich im nachhinein immer alle welches die beste Wahl gewesen wäre… vorher aber ist das etwas schwieriger. Ich sage ja nicht das die Asset-Wahl EM momentan die Falsche ist (ich bin ja auch mit einem guten Teil dabei). Ich warne nur davor von der eigenen Meinung das Richtige zu tun zu überzeugt zu sein. Man sollte diese Meinung immer wieder kritisch hinterfragen, denn nur so hat man eine Chance halbwegs objektiv zu bleiben. Selbst wenn man sich sehr sehr sicher ist, halte ich es für falsch alles auf ein Pferd zu setzen, da man eben auch „falsch“ liegen kann bzw. es Akteure gibt die einen da für sehr lange Zeit übel mitspielen können. Mehr wollte ich damit gar nicht sagen.

    „Welche staatlichen/notenbankseitigen Eingriffe meinst Du, die einen negativen Einfluss auf EM-Assets haben könnten?“

    Schuldenschnitt mit darauf folgender Änderung des Zinsniveaus (und ggf. Restrukturierung des Währungsraumes); massive Bevorzugung anderer Assets per steuerlichem Vorteil bzw. Besteuerung anderer Assets; das von mir beschrieben Szenario eines Zerbrechens bzw. einer massiven Verkleinerung der Währungsunion (wohl noch das Wahrscheinlichste) usw.

    Ich denke wir haben alle gesehen was möglich ist bzw. sollten uns dies nach den Ereignissen der letzten Jahre vorstellen können. Einiges macht ökonomisch keinen Sinn, aber das muss nicht der Leitfaden sein um die Zukunft zu antizipieren.

    Ich halte das alles nicht für zwingend / sehr wahrscheinlich, da es durchaus gute Argumente dagegen gibt. Nur glaube ich nicht daran in dieser Argumentation (die ich teile aber wo auch viel externe Info drin steckt; wer von uns kommt den zu seinem Wissen ganz allein und „unbeeinflusst“?) fehlerfrei zu sein.

    „Wie soll denn der Staat jemandem EM-Assets “abnehmen” können (Stichwort Goldverbot)?“

    Es geht nicht direkt um physisches abnehmen. Man kann es Dir aber sehr sehr schwer machen es innerhalb Deiner Lebensspanne zu „Geld“ zu machen bzw. gegen etwas zu tauschen. Grenzen kann man dicht machen und auch innerhalb des Landes dürfte es schwer werden Gold gegen höherwertige Ware unbeobachtet zu tauschen bzw. wirklich nennenswerte Mengen zu veräußern. In der Regel sind diese Dinge dann nämlich in irgendeiner Form behördlich erfasst (Land, Immos, Autos, …) und beim Besitzerwechsel bekommt das der Staat zumeist mit. Auch gegen Schwarzgeld in Barform kann man vorgehen (wenn man den will bzw. da wenig zimperlich ist). Also auch gegen „Schwarzgold“. Wenn wir hier also nicht von ein paar tausend Euro sprechen wird es schon interessant bzw. hat der Staat Mittel und Wege wenn er will.

    Ich mache mir da zumindest nichts vor… wenn dann sollte man im Extremfall(!) bereit und fähig sein den richtigen Moment zu erkennen und Europa binnen kürzester Zeit zu verlassen. Wie schwer das vielen Menschen fällt konnte man auch in der jüngeren deutschen Geschichte gleich mehrfach beobachten.

    „Immobilien gehören als Kapitalanlage aktuell ganz bestimmt nicht mehr dazu; noch nicht einmal schuldenfrei finanziert (eventuelle Ausnahme: Eigennutzung). Dank Kredit sind Immobilien in guten Lagen bereits viel zu teuer. Schlechte Lagen scheiden aus.“

    Es ging im Artikel ja auch nur um Eigennutzung:
    „schützen nur selbst genutzte Wohnimmobilien in guten Lagen vor Geldentwertung.“.

    Das mit der guten Lage kann man wohl verschieden sehen. München ist ganz sicher kein geeignetes Pflaster mehr. So manche ostdeutsche Stadt in nicht zwingend guter aber geeigneter Lage ggf. schon (wohlgemerkt bei Eigennutzung!). Hier sind die Preise teilweise nur sehr moderat gestiegen.

    Ich denke das Problem mit den Artikeln von Manfred Gburek ist, das man sie so lesen sollte als hätte man sowas wie 500.000€ auf der Kante. Stichwort: kreditfreier Kauf einer eigengenutzten Immobilie bei gleichzeitiger Diversifikation (und damit sind dann bestimmt nicht 0,5% für den Rest gemeint) in andere Assets wie Aktien, EM und Tagesgeld.

    Deinen Kommentar stephan lese ich so, dass Du eher von Beträge bis sowas wie 50.000€ (also ca. 10% davon) ausgehst. Hier stimme ich Dir was Immos betrifft voll und ganz zu. Allenfalls Bauland wenn bisher kaum verteuert aber ohnehin mal gewünscht/geplant und in einer Lage die zumindest halbwegs Kapitalerhalt verspricht wäre da noch drin, aber das wäre dann schon Klumpenrisiko. Hier macht EM Sinn, meiner Meinung nach aber nicht in einer „All-In“ Strategie ala 80%. Vor allem da hier das „Durstrecken“-Problem noch viel immanenter werden kann. Für den Staat wird es dann auch wirklich schwer das per Steuern/Verboten zu verhindern, da gebe ich Dir recht. Aktien stehe ich, wie ich oben schon schrieb, auch durchaus skeptisch gegenüber. Das hängt bei mir aber wohl eher damit zusammen das mich Rohstoffe mehr interessieren… bei Firmen weiß man nie so ganz was wirklich drinnsteckt. Zumindest ist das mein Gefühl. Wenn dann sollte man wohl Einzeltitel kaufen und dazu gut recherchieren (wo bzw. in welchen Sektoren man zu suchen hat schreibt Gburek ja immer mal). Dazu fehlt mir die Zeit… anderen aber vielleicht nicht.

    Soweit weit auseinander sind wir da also gar nicht.

  3. gilga sagt:

    OT – Das dürfte Frank interessieren:

    The Monetary Endgame Score To Date: Hyperinflations: 56; Hyperdeflations: 0

    http://www.zerohedge.com/news/monetary-endgame-score-date-hyperinflations-56-hyperdeflations-0

    Leider wird auch hier wieder kein Beispiel für ein Land genannt das in einer Hyperdeflation zugrunde gegangen ist… verflixt nochmal. 😉

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