Am dunkelsten ist die Nacht vor der Dämmerung

31. Mai 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Pssst … liebe Leser … Wollen Sie viel Geld verdienen? Und das auch noch schnell? Wir sind keine Spieler, keine Zocker. Wir sind keine Spekulanten. Und wir sind nicht wirklich gut darin, die Zukunft vorherzusagen. Aber wir sehen momentan etwas, das wie ein wirklich einfaches Muster (RSP) aussieht. Und das könnte sich am Ende sehr wohl auszahlen…

Wir fassen es kurz in fast schon „poetischer“ Form zusammen: vor der Morgendämmerung ist die Nacht immer am dunkelsten!

Vor Risiken blind

Wir weisen heute im Tagebuch auf etwas hin, das es in der Art so seit fast 25 Jahren nicht mehr gab. Und zwar auf eine Morgendämmerung, die so hell ist, dass sie die Anleger blind vor den Risiken, mit denen sie konfrontiert sind, macht.

Liebe Leser, wir wissen nicht, was passieren wird. Aber wir erkennen ein RSP, wenn wir eines sehen.

Konkreter gesagt reden wir über das Maß an Angst an der Wall Street, genauer gesagt den CBOE Volatilitäts-Index oder VIX. Es misst das Niveau der Volatilität – sprich die Preisschwankungen – welche die Investoren für den S&P 500 über 30 Tage erwarten.

Historisch tiefes Niveau

In den vergangenen 24 Jahren lag das durchschnittliche Niveau des VIX bei 19,65. Jüngst sank es auf einen Wert von unter 10 . Das ist ein Niveau, das wir seit 1990 nur in insgesamt neun Fällen gesehen haben.

Der aktuelle Stand war der niedrigste seit 1993!

Investoren substitutieren oft Volatilität mit „Risiko“. Aber in Wahrheit handelt es sich um etwas ganz anderes. In der Regel ist es nämlich so, dass bei einem derart tiefen VIX-Stand ein gefährlich hohes Maß an Selbstzufriedenheit der Investoren und nicht die Abwesenheit von echtem Risiko aufgezeigt wird.

Gerade jetzt ist es aber höchst interessant, dass es trotz eines derart hohen Maßes an Selbstzufriedenheit bei den Investoren es viele Dinge gibt, über die Investoren sich sorgen sollten. Und es gibt auch viele Dinge und Gründe dafür, warum der VIX nach oben schießen sollte.

Was könnte alles schief gehen?

Was denken Sie?

US-Aktien notieren in der Nähe des oberen Endes der Bandbreite. Jeder Schritt, den es weiter nach oben geht, findet auf poliertem und brüchigem Eis statt.

Die Investoren haben in den letzten drei Jahren den Wert des S&P 500 um sage und schreibe zwei Billionen Dollar erhöht. Dennoch machten die 500 im Index vertretenen Unternehmen im Durchschnitt im Jahr 2016 weniger Gewinn pro Aktie als vor drei Jahren.

Mit anderen Worten, Investoren zahlen für „Wachstum“, das nicht wirklich da ist.

Hinzu kommt, dass mehr als die Hälfte des Gewinns beim S&P 500 nur von fünf Aktien kommt. Auch diese Verengung der Markttiefe auf nur fünf einzelne Aktien ist ein klassisches Warnsignal. Und zwar ein Zeichen, dass die Spitze der Blase erreicht ist.

Hoffnung auf Reflationierung

Warum sollten Investoren eigentlich so teure Aktien kaufen?

Nun, einige Analysten glauben, dass sie gerade am Trump „Reflations-Trade“ teilnehmen würden.

Der Präsident versprach, die Steuern zu senken, die Wall Street-Regulierung zu beschneiden und eine Billion Dollar in die Infrastruktur zu stecken. Dies würde die Unternehmensgewinne erhöhen und somit auch die Aktienkurse. So sehen das zumindest die Analysten.

Aber es wird keine größere Steuersenkung geben. Kein großes Infrastrukturprogramm. Und keine signifikanten Kürzungen bei der Regulierung.

Warum nicht?

Weil an dem Punkt die Konfusion, die Widersprüche und unterschiedlichen Agenden des Weißen Hauses und der Republikanischen Partei einen größeren legislativen Erfolg nahezu unmöglich machen.

Auch wissen wir nicht, was passieren wird. Das spielt aber in dem Fall keine Rolle. Wir werden nicht auf ein bestimmtes Ergebnis wetten.

Angst wird zunehmen

Wir werden nur darauf setzen, dass die Angst wächst. Die aktuelle „Expansion“, so schwach sie auch ist, hält nun schon seit 112 Monaten an. Die durchschnittliche Expansion nach dem zweiten Weltkrieg dauerte dagegen nur 58 Monate. Fraglich, wann die aktuelle Expanison eine Pause macht oder in den Graben fährt.

Das bringt uns zurück zu unserem RSP. Für uns sieht die Situation so aus, als bedürfte es bald der Dienste eines Bombenentschärfungskommandos. Der VIX sagt uns, dass die Dinge seit 1993 nicht mehr so ruhig und selbstzufrieden waren. Kurzum, es sollte kein schlechtes Investment sein, den VIX wie 1993 bei einem Wert von unter 10 zu kaufen.

Trump kann die Pumpe nicht befüllen
von Bill Bonner

„Die US-Wirtschaft ist wieder zurück im Expansions-Modus“, so hieß es neulich in einer Bloomberg-Schlagzeile. Anscheinend sind Inflation und Konsumausgaben im letzten Monat etwas nach oben gegangen. Wir sind so froh, solche Nachrichten hören bzw. lesen zu dürfen.

Und neulich sagte der Präsident der New Yorker Fed, William Dudley, dass die US-Zentralbank damit beginnen könnte, sich von der Last der vielen Anleihen in ihrer Bilanz noch in diesem Jahr zu erleichtern. Oder vielleicht auch nicht.
Oder vielleicht werden sie dann doch noch welche kaufen. Wer weiß das schon. Das hängt von vielen Dingen ab.

Die Fed hörte im Jahr 2014 damit auf, Anleihen über das Programm der sog. quantitativen Lockerung (QE) zu kaufen. Aber die Bank von Japan (BoJ) und die Europäische Zentralbank (EZB) haben ihre QE-Programme aufrechterhalten und die weltweite Geldmenge weiter aufgebläht.

Mittlerweile wurde bekannt, dass die Vermögenswerte in der EZB-Bilanz auf 4,1 Billionen Dollar gestiegen sind. Die EZB ist damit zum größte Einzelbesitzer nicht tilgbarer Schulden auf der Welt geworden.

Die Fed, die EZB und die Bank ofJapan liefern sich ein heißes Kopf-an-Kopf-Rennen in diesem wilden Wettlauf in Richtung Konkurs. Zusammen besitzen diese drei Zentralbanken nun schon rund 12,5 Billionen Dollar an Vermögenswerten.

Was bedeutet das Ganze? Warum ist es wichtig? Wen kümmert bzw. interessiert es schon, wenn die Fed ihre Anleihen verkauft?

Präsident Trump, der neulich ja auch im „Economist“ interviewt wurde, behauptete, er habe eine wichtige Metapher erfunden. Ja, er kam mit der Idee daher „die Pumpe wieder mit Wasser befüllen zu wollen…“

Er hat wohl den Reporter etwas veralbert bzw. für dumm halten wollen. Die Idee ist uralt – sie stammt aus den 1930er Jahren. Der Präsident sollte, ja müsste das ja eigentlich wissen. „Ja,“ erklärte Herr Trump, „man muss zuerst etwas in die Pumpe hineinlegen, bevor man etwas rauskriegt. Das ist exakt das, was man tun muss.“

Das Problem daran ist, dass Volkswirtschafen ja nicht wie ein Sammelsurium von Machinen funktionieren. Es gibt keine Pumpe. Und selbst wenn die Regierungen eine hätten, haben sie nichts, kein Wasser, mit der sie die Pumpe befüllen könnten.

Aber warten Sie. Warum nicht einfach das Geld ausleihen … es ausgeben … und die Pumpe so füllen? Ist das nicht die alte und „bewährte“ Formel? Ja, das ist die Formel. Aber schauen wir uns das etwas genauer an. Wenn die Feds Geld leihen, müssen sie es von anderen Kanälen abzwacken.

Was machen sie dann damit? Sie geben das Geld dann aus. Und zwar immer und immer wieder für die gleichen Dinge, für die das viele Geld schon immer ausgegeben wurde. Nämlich für teure geldverschwenderische Geschenke und sinnlose Kriege. Diese sind ja ohnehin nur dazu da, damit sich einige wenige Auserwählte zu Lasten der großen Masse bereichern können.

Somit stellt sich die Frage, was da unter dem Strich dabei rauskommt? Gibt es einen wie auch immer gearteten „Gewinn“ dabei?

Ja, liebe Leser, was ist der Gewin daraus? Der Nettogewinn liegt bei Null. Oder bei noch weniger. Aber die Feds halten wild entschlossen weiter daran fest. Die drei größten Zentralbanken haben seit 2008 neun Billionen US-Dollar an Liquidität bereitgestellt, um die Pumpen zu befüllen. Diese gigantische Flut von Geld hat die schwächste „Erholung“ in der Geschichte hervorgebracht … und eine US-Wirtschaft, die jetzt kaum noch wächst.
Quelle: Kapitalschutz-Akte
Weitere Informationen: Investor Verlag

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