Am Abzug: Über Dominoeffekte und die Fragilität der Märkte

20. Oktober 2016 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Die Präsidentschaftswahl in den USA ist seit eineinhalb Wochen endgültig an einem inhaltlichen Tiefpunkt angekommen. Statt um die Frage der Zukunft Amerikas geht es ausschließlich um die Vergangenheit der beiden Kandidaten.

Während Donald Trump vor allem wegen seiner frauenfeindlichen Äußerungen unter Druck steht, wird Hillary Clinton von den Eskapaden ihres Mannes und ihrer eigenen Rolle darin sowie ihres Email-Skandals kritisiert. Doch statt über schlüpfrige Details aus dem Leben der Kandidaten sollten sich Börsianer viel eher Gedanken über die volkswirtschaftlichen Konsequenzen des Wahlausgangs machen. Die Ausgangslage hierzu ist folgende:

Hillary Clinton steht vor allem für ein „weiter wie gehabt“, sowohl was die Fiskal- als auch die Geldpolitik betrifft. Für die Märkte dürfte ihre Wahl zur Präsidentin daher ein „Non-Event“ sein.

Mit Donald Trump im Weißen Haus gäbe es dagegen zunächst einmal eine extreme Unsicherheit zu verdauen. Und wie man weiß, ist Unsicherheit das letzte, was die Börse schätzt. Entgegen der landläufigen Meinung gibt es jedoch durchaus einige Anhaltspunkte, wie seine Politik aussehen könnte.

Anders als Hillary dürfte es mit ihm kaum bei einem „weiter so“ bleiben, sondern viel eher zu einem „mehr von allem“ führen. So plant der Kandidat der Republikaner Infrastrukturinvestitionen über 500 Mrd. USD (Hillary Clinton dagegen lediglich über 250 Mrd. USD). Daneben plant „The Donald“ spektakuläre Steuersenkungen und möchte US-Konzerne mit einer Amnestie zur Repatriierung von im Ausland gehaltener Liquidität animieren. Ein Plan, der in den Massenmedien bislang kaum Gehör gefunden hat, angesichts von 2,4 Bio. USD auf ausländischen Konten jedoch durchaus Auswirkungen haben könnte. Geplant ist eine einmalige Abgabe von 10% auf „heimgeholtes“ Vermögen, statt der üblichen 35% Unternehmenssteuer.

Fragilität auf Knopfdruck

Sollte Trump am Ende als Sieger aus dem Rennen gehen, müssen sich die Börsen auf hohe Staatsdefizite, stark ansteigende Investitionstätigkeit (vor allem aus repatriiertem Auslandsvermögen), anspringende Inflation und ein Hinterfragen der aktuellen Geldpolitik der Federal Reserve durch den neuen Präsidenten einstellen. All dies spricht gegen eine Fortsetzung der künstlichen Bubble an den Anleihemärkten. Gehen diese jedoch in den USA in die Knie, dürfte dies auch in Europa und in Japan Folgen haben.

Laut Christopher Wood von der asiatischen Investmentbank CLSA bestand z.B. seit 1995 eine Korrelation von 0,95 zwischen zehnjährigen Treasuries und zehnjährigen JGBs (japanischen Staatsanleihen).

Die Kausalkette lässt sich nun um eine weitere Stufe erweitern. Dazu sollten Anleger das jüngste Versprechen der Bank of Japan im Hinterkopf behalten. Diese hatte erklärt, die Zinsen für zehnjährige JGBs bei 0% zu fixieren.

Sollte es zu unerwarteter Volatilität am Anleihemarkt kommen, könnte dieses Versprechen von den Märkten schnell getestet werden. Im schlimmsten Fall müsste die Bank of Japan eine unbegrenzte Menge Anleihen aufkaufen. Tut sie dies nicht, bekommt sie möglicherweise ein Glaubwürdigkeitsproblem. Aus einem Wahlausgang in den fernen USA könnte damit im Land der aufgehenden Sonne der Anfang vom Ende des grenzenlosen Vertrauens in die Fähigkeiten der Zentralbanker werden und der Beginn einer grassierenden Hyperinflation anstehen.

Ein weiterer Finger am Drücker

Genau wie am Anleihemarkt verhält es sich auch bei der Deutschen Bank. Mit der Strafzahlung über bis zu 14 Mrd. USD hat die US-Justiz den deutschen Branchenprimus derzeit völlig in der Hand. Denn der Markt traut den Bilanzzahlen der Bank offensichtlich nur sehr bedingt. Der Börsenwert des Unternehmens liegt derzeit lediglich bei rund ¼ des Eigenkapitals – deutlicher könnten Zweifel an der Solidität des Zahlenwerkes nicht ausfallen. Genau hierin liegt nun der Hebel, den die US-Behörde hat.

Denn aufgrund des niedrigen Börsenwertes dürfte es der Bank schwer fallen, überhaupt frisches Eigenkapital zu besorgen. Statt der drohenden Strafe sind es aber vielmehr die fehlende Transparenz und die vermuteten Bomben in der Bilanz, die Anleger vom Nachschießen frischen Geldes abhalten. Für uns ist jedoch klar: In den nächsten Tagen und Wochen wird die Deutsche Bank nicht untergehen. Dafür spricht allein das negative Sentiment, das am Markt derzeit bezüglich der Aktie herrscht. Die Aktie könnte sogar eine Erholung bis zum alten Tief aus 2009 hinlegen (bei 13,39 EUR, siehe Chart).

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Mittelfristig werden uns jedoch die Leichen in der Bilanz einholen, und dann könnte es mit dem Absturz sehr schnell gehen.

Kapitalschutzreport in der Praxis

Manch ein Leser mag durch unseren „Kapitalschutzreport 2016“ (vgl. Titelstory Smart Investor 10/2016) irritiert gewesen sein. Wir sprachen dort – wie gewohnt – auch unangenehme Wahrheiten in aller Deutlichkeit aus. Dort fielen Vokabeln wie „Bürgerkrieg“ und „Krieg“ und es wurde der Endkampf unserer Fiat-Money-Systeme thematisiert. Es geht dabei nicht um Effekthascherei oder Auflagensteigerung – der Smart Investor buhlt ohnehin nicht am Kiosk mit „sex & crime“ um Ihre Aufmerksamkeit.

Es ging darum einen realistischen und vorurteilsfreien Zugriff auf das zu bekommen, was uns in den Märkten bevorstehen könnte, um daraus schon jetzt die richtigen Schlussfolgerungen für die eigene Kapitalanlage ziehen zu können. Alleine die nach der Veröffentlichung erfolgte weitere Zuspitzung des geopolitischen Konflikts zwischen den USA und Russland, die sich an kaum einer Stelle so deutlich kristallisiert wie im Syrien-Konflikt, zeigt, wie wichtig es ist, sich mit solchen Themen zu beschäftigen. Der weitestgehend faktenfreie Kriegs- und Hetzkurs unserer Mainstream-Medien gegen Russland enthält nämlich tatsächlich eine wahre Botschaft: Der Konflikt mit Russland – in welcher Form auch immer – ist gewollt und wird planmäßig vorangetrieben.

Aber auch die rasante Verschlechterung der Sicherheitslage im Lande kommt für unsere Leser nicht überraschend. Die ausufernde Alltagskriminalität schafft es schon gar nicht mehr in die Schlagzeilen, wohl aber der „Terror-Syrer“, dessen Geschichte und Festnahme mehr Fragen aufwirft als sie beantwortet. Im Deutschland der Jahre 2016ff werden wir uns dank einer völlig verantwortungslosen Regierung noch häufiger mit solchen Geschichten beschäftigen müssen – vermutlich auch noch mit sehr viel blutigeren Varianten.

Einen Teaser unseres Kapitalschutzreports haben wir für Sie online gestellt. Das komplette Heft finden Abonnenten kostenlos auf unserer Website. Interessenten können es als Einzelausgabe für 6,40 EUR + 1,80 EUR Versand oder im Rahmen eines kostenlosen Probeabonnements beziehen.

Zu den Märkten

Wenig Neues gibt es derzeit beim DAX zu vermelden. Unsere Einschätzungen der Vorwoche bleiben daher aktuell. Der deutsche Leitindex befindet sich nach dem erfolgten Ausbruch aus seiner abwärts gerichteten Flaggenformation weiter in einer Schiebezone. Trotz einer ziemlich verhaltenen Nachrichtenlage stehen die Chancen – zunehmend auch saisonal – gar nicht so schlecht, dass diese nach oben verlassen werden kann. In dieser Hinsicht sollte man die Kursmarke von 10.800 Punkten genau im Auge behalten.

Vielleicht etwas voreilig sahen sich einige Beobachter angesichts der jüngsten Korrekturen bei Gold und Silber zu einem erneuten Abgesang auf Edelmetallanlagen veranlasst. Dabei sendet der Markt inzwischen wieder erste, deutlich konstruktivere Signale aus. Möglicherweise ist diese Korrektur also bereits schon wieder beendet. Selbst den eingefleischtesten Edelmetallfans musste klar sein, dass auch die laufende Hausse weder eine Einbahn- noch eine staufreie Schnellstraße sein würde. An unserer mittel- bis langfristig sehr positiven Einschätzung dieses Sektors haben die Kursabschläge der letzten Wochen jedenfalls nichts geändert.

Erste Lebenszeichen werden aktuell bei Kuper und Kupferaktien sichtbar. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an unseren Beitrag „Kupfer: ‚Leben ist Energie‘ – Wird das rote Metall zum neuen Megatrend?“ in Smart Investor 8/2016. Dort haben wir Ihnen einige der wesentlichsten Einflussfaktoren dargestellt und interessante Kupferaktien benannt. Das Thema bleibt spannend und verdient Ihre Aufmerksamkeit.

Fazit

Sowohl die US-Wahl als auch die mögliche Strafzahlung für die Deutsche Bank haben das Zeug dazu, die Märkte mächtig aufzuwirbeln. Um den ersten Dominostein zum Fallen zu bringen, braucht es dabei manchmal erstaunlich wenig…
Christoph Karl, Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

 

3 Kommentare auf "Am Abzug: Über Dominoeffekte und die Fragilität der Märkte"

  1. lowabras sagt:

    Nicht zu vergessen, die Langzeitzeitbombe BASF mit Monsanto!

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